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BVDVA-Kongress
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Digitalisierung: »Die Apotheken schaffen das«

Wie kann die Politik Digitalisierung besser verkaufen? Deutlich mehr Kommunikation wäre ein wichtiger Schritt, hieß es bei einer gesundheitspolitischen Diskussionsrunde beim hybriden Kongress des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken (BVDVA), der am heutigen Donnerstag in Berlin stattfand.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 24.06.2021  17:30 Uhr

Deutschland hat bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens viel zu viel Zeit verschwendet. Darin waren sich die Diskutanten einig. Versäumnisse sahen sie aber auch in anderen Bereichen. Nach Auffassung des BVDVA-Vorsitzenden Christian Buse mangelt es hierzulande nicht etwa an Innovationskraft, sondern vielmehr an der schlechten Finanzierung solcher neuen Impulse. So hätten Start-ups in den USA deutlich mehr Kapital zur Verfügung, um schnell digitale Lösungen zu liefern. Er wünscht daher in Zukunft von der Politik mehr Anreize für Unternehmen, damit sie ihre Ideen auch umsetzen können.

Außerdem warnte Buse davor, in dieser »hybriden Phase« – wie er die Zeit seit Beginn der Coronavirus-Krise nennt – zu viele neue Regeln im Bereich der neuen Technologien einzuführen und so die Fortschritte der Digitalisierung erneut durch Bürokratie auszubremsen. Auch hält er eine Rückkehr oder Stärkung alter Strukturen für falsch, ein Seitenhieb auf das immer wieder geforderte Versandverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel. Stattdessen sollte die Politik künftig alle Leistungserbringer auf die digitale Reise mitnehmen. Diesen Job hat sie in seinen Augen aber bislang nicht gut gemacht, insbesondere was die Kommunikation der Neuerungen im Gesundheitswesen angeht. Weniger Sorgen macht sich der BVDVA-Chef in diesem Zusammenhang um die Apotheken vor Ort: »Die schaffen Digitalisierung«, betonte er. Mehr Kummer bereiten ihm hingegen die Arztpraxen. Ihnen hat die Politik in Buses Augen nicht ausreichend klargemacht, wie digitale Tools ihren Arbeitsalltag erleichtern können. Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH), bekräftigt, dass Telemedizin im Vergleich zu E-Commerce deutlich schlechter verkauft wurde.

Dass der Staat bei der technologischen Entwicklung versagt hat, gibt der Abgeordnete und technologiepolitische Sprecher der FDP Mario Brandenburg offen zu. Dadurch sei Deutschland praktisch zum Kunden und nicht zum Gestalter seines digitalen Gesundheitswesens geworden. Geht es nach ihm, könnten Apotheken noch viel stärker umdenken und sogar Services anbieten, wie beispielsweise Kunden die Nutzung der Smartphone-Apps erklären, die für die digitalen Covid-19-Impfnachweise nötig sind. Das muss Brandenburg zufolge dann auch eine Leistung sein, »die anerkannt wird«. Ob er damit eine Honorierung meinte, blieb allerdings unklar.

Vernetzung europaweit denken

Weitere Wünsche an die neue Bundesregierung gehen in Richtung Vernetzung von Gesundheitsmärkten und -versorgung auf europäischer Ebene. Insbesondere Wenk-Fischer spielte dabei auf Konzepte wie einer europäischen Gesundheitsunion an. »Was nützen mir elektronische Patientenakte oder E-Rezept, wenn ich sie nicht im Ausland einsetzen kann?«, fragte er. Brandenburg gab jedoch zu bedenken, dass nicht alle Länder mit Blick auf ihre Gesundheitsdaten dieselben Werte teilen und sprach sich insbesondere aus dem Grund für eine behutsame Vernetzung aus.

Zentral für die Zukunft ist aus Buses Sicht außerdem, »dass wir von der digitalen Welt nicht mehr Sicherheit fordern als von der analogen«. Seiner Ansicht nach ist es nämlich der falsche Ansatz, wenn ein Patient etwa bei Vorlage des E-Rezept-Tokens in der Apotheke auch noch seinen Personalausweis vorzeigen muss. Ein Papierrezept hingegen würde nicht so gründlich überprüft, kritisierte er.

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