Differenziert intervenieren, aber wie? |
Etwa zwei Drittel aller Frauen kommen relativ problemlos durch die Wechseljahre. Für diejenigen, die unter Beschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüchen leiden, gibt es neue Empfehlungen. / Foto: Adobe Stock/missty
Die Leitlinie wurde von den deutschen, österreichischen und schweizerischen Gesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe gemeinsam erarbeitet. Weitere Fachgesellschaften, darunter die Deutsche Gesellschaft für Pharmakologie sowie die Gesellschaft für Phytotherapie, waren eingebunden.
Die Autoren der Leitlinie unterstreichen den hohen Beratungsbedarf von Frauen, die über eine Prävention beziehunsgweise Therapie von Wechseljahresbeschwerden nachdenken. Am häufigsten klagen Frauen in diesem Lebensabschnitt über vasomotorische Symptome wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Streng genommen sei nur für diese Beschwerden ein kausaler Zusammenhang mit der veränderten hormonellen Situation in der Menopause gesichert, heißt es in der Leitlinie. Für andere typische Wechseljahresbeschwerden wie Stimmungsschwankungen gelte dies nicht. Für Schlafstörungen und Erschöpfung beispielsweise sei belegt, dass sie im Lauf des Erwachsenlebens stetig zunehmen, und auch so lasse sich ein gehäuftes Auftreten um die Menopause erklären.
Hitzewallungen erleben viele Frauen als sehr belastend. In einer der zitierten Studien hatten Frauen mehr als sieben Jahre lang häufig, das heißt »an mehr als sechs Tagen in den letzten zwei Wochen«, mit diesem Symptom zu kämpfen (»JAMA Internal Medicine« 2015, DOI: 10.1001/jamainternmed.2014.8063). Vor diesem Hintergrund empfehlen die Leitlinienautoren, stärker belasteten Frauen eine Hormonersatztherapie anzubieten. Für nicht hysterektomierte Frauen sei eine Estrogen-Gestagen-Therapie mit adäquatem Gestagen-Anteil am effektivsten, wobei die Gestagen-Gabe zyklisch oder kontinuierlich erfolgen könne. Die Frequenz von Hitzewallungen lasse sich so um 75 Prozent reduzieren.
Selektive Serotonin- beziehungsweise Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI beziehungsweise SNRI) sowie Clonidin und Gabapentin sind bei vasomotorischen Beschwerden keine Medikamente der ersten Wahl. Die Studienergebnisse zur Wirksamkeit sind widersprüchlich. Unter SSRI und SNRI wurden zudem hohe Abbruchraten wegen Nebenwirkungen beschrieben.