Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Apothekerkammer Berlin
-
»Die Zukunft unseres Berufsstandes entscheidet sich jetzt«

Politischer Wandel, wirtschaftlicher Druck und Nachwuchsmangel prägen derzeit den Apothekerberuf. Über diese Herausforderungen wurde beim dritten Netzwerktreffen »Kammer aktiv« der Apothekerkammer Berlin diskutiert.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 01.06.2026  12:40 Uhr

Novellierung der Approbationsordnung gefordert

In mehreren Gesprächsrunden tauschten sich die Teilnehmenden des Netzwerktreffens offen über ihre Erfahrungen und Erwartungen aus. Dabei wurde deutlich: Viele junge Apothekerinnen und Apotheker wünschen sich mehr Sichtbarkeit für die Vielfalt pharmazeutischer Tätigkeitsbereiche, bessere Arbeitsbedingungen und Perspektiven für die berufliche Entwicklung. Zugleich besteht der Wunsch, den Berufsstand aktiv mitzugestalten – wenn Beteiligung greifbar und alltagsnah ist.

Auch die pharmazeutische Ausbildung spielte eine zentrale Rolle. Diskutiert wurde intensiv, ob die aktuelle Approbationsordnung junge Menschen ausreichend auf die Realität des Berufs vorbereitet. In verschiedenen DAT-Anträgen hat die Apothekerkammer Berlin auf die Dringlichkeit der Novellierung der Approbationsordnung hingewiesen. So zuletzt in dem DAT-Antrag »Dringlichkeit der Novellierung der Approbationsordnung für Apotheker« aus dem Jahr 2025.

Zeigen, wie vielfältig der Beruf ist

Die angestellte Apothekerin und Leiterin des Fortbildungsausschusses der Kammer Berlin, Sarah Junghans, machte deutlich, dass der Beruf der Apothekerin und des Apothekers so vielfältig wie »kaum ein anderer« sei – und »genau darin liegt die Chance, ihn aktiv mitzugestalten, besonders in der Apotheke vor Ort«, sagte sie. »Vernetzung schafft ehrlichen Austausch, doch echte Veränderung braucht Engagement – und das frühzeitig. Das Ehrenamt ist eine Plattform für alle.«

Auch die angestellte Apothekerin Emma Fröling betonte: »Wenn wir junge Menschen für die Pharmazie gewinnen wollen, müssen wir zeigen, wie vielfältig unser Beruf tatsächlich ist. Man kann nah an Patientinnen und Patienten arbeiten, Versorgung mitgestalten, forschen, regulieren, entwickeln oder digitale Lösungen voranbringen – alles mit dem gemeinsamen Ziel, die Gesundheit der Menschen zu schützen, zu fördern und bestmöglich zu versorgen.« Zudem machte sie deutlich, dass es dringend eine neue Approbationsordnung braucht: »Wir können nicht mit einer Approbationsordnung von vor 25 Jahren studieren«, so Fröling. »Es liegt an uns, unseren Berufsstand zu positionieren, wo er hin soll, und wir alle sind dafür verantwortlich, dass unser Beruf zukunftsträchtig bleibt.«

Auch Anna Jonas, Vertreterin beim Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland, bekräftigte, dass es eine neue Approbationsordnung braucht, um den Anforderungen an das zukünftige Berufsbild gerecht zu werden. »Es müssen Kompetenzen gelehrt werden, nicht nur Inhalte«, sagte sie. Dazu gehöre eine praxisnahe Ausbildung entlang der im »Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Pharmazie« festgelegten Kompetenzen, der Ausbau der Fächer Klinische Pharmazie und Pharmakologie, die Förderung von wissenschaftlichem Arbeiten sowie die Verankerung interprofessioneller Zusammenarbeit bereits im Studium.

Kammer aktiv ist ein seit 2025 bestehendes Format der Apothekerkammer Berlin, das Raum für Austausch und Diskussion bietet. Dabei stehen die Informationsvermittlung, der Dialog zwischen den Kammermitgliedern, politischen Akteurinnen und Akteuren sowie den Expertinnen und Experten der Branche im Vordergrund. 

Mehr von Avoxa