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Covid-19

Die Sterberate in Deutschland wird steigen

Die Sterberate an Covid-19 ist derzeit im internationalen Vergleich sehr niedrig. Das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) rechnet aber damit, dass das nicht so bleiben wird.
Christina Hohmann-Jeddi
31.03.2020
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Im Moment liege die Covid-19-bedingte Sterberate in Deutschland bei 0,8 Prozent der bekannten SARS-CoV-2-Infektionen, sagte RKI-Präsident Professor Dr. Lothar Wieler bei einem Pressebriefing am Dienstag. »Die Meldungen haben aber einen Zeitverzug. Die Menschen sterben erst nach einem gewissen Krankheitsverlauf«, erläuterte er. Derzeit gebe es leider auch Fälle in Pflege- und Altenheimen. »Wir müssen leider davon ausgehen, dass die Sterberate damit ansteigen wird.«

Die aus den erfassten Fällen errechnete Sterberate liegt in Deutschland bisher deutlich niedriger als in der Europäischen Union insgesamt mit etwa 7,6 Prozent, im Iran mit 6,9 Prozent oder den USA mit 1,8 Prozent. Den Grund für die momentan noch moderate Quote sieht Wieler in frühen und vielen Tests. Deshalb seien in Deutschland auch viele leichte Fälle registriert worden, die nicht zum Tod führten. Bislang liege das Durchschnittsalter der Infizierten bei 47 Jahren, das Durchschnittsalter der gestorbenen Covid-19-Patienten bei 80 Jahren. Von den bisher dem RKI gemeldeten 583 Todesfällen in Deutschland waren 87 Prozent älter als 70 Jahre, 44 Personen waren zwischen 60 und 69 Jahre alt und 31 Personen unter 60 Jahre. »Die jüngste verstorbene Person war 28 Jahre alt und litt an Vorerkrankungen«, berichtete Wieler.

Jede Woche 350.000 Tests

Derzeit würden pro Woche rund 350.000 Menschen in Deutschland getestet. Mehr sei im Moment mit herkömmlichen Tests nicht möglich. Mit neueren, vereinfachten Tests ließe sich die Kapazität noch steigern. In welchem Maße dies möglich sei, könne er nicht abschätzen, erklärte der RKI-Präsident.

Auch Antikörpertests seien wichtige Instrumente, um etwa die Dunkelziffer, die Zahl der nicht erkannten Infektionen, in der Population einschätzen zu können. Außerdem erlaubten sie einen gewissen Einblick, ob eine Person immun sei oder nicht. Noch sei unklar, wie lange eine Immunität nach durchgemachter Infektion anhält. Es würden in Deutschland verschiedene Studien mit Antikörpertests geplant, berichtete Wieler. Deren Güte hänge aber stark von der Qualität der verwendeten Tests ab. Man dürfe jetzt »nicht hastig irgendwelche Tests verwenden, nur um eine Studie zu machen«, sondern die Tests müssten eine hohe Qualität haben, um aussagekräftige Daten zu erhalten.

Selbstgebastelte Masken

Auf einen selbstgebastelten Mund-Nasen-Schutz angesprochen, stufte Wieler diesen grundsätzlich als hilfreich zum Schutz anderer Menschen ein. Wie effizient er sei, hänge vom Material ab. Doch auch ein selbstgebauter Schutz halte Tröpfchen zurück, wenn man huste und niese. »Deswegen ist er für den Schutz von anderen von Relevanz.« Deutlich zu unterscheiden sei aber ein einfacher Mund-Nasen-Schutz von den FFP2-Masken, die im medizinischen Bereich eingesetzt würden. Sie schützen den Träger selbst vor Infektionen.

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