| Daniela Hüttemann |
| 19.06.2026 15:30 Uhr |
Auch im heimischen Urlaub und erst recht in Südeuropa wird der Mückenschutz im Sommer genauso wichtig wie der Sonnenschutz. / © Getty Images/Matija Keber
Krankheitserreger, die von Mücken übertragen werden und bislang vor allem aus den Tropen und Subtropen bekannt waren, etablieren sich zunehmend in Deutschland. Dazu hatte die PZ schon mehrfach berichtet und diesen Erkrankungen und ihren Überträgern zuletzt im April einen eigenen Titelbeitrag gewidmet.
Damit sie sich vermehren können, brauchen sie gewisse Mindesttemperaturen tags und nachts. Die scheinen nun erreicht zu sein. Im aktuellen »Epidemiologischen Bulletin« weist das Robert-Koch-Institut (RKI) darauf hin, dass die Saison stechmückenübertragender Krankheitserreger nun beginnt.
Da gibt es zum einen Erreger, die durch heimische Stechmückenarten wie Culex ssp. übertragen werden können, wie das West-Nil-Virus. Es zirkuliert bereits seit mehreren Jahren in Deutschland. Zum anderen etablieren sich hier neue Vektoren wie die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), die potenziell Viren wie Chikungunya, Dengue und Zika übertragen können.
Noch sind die Infektionszahlen hierzulande überschaubar. Autochthone, also hierzulande übertragene West-Nil-Virus-Infektionen, gab es nur vier im vergangenen Jahr; in anderen Jahren waren es bis zu 35 Fälle – früher vor allem in Ostdeutschland, 2024 traten auch einige Fälle in Norddeutschland auf. Pferde bilden als Fehlwirte ein Reservoir.
Man müsse in diesem und den nächsten Jahren grundsätzlich mit einer Ausweitung der Gebiete mit West-Nil-Virus-Vorkommen rechnen, schreibt das RKI. »Sowohl eine schrittweise Vergrößerung des momentanen Endemiegebiets als auch das plötzliche Vordringen in ganz neue Regionen sind möglich.«
»Die Zahl der nach Deutschland importierten Dengue-Fälle lag im Jahr 2025 und im ersten Halbjahr 2026 unter denen der Vorjahre«, so das RKI. Chikungunyavirus-Infektionen seien Ende 2025 und bis Anfang 2026 vermehrt bei Reiserückkehrenden von den Seychellen und aus Kuba übermittelt worden. Das RKI ruft die Ärzteschaft dazu auf, solche Erkrankungen im Hinterkopf zu haben und bei entsprechenden Symptomen differentialdiagnostisch abzuklären, vor allem bei Enzephalitis-Fällen oder einer Häufung von Fiebererkrankungen mit unklarer Ursache.
Wo in Deutschland gleichzeitig Aedes albopictus und West-Nil-Viren vorkommen, sei eine Infektion mit letzterem Virus wahrscheinlicher als eine der durch die Tigermücke übertragbaren Krankheiten. Dies gelte auch bei Verdacht auf eine durch Aedes albopictus übertragene Infektion nach Aufenthalt in einem Gebiet in Südeuropa ohne dort bekannten Ausbruch von Dengue-, Chikungunya- oder Zikavirus.
Die Gefahr besteht, dass sich die Erreger auch langfristig hier etablieren, wenn die infizierten Reiserückkehrer von hiesigen Tigermücken gestochen werden. Tigermücken wurden bereits von Süddeutschland bis nach Norddeutschland gefunden. Sie breiten sich vor allem entlang des Rheins aus, doch auch beispielsweise in München, Dresden und Berlin gibt es bereits etablierte Populationen.
Reisende aus Endemiegebieten sollten sich daher auch noch mindestens zwei Wochen nach ihrer Rückkehr mit Repellenzien einsprühen, rät das RKI. Zudem soll hier der Mückenschutz zunehmend genauso ernst genommen werden wie in wärmeren Reiseregionen.
Personen mit einem erhöhten Risiko für schwere Verläufe von West-Nil-Infektionen (vor allem ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen) sollen sich in den betroffenen Gebieten insbesondere im Sommer bis zum Frühherbst vor Stechmücken schützen.
Reisenden in Dengue- und Chikungunyavirus-Endemiegebiete wird ein ganztägiger Mückenschutz empfohlen. Zudem sollten sie sich zu entsprechenden Impfmöglichkeiten gemäß Empfehlungen der Ständigen Impfkommission informieren.