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Verhütung

Die passende Pille für Mädchen und junge Frauen

Seit 2019 befindet sich in der Packungsbeilage aller hormoneller Kontrazeptiva ein Warnhinweis für ein erhöhtes Suizidrisiko infolge von Depressionen. Der Grund seien zwei dänische Kohortenstudien aus den Jahren 2016 und 2017. »Wir müssen diese Studien ernst nehmen«, so die Endokrinologin, »doch zeigen sie nur eine Assoziation, keine Kausalität.«

So gebe es andere Hypothesen, wieso Hormon-Anwenderinnen häufiger Antidepressiva verordnet wurden als Frauen, die nicht oder anders verhüteten. »Es fand sich zum Beispiel kein Zusammenhang zur Hormonmenge, also keine Dosis-Wirkungs-Beziehung«, erklärt Seifert-Klauss. Wer Verhütungsmittel anwende, sei vermutlich sexuell aktiv. Dabei falle der Beginn dieser Aktivitäten sowieso mit einem Lebensalter zusammen, in dem die Wahrscheinlichkeit für psychische Probleme steige. Zudem könne gerade auf jüngeren ein gewisser (Beziehungs-)Stress lasten.

Auszuschließen sei jedoch auch nicht, dass die Einnahme der Pille emotional das Empfinden der eigenen Sexualität beeinflusse. Eine weitere mögliche Erklärung sei, dass Pillenanwenderinnen mehr Arztkontakte haben und so psychische Probleme schneller auffielen und eben auch schneller behandelt würden. Grundsätzlich sollte laut Seifert-Klauss gelten: Je jünger die Anwenderin, desto engmaschiger sollte sie ärztlich betreut werden. »Der Frauenarzt sollte auch auf das psychosoziale Umfeld achten.« Mit Stimmungsschwankungen sei im Übrigen eher mit reinen Gestagen-Präparaten zu rechnen als unter kombinierten Kontrazeptiva.

Die Pille medizinisch nutzen

Die Endokrinologin betonte aber auch, dass die Pille nicht nur negative Nebenwirkungen hat, sondern auch medizinisch gezielt eingesetzt werden sollte. Relativ bekannt ist der hautverbessernde Effekt bei Akne der Präparate vor allem der dritten und vierten Generation. »Viele hormonell verursachten weiblichen Beschwerden werden bei der Einnahme >nebenbei< behandelt«, so Seifert-Klauss und zählt Beispiele auf: etwa eine Blutarmut durch zu starke Monatsblutungen, eine unregelmäßige Periode, Zystenbildung der Eierstöcke und Endometriose, Hautunreinheiten und vieles mehr könnten gelindert oder sogar behoben werden. 

Bei jungen Frauen mit sehr starken Blutungen und Anämie könnten kombinierte Pillen sogar ein durch den Verlust von Gerinnungsfaktoren erhöhtes Thrombose-Risiko ausgleichen. Etabliert sei auch der Einsatz bei zyklusabhängiger Migräne. »Außerdem senkt die Pille den Blutdruck sowie das Risiko für Morbus Crohn und rheumatoide Arthritis«, ergänzt Seifert-Klauss. »Manche Patientinnen nehmen die Pille sogar weniger zur Verhütung als aus medizinischen Gründen.« Bei jeder einzelnen Frau komme es darauf an, den Nutzen gegenüber den Risiken abzuwägen.

Ab dem 15. Geburtstag dürfen Frauenärzte Jugendlichen die Pille auch ohne Kenntnis und Einverständnis der Eltern zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung verordnen. Voraussetzung sei eine gewisse Reife der Anwenderin, um Risiken und Nebenwirkungen zu verstehen.

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