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Verhütung

Die passende Pille für Mädchen und junge Frauen

Seit 60 Jahren gibt es die Antibabypille nun. Die heute verfügbaren Präparate gelten als sicher, wenn einige Aspekte bei der Auswahl beachtet werden.
Daniela Hüttemann
08.09.2020  15:00 Uhr

»Viele Frauen sind zu recht froh, dass es die hormonellen Kontrazeptiva zur Verhütung gibt«, konstatierte die Endokrinologin und Gynäkologin Professor Dr. Vanadin Seifert-Klauss anlässlich der Deutschen Hormonwoche vom 12. bis 19. September, veranstaltet von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Allerdings müssen die Anwenderinnen über Risiken und Nebenwirkungen gründlich aufgeklärt werden, sagte sie heute im Rahmen einer Pressekonferenz der DGE. Das gelte insbesondere für Mädchen und junge Frauen.

Liegt keine familiäre Vorbelastung vor, sei das Thrombose-Risiko zwar als sehr gering einzustufen, aber eben nicht ganz auszuschließen. Seifert-Klauss, leitende Oberärztin Poliklinik/Endokrinologie an der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde am Klinikum rechts der Isar in München, habe durchaus schon 18-Jährige mit Thrombosen erlebt. Manchmal könne hier eine bislang unentdeckte Gerinnungsstörung zugrunde liegen. Auch müssen andere Risikofaktoren wie Übergewicht und Rauchen berücksichtigt werden.

Grundsätzlich liege das Thrombose-Risiko für Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren ungefähr bei fünf pro 10.000 Fälle pro Jahr. Durch die Pilleneinnahme steige die Gefahr je nach Zusammensetzung des Präparats um den Faktor 2 bis 4. Dabei sei vor allem das enthaltene Ethinylestradiol ausschlaggebend, weniger die Gestagen-Komponente, obwohl sich darin die Präparate der verschiedenen Generationen unterscheiden und hier in den vergangenen Jahren vermerkt darauf geachtet wird. 

Thrombose-Risiko auf niedrigem Niveau

Es gebe Hinweise, dass die modernen kombinierten oralen Kontrazeptiva der dritten und vierten Generation – insbesondere jene mit Drospirenon – sowie die Langzeit-Einnahme dieser Präparate die Thrombosegefahr möglicherweise weiter erhöhen. »Dennoch bewegt sich das Risiko eines Gefäßverschlusses durch die Pille auf einem generell niedrigen Niveau«, betont Seifert-Klauss. Bei Schwangeren oder erst recht bei Frauen unmittelbar nach der Geburt eines Kindes sei die Wahrscheinlichkeit der Bildung eines Blutgerinnsels, das die Gefäße verstopfe, um ein Vielfaches höher, so die Ärztin.

Die aktuelle S3-Leitlinie »Hormonelle Empfängnisverhütung« empfiehlt, Erstanwenderinnen bevorzugt Präparate der zweiten Generation mit Levonorgestrel als Gestagen-Komponente zu verordnen. Bei zwei oder mehr allgemeinen Risikofaktoren für eine Thrombose oder wenn ein solches Ereignis bei der Anwenderin selbst oder einem Verwandten ersten Grades vor dem 45. Lebensjahr auftrat, sollten keine Estrogen-haltigen Kontrazeptiva verordnet werden. Hier sind reine Gestagen-Präparate, die sogenannten Minipillen, eine als sicher eingestufte Alternative, erklärte Seifert-Klauss. »Sie haben allerdings den Nachteil von Zwischenblutungen und auch eine etwas höhere Assoziation mit Depressionen.«

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