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Emojis und Corona

Die Karriere des Masken-Smileys

Die Rolle der Emojis hat sich während der Pandemie verändert. Statt emotionaler Bebilderung von Textnachrichten, sind sie zum Teil Ersatz für menschliche Nähe sowie Eisbrecher in der Kommunikation geworden.
Jennifer Evans
14.09.2021  07:00 Uhr

Wer kennt ihn nicht, den gelben Smiley hinter der Maske? Eine Erfindung der Coronakrise, mag man meinen. Aber weit gefehlt: Das Emoji ist prä-pandemisch. Solche Piktogramme, die in Chats Emotionen übermitteln sollen, stammen ursprünglich aus Japan. Natürlich ließ man sich dort für die ersten Symbole vom alltäglichen Leben inspirieren. Kein Wunder also, dass zu den frühen Kreationen eine Sushibox und der Fujiyama gehörten.

Und auch das Maskengesicht war von Anfang an mit dabei. Das liegt daran, dass es in vielen asiatischen Ländern üblich ist, bei einer Erkältung eine Maske zu tragen, wenn man in der Öffentlichkeit unterwegs ist. Als dann die Menschen auf der ganzen Welt wegen des Coronavirus einen Mund-Nase-Schutz trugen, kletterte das eher unauffällige Emoji auf der Beliebtheitsskala schnell nach oben. Apple passte das gelbe Gesicht im November 2020 sogar etwas an. Eine Maske zu tragen sollte schließlich nicht bedeuten, dass man krank ist. Und so bekam der FFP2-Emoji einen lächelnden Ausdruck verpasst. Wenn man genau hinschaut, hebt er sich von den Maskengesichtern der Konkurrenz wie Microsoft, Google, Samsung, WhatsApp und Co. tatsächlich etwas ab. Twitter startete sogar eine Pro-Masken-Kampagne, dessen Star ebenfalls das gelbe Gesicht mit dem Mund-Nase-Schutz war. Und Facebook entwickelte während der Pandemie ein neues sogenanntes Care-Emoji. Ein Smiley, der ein rotes Herz umarmt und damit so etwas wie »bleib gesund« oder »pass auf dich auf« ausdrücken soll. Eine Geste des Zuspruchs in der Krise eben – mit viel Strahlkraft. Klar, dass sich dieses herzige Symbol in den sozialen Medien schnell etablierte. Aber auch ein älteres Piktogramm gewann in der digitalen Kommunikation während der Covid-19-Krise an Bedeutung: die betenden Hände. Sie transportierten wohl – ähnlich wie das neue Care-Emoji – das überall nötige Mitgefühl.

Für einige Wissenschaftler steckt hinter dem Gebrauch dieser Symbole aber mehr als nur ein Trend. Emojis stellen zum Beispiel eine einfache Möglichkeit dar, gesundheitliche Probleme anzusprechen. Insbesondere bei psychischen Problemen haben sie sich offenbar als Eisbrecher erwiesen, Familie oder Freunde über das eigene Leiden in Kenntnis zu setzen. Das hat auch die englische Wohltätigkeitsorganisation Campaign Against Living Miserably (CALM) beobachtet. Sie fordert schon seit einiger Zeit Betroffene dazu auf, den »unglücklichen Kothaufen« als digitalen Ausdruck für den persönlichen mentalen Zustand zu nutzen. Damit lassen sich in den Augen der Organisation etwa Kommunikationsschwierigkeiten bei belastenden Themen besser überwinden.

Apple hat angesichts der Coronavirus-Pandemie noch weiteren Emojis einen neuen Look verpasst: zum Beispiel der Spritze. War sie früher mit Blut gefüllt, das in kleinen roten Tropfen aus der Nadel kam, ist sie jetzt nur noch mit einer farblosen Flüssigkeit zu sehen. Da das Bild in den sozialen Medien oftmals in Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung im Umlauf war, wollte das Technologieunternehmen ihm wohl ein neues Image geben.

Fest steht: Die Corona-Zeit hat auch in der Art, wie Menschen untereinander kommunizieren, Spuren hinterlassen. Die Emojis spiegeln dabei nicht nur die Welt, in der wir leben, wider, sondern spielten offenbar auch eine entscheidende Rolle dabei, fehlende menschliche Nähe während der Lockdowns abzufedern.

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