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50 Jahre Winterkongress

Die Idee hinter einer Erfolgsgeschichte

Im nächsten Jahr findet zum 50. Mal der »Winter-Pharmacon« statt. Damals noch unter dem Namen »Internationale Pharmazeutische Fortbildungswoche der Bundesapothekerkammer« in Davos ins Leben gerufen, entwickelte sich dieser Kongress zu einer der beliebtesten Fortbildungsveranstaltungen der Apothekerschaft. Der Name »Pharmacon« wurde erst 1990 für die Kongresse geprägt.
Christian Schmidt
28.11.2019
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Ihre Ursprünge hat diese Erfolgsgeschichte bereits im Südtiroler Kongressort Meran. Hier fanden seit 1963 die »Internationalen Pharmazeutischen Fortbildungswochen der Bundesapothekerkammer« statt. Initiiert und organisiert von Professor Dr. Ferdinand Schlemmer, der wegbereitend für die zentrale Fortbildung der Bundesapothekerkammer war, entwickelten sich diese Veranstaltungen so erfolgreich, dass die stetig steigenden Teilnehmerzahlen in Meran fast nicht mehr zu bewältigen waren.

Beim 8. Meraner Kongress im Mai 1970 stellte Schlemmer daher dem Auditorium seine Idee vor, einen weiteren Winter-Fortbildungskongress im Schweizer Ski- und Kurort Davos zu veranstalten. Ein begeisterter Applaus der Apotheker bestärkte ihn, diese Idee gemeinsam mit Hans-Dieter Wendt, mit dem er auch die Kongresse in Meran organisierte, innerhalb von nur sechs Monaten umzusetzen. Der erste Winterkongress in Davos öffnete am 10. Januar 1971 seine Tore, und der Zustrom an Teilnehmern übertraf die kühnsten Erwartungen der Organisatoren. Sogar Absagen mussten erteilt werden, denn mit mehr als 1000 Teilnehmern kamen deutlich mehr als die ursprünglich erwarteten 400 bis 500 Teilnehmer in den Schweizer Ski- und Kurort.

Da das Kongresshaus nur am ersten Tag zur Verfügung stand, bat Schlemmer die Apotheker sogar, zu den weiteren Vorlesungen nicht ganz so zahlreich zu erscheinen. Die Fortbildung fand anschließend in dem zwar großen, aber für die Teilnehmerzahl zu engen Saal des Hotels Europe statt. Trotz stickiger Luft, mangelhafter Akustik und schlechter Sicht ließen sich die Fortbildungswilligen nicht abhalten, und der Kongress wurde zu einem vollen Erfolg.

Geändertes Berufsbild

Grundlage und Notwendigkeit dieser Fortbildungswoche war die lang ersehnte Änderung der Approbationsordnung im Jahre 1971, die nach 37 Jahren endlich ihre Vorgängerin von 1934 ablöste. Eine fundierte Beratung zu den zahlreichen neuen Fertigarzneimitteln, die mittlerweile den Apothekenalltag prägten, war mit der traditionellen Ausbildung, die von Rezeptur und Arzneibuchanalytik dominiert war, nicht mehr möglich.

Neben der Abschaffung der Praktikantenzeit stach die neue Approbationsordnung insbesondere durch die Schwerpunktveränderung der Ausbildung hervor. Neben der Analytik und Herstellung standen nun auch Fächer wie Pharmakologie, Anatomie, Physio- und Pathologie im Mittelpunkt der Ausbildung. Dadurch traten vor allem medikationsbezogene Fragen und Probleme in den Vordergrund, die die geänderte Berufssituation der Apotheker widerspiegelten.

 

Speziell die zu erwartenden Kenntnislücken der älteren Kollegen in medizinischen Fächern im Vergleich zu den zukünftigen Absolventen mussten geschlossen werden. Eine Abendveranstaltung oder eine Wochenendfortbildung hätte das vermutlich nicht leisten können. Eine einwöchige Tagung mit Verbindung aus Fortbildung und Erholungsphasen, wie in Meran bereits bewährt, erwies sich daher als passendes Angebot an die Berufskollegen.

Während in Meran bis heute Einzelthemen zu verschiedenen Aspekten der Pharmazie im Vordergrund stehen, verwirklichte man in Davos ein völlig neues Konzept mit einem Generalthema.

Die ersten zehn Jahre der Davoser Fortbildungen hatten entsprechend die Aufgabe, das Kenntnisdefizit zur neuen Approbationsordnung auszugleichen. Strukturiert brachte man den zahlreichen Fortbildungswilligen den menschlichen Körper, seine Organe und Funktionen in Wechselwirkungen mit der medikamentösen Beeinflussung im Krankheitsfall näher. Vorausschauend und erfolgreich schuf man so die fachlichen Grundlagen für das sich im Wandel befindliche Berufsbild des Apothekers zu einer immer stärker werdenden Beraterfunktion rund um das Arzneimittel.

 

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