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Pubertät
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Die Haut im hormonellen Wandel

Die hormonelle Umstellung während der Pubertät verändert Haut, Haare und Schleimhäute. Für die pharmazeutische Beratung bedeutet das: Jugendliche brauchen Aufklärung, die passende Pflege und vor allem Verständnis für die physiologischen Prozesse in dieser sensiblen Lebensphase.
AutorKontaktMaxine Bennek
Datum 01.02.2026  08:00 Uhr

Die Pubertät ist eine der prägendsten Entwicklungsphasen im menschlichen Leben. Innerhalb weniger Jahre kommt es zu tiefgreifenden hormonellen, körperlichen und psychosozialen Veränderungen, die den Übergang vom Kind zum Erwachsenen markieren. Kaum ein anderes Organ spiegelt diese Umbrüche so deutlich wider wie die Haut. Sie reagiert sensibel auf hormonelle Schwankungen, mikrobielle Veränderungen und immunologische Prozesse – und wird dadurch für Jugendliche häufig zur sichtbaren Projektionsfläche des Erwachsenwerdens.

Die physiologischen Veränderungen betreffen dabei nicht nur das Hautbild im engeren Sinn, sondern auch die Aktivität von Talg- und Schweißdrüsen, die Beschaffenheit der Schleimhäute, das Haarwachstum sowie die Ausprägung des Körpergeruchs. Was aus medizinischer Sicht normale Entwicklungsprozesse sind, wird von Jugendlichen oftmals als störend oder gar belastend wahrgenommen. Gerade deshalb kommt der kompetenten Beratung in der Apotheke eine zentrale Rolle zu: Sie bietet Zugang zu Fachwissen und unterstützt junge Menschen dabei, mit den neuen körperlichen Herausforderungen umzugehen.

Neben häufigen Krankheitsbildern wie Akne vulgaris stehen dabei auch nicht krankhafte Veränderungen im Fokus. Fettige Haut, vermehrtes Schwitzen oder hormonell bedingte Zyklusschwankungen gehören zu den typischen Erscheinungen dieser Lebensphase und sollten in der Beratung berücksichtigt werden.

Ziel dieses Beitrags ist es, die wichtigsten physiologischen Grundlagen, typische Veränderungen und relevante Beratungsaspekte der Haut in der Pubertät übersichtlich darzustellen – und dabei aufzuzeigen, wie Apotheker Jugendliche und ihre Familien kompetent begleiten können.

Hormonelle Grundlagen der Pubertät

Die wesentlichen Triebkräfte der Pubertät sind die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse (HPG-Achse) und die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse). Unter ihrem Einfluss steigen die Spiegel von Sexualhormonen und Androgenen aus der Nebennierenrinde deutlich an und leiten die körperlichen und dermatologischen Veränderungen dieser Lebensphase ein (1).

Androgene wie Testosteron, Dehydroepiandrosteron (DHEA) und dessen Sulfatform (DHEA-S) nehmen bei beiden Geschlechtern zu, erreichen jedoch bei männlichen Jugendlichen deutlich höhere Konzentrationen als bei weiblichen. Testosteron und sein aktiver Metabolit Dihydrotestosteron (DHT) stimulieren die Talgdrüsen, fördern das Wachstum von Scham- und Achselhaaren und induzieren die Ausbildung von Terminalhaaren – die kräftiger, pigmentierter und markhaltiger als die kindlichen Vellushaare sind – im Gesicht sowie an Brust und Rücken. Die erhöhte Androgenwirkung erklärt, warum männliche Jugendliche eine stärkere Muskelmasse, eine tiefere Stimme und eine insgesamt robustere Körperkonstitution entwickeln als Mädchen (2).

Eine zu starke Androgenwirkung kann jedoch die Überproduktion von Talg (Seborrhö), eine verdickte Epidermis, verstopfte Poren (»Mitesser« oder Komedonen) und entzündliche Läsionen begünstigen (3). Bei jungen Frauen äußert sich dies mitunter in einem männlichen Behaarungsmuster (Hirsutismus), bei jungen Männern kann es Haarausfall (frühe androgenetische Alopezie) begünstigen.

Estrogene nehmen bei weiblichen Jugendlichen zentrale Funktionen ein. Sie steuern die Ovarialreifung und den Brustdrüsenaufbau, wirken aber auch direkt auf die Haut ein: Sie fördern die Synthese von Kollagen und Hyaluronsäure, steigern die Durchblutung und Hydratation und stabilisieren die Hautbarriere. Das Ergebnis ist eine glattere, elastischere und feinporigere Haut. Zyklusabhängig können diese Effekte jedoch schwanken: In der zweiten Zyklushälfte nach dem Eisprung (luteale Phase) dominiert Progesteron, was häufig mit gesteigerter Sebumproduktion und unreiner Haut einhergeht.

Während bei männlichen Jugendlichen das Verhältnis von Androgenen zu Estrogenen auf etwa 10:1 bis 20:1 ansteigt, liegt es bei weiblichen Jugendlichen bei ungefähr 1:3 bis 1:1 zugunsten der Estrogene. Diese Unterschiede erklären die geschlechtsspezifische Ausprägung: mehr Seborrhö, stärkere Körperbehaarung und dickere Haut bei Jungen versus glattere, stärker hydratisierte und elastischere Haut bei Mädchen. Testosteron stimuliert die Kollagenproduktion und führt dazu, dass die Haut von Jungen im Schnitt 15 bis 20 Prozent dicker ist als die von gleichaltrigen jungen Frauen (4).

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