Auch die Hautanhangsgebilde – dazu gehören Haare, Nägel und Drüsen – unterliegen während der Pubertät deutlichen geschlechtsspezifischen Veränderungen. Unter dem Einfluss von Androgenen verdickt sich das Terminalhaar und es kommt zu einer verstärkten Behaarung in den Achselhöhlen, im Genitalbereich und bei männlichen Jugendlichen zusätzlich im Gesicht, an der Brust und den Extremitäten. Die Aktivität der Haarfollikel ist dabei stark genetisch geprägt, sodass die individuelle Ausprägung von Bartwuchs oder Körperbehaarung erheblich variieren kann (9).
Parallel verändert sich auch die Kopfhaut: Die erhöhte Sebumproduktion begünstigt fettige Haare und seborrhoische Schuppen. Diese Veränderungen sind zwar physiologisch, Jugendliche empfinden sie aber häufig als kosmetisch störend. Bei weiblichen Heranwachsenden spielt zudem die hormonelle Balance eine entscheidende Rolle: Überwiegen die androgenen Einflüsse, kann dies zu Hirsutismus führen, während sich gleichzeitig das Kopfhaar ausdünnen kann (10).
Die Nägel unterliegen in dieser Entwicklungsphase weniger dramatischen Veränderungen, jedoch können eine erhöhte Schweißproduktion und eine veränderte Zusammensetzung des Mikrobioms in den Finger- und Zehenzwischenräumen das Risiko für Infektionen, beispielsweise mit Hefepilzen, begünstigen.
Die erste Rasur sollte mit milden Rasierhilfen erfolgen, um Hautreizungen und eingewachsene Haare zu vermeiden. Hautschonende Aftershaves ohne Alkohol oder mit beruhigenden Zusätzen wie Aloe vera sind empfehlenswert. Auch im Intimbereich gilt: weniger ist mehr. Milde, pH-neutrale oder leicht saure Reinigungsprodukte unterstützen die natürliche Mikroflora, während aggressive oder parfümierte Waschlotionen eher Dysbiosen und Irritationen fördern. Ein behutsamer Umgang mit der Haut hilft, Unsicherheiten zu verringern und das Vertrauen in die eigene Körperpflege zu stärken.
Ein weiteres sicht- und spürbares Merkmal der Pubertät ist die veränderte Schweißdrüsenaktivität. Während die ekkrinen Schweißdrüsen, die vor allem der Thermoregulation dienen, bereits von Geburt an aktiv sind, entfalten die apokrinen Schweißdrüsen ihre Funktion erst unter dem Einfluss von Androgenen. Sie befinden sich vor allem in den Achselhöhlen, im Brust- und Genitalbereich sowie perianal und beginnen in der Pubertät, ein eiweiß- und fetthaltiges Sekret abzugeben (11).
Dieses Sekret ist zunächst geruchlos. Erst durch den mikrobiellen Abbau, insbesondere durch Corynebakterien, entstehen charakteristische flüchtige Substanzen wie kurzkettige Fettsäuren, Amine und Schwefelverbindungen, die den typischen »pubertären Geruch« verursachen. Das erklärt, warum der Körpergeruch in dieser Phase oft intensiver wahrgenommen wird.
Nicht nur körperliche Veränderungen, sondern auch soziale Kontakte spielen in der Pubertät eine große Rolle. / © Getty Images/Imgorthand
Die zunehmende Aktivität der apokrinen Drüsen markiert nicht nur eine biologische Reifung, sondern beeinflusst auch das soziale Erleben Jugendlicher. Körpergeruch wird in dieser Phase eng mit Fragen nach Attraktivität, Akzeptanz und Selbstbild verknüpft. Neben Akne und fettiger Haut zählt er daher zu den Veränderungen, die junge Menschen besonders beschäftigen und die das Bewusstsein für den eigenen Körper nachhaltig prägen (12).
In der Beratung können Deodorantien und Antitranspirantien unterschieden werden: Während Deodorantien vor allem durch Duftstoffe und antibakterielle Zusätze die Geruchsbildung reduzieren, hemmen Antitranspirantien durch Aluminiumsalze die Schweißproduktion direkt. Empfehlenswert ist, zu alkoholfreien und möglichst hautschonenden Produkten zu greifen, um Irritationen auf der noch empfindlichen Haut zu vermeiden. Auch ist es wichtig, auf eine regelmäßige, aber nicht übermäßige Körperhygiene hinzuweisen. Übertriebene Reinigung kann die Hautbarriere schwächen und sekundäre Hautprobleme begünstigen.