Die Pubertät ist eine Zeit der Veränderung – auch für die Haut. / © Getty Images/Maskot
Die Pubertät ist eine der prägendsten Entwicklungsphasen im menschlichen Leben. Innerhalb weniger Jahre kommt es zu tiefgreifenden hormonellen, körperlichen und psychosozialen Veränderungen, die den Übergang vom Kind zum Erwachsenen markieren. Kaum ein anderes Organ spiegelt diese Umbrüche so deutlich wider wie die Haut. Sie reagiert sensibel auf hormonelle Schwankungen, mikrobielle Veränderungen und immunologische Prozesse – und wird dadurch für Jugendliche häufig zur sichtbaren Projektionsfläche des Erwachsenwerdens.
Die physiologischen Veränderungen betreffen dabei nicht nur das Hautbild im engeren Sinn, sondern auch die Aktivität von Talg- und Schweißdrüsen, die Beschaffenheit der Schleimhäute, das Haarwachstum sowie die Ausprägung des Körpergeruchs. Was aus medizinischer Sicht normale Entwicklungsprozesse sind, wird von Jugendlichen oftmals als störend oder gar belastend wahrgenommen. Gerade deshalb kommt der kompetenten Beratung in der Apotheke eine zentrale Rolle zu: Sie bietet Zugang zu Fachwissen und unterstützt junge Menschen dabei, mit den neuen körperlichen Herausforderungen umzugehen.
Neben häufigen Krankheitsbildern wie Akne vulgaris stehen dabei auch nicht krankhafte Veränderungen im Fokus. Fettige Haut, vermehrtes Schwitzen oder hormonell bedingte Zyklusschwankungen gehören zu den typischen Erscheinungen dieser Lebensphase und sollten in der Beratung berücksichtigt werden.
Ziel dieses Beitrags ist es, die wichtigsten physiologischen Grundlagen, typische Veränderungen und relevante Beratungsaspekte der Haut in der Pubertät übersichtlich darzustellen – und dabei aufzuzeigen, wie Apotheker Jugendliche und ihre Familien kompetent begleiten können.
Die wesentlichen Triebkräfte der Pubertät sind die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse (HPG-Achse) und die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse). Unter ihrem Einfluss steigen die Spiegel von Sexualhormonen und Androgenen aus der Nebennierenrinde deutlich an und leiten die körperlichen und dermatologischen Veränderungen dieser Lebensphase ein (1).
Androgene wie Testosteron, Dehydroepiandrosteron (DHEA) und dessen Sulfatform (DHEA-S) nehmen bei beiden Geschlechtern zu, erreichen jedoch bei männlichen Jugendlichen deutlich höhere Konzentrationen als bei weiblichen. Testosteron und sein aktiver Metabolit Dihydrotestosteron (DHT) stimulieren die Talgdrüsen, fördern das Wachstum von Scham- und Achselhaaren und induzieren die Ausbildung von Terminalhaaren – die kräftiger, pigmentierter und markhaltiger als die kindlichen Vellushaare sind – im Gesicht sowie an Brust und Rücken. Die erhöhte Androgenwirkung erklärt, warum männliche Jugendliche eine stärkere Muskelmasse, eine tiefere Stimme und eine insgesamt robustere Körperkonstitution entwickeln als Mädchen (2).
Eine zu starke Androgenwirkung kann jedoch die Überproduktion von Talg (Seborrhö), eine verdickte Epidermis, verstopfte Poren (»Mitesser« oder Komedonen) und entzündliche Läsionen begünstigen (3). Bei jungen Frauen äußert sich dies mitunter in einem männlichen Behaarungsmuster (Hirsutismus), bei jungen Männern kann es Haarausfall (frühe androgenetische Alopezie) begünstigen.
Estrogene nehmen bei weiblichen Jugendlichen zentrale Funktionen ein. Sie steuern die Ovarialreifung und den Brustdrüsenaufbau, wirken aber auch direkt auf die Haut ein: Sie fördern die Synthese von Kollagen und Hyaluronsäure, steigern die Durchblutung und Hydratation und stabilisieren die Hautbarriere. Das Ergebnis ist eine glattere, elastischere und feinporigere Haut. Zyklusabhängig können diese Effekte jedoch schwanken: In der zweiten Zyklushälfte nach dem Eisprung (luteale Phase) dominiert Progesteron, was häufig mit gesteigerter Sebumproduktion und unreiner Haut einhergeht.
Während bei männlichen Jugendlichen das Verhältnis von Androgenen zu Estrogenen auf etwa 10:1 bis 20:1 ansteigt, liegt es bei weiblichen Jugendlichen bei ungefähr 1:3 bis 1:1 zugunsten der Estrogene. Diese Unterschiede erklären die geschlechtsspezifische Ausprägung: mehr Seborrhö, stärkere Körperbehaarung und dickere Haut bei Jungen versus glattere, stärker hydratisierte und elastischere Haut bei Mädchen. Testosteron stimuliert die Kollagenproduktion und führt dazu, dass die Haut von Jungen im Schnitt 15 bis 20 Prozent dicker ist als die von gleichaltrigen jungen Frauen (4).

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Kombinierte orale Kontrazeptiva können das Hautbild bei weiblichen Jugendlichen deutlich beeinflussen. Präparate, die ein Estrogen (meist Ethinylestradiol) in Kombination mit einem antiandrogen wirksamen Gestagen wie Cyproteronacetat, Dienogest oder Drospirenon enthalten, senken die zirkulierenden Androgenspiegel, hemmen die Talgdrüsenaktivität und reduzieren dadurch die Sebumproduktion. Klinisch zeigt sich häufig eine Verbesserung von Akne, seborrhoischer Haut und androgenbedingtem Haarausfall.
Präparate mit stärker androgen wirksamen Gestagenen wie Levonorgestrel können Hautunreinheiten dagegen verstärken. Zudem sind Rebound-Phänomene nach Absetzen der Pille möglich – insbesondere, wenn die endogene Androgenproduktion zuvor stark unterdrückt wurde. Das Verständnis dieser hormonellen Zusammenhänge ist für die pharmazeutische Beratung relevant, da viele junge Frauen hormonelle Kontrazeptiva nicht primär zur Empfängnisverhütung, sondern zur Regulierung von Zyklus und Hautbild einsetzen (5, 6).
Die Haut von Kindern ist meist noch zart, feinporig und durch eine dünnere Hornschicht, höheren Wassergehalt und geringe Talgdrüsenaktivität charakterisiert. Mit Beginn der Pubertät verändern sich diese Eigenschaften grundlegend: Die Talgdrüsen nehmen ihre volle Funktion auf, das Sebumvolumen steigt deutlich an und verschiebt sich in seiner Zusammensetzung – Triglyceride, Wachsester und Squalen liegen dann in höheren Konzentrationen vor.
Die qualitative Veränderung des Sebums hat weitreichende Auswirkungen auf die Hauthomöostase. Insbesondere die Zunahme von komedogenen Lipidbestandteilen wie Squalen, die die Poren verstopfen, kann oxidativen Stress fördern und somit die Entstehung von Mikrokomedonen begünstigen.
Mikrokomedonen stellen die früheste Form akneähnlicher Läsionen dar. Es handelt sich um subklinische Verhornungsstörungen im oberen, trichterförmigen Teil des Haarfollikels, der bis zum Talgdrüsen-Ausführungsgang reicht (Follikel-Infundibulum). Diese sind durch okklusive Sebumansammlungen und eine unzureichende Abschuppung abgestorbener Hautzellen (Desquamation der Keratinozyten) gekennzeichnet – jedoch klinisch nicht sichtbar.
Mikrokomedonen gelten heute als präklinische Marker für eine beginnende Akne und stellen das Ausgangsstadium für alle weiteren Läsionstypen dar.
Mitesser und fettige Haut sind typische Erscheinungen, die in der Pubertät normal sind. / © Adobe Stock/InfiniteStudio
Gleichzeitig verändert sich die Viskosität des Sebums, was den natürlichen Abfluss in den Follikelkanälen behindert. Die Folge ist eine follikuläre Hyperkeratose – eine gestörte Differenzierung und Abschuppung der Keratinozyten im Follikelepithel. Diese Verhornungsstörung führt zur Bildung von geschlossenen und offenen Komedonen, welche das initiale klinisch sichtbare Stadium der Akne vulgaris darstellen. Parallel verschiebt sich das Hautmikrobiom: Die lipidreiche Umgebung begünstigt insbesondere das Wachstum von Cutibacterium acnes, das unter physiologischen Bedingungen ein kommensaler Hautbewohner ist, in diesem Milieu jedoch proinflammatorische Eigenschaften entwickeln kann (7, 8).
Parallel sinkt der pH-Wert des Sebums in der Pubertät auf etwa 4,5 bis 5,0 ab, wodurch der Säureschutzmantel stabilisiert und die Barrierefunktion gestärkt wird. Auch die transepidermale Wasserverlust-Rate (TEWL) nimmt ab, was langfristig zu einer robusteren Hautbarriere beiträgt. Diese Anpassungen markieren die Reifung zur »erwachsenen Haut«.
Auch die Hautanhangsgebilde – dazu gehören Haare, Nägel und Drüsen – unterliegen während der Pubertät deutlichen geschlechtsspezifischen Veränderungen. Unter dem Einfluss von Androgenen verdickt sich das Terminalhaar und es kommt zu einer verstärkten Behaarung in den Achselhöhlen, im Genitalbereich und bei männlichen Jugendlichen zusätzlich im Gesicht, an der Brust und den Extremitäten. Die Aktivität der Haarfollikel ist dabei stark genetisch geprägt, sodass die individuelle Ausprägung von Bartwuchs oder Körperbehaarung erheblich variieren kann (9).
Parallel verändert sich auch die Kopfhaut: Die erhöhte Sebumproduktion begünstigt fettige Haare und seborrhoische Schuppen. Diese Veränderungen sind zwar physiologisch, Jugendliche empfinden sie aber häufig als kosmetisch störend. Bei weiblichen Heranwachsenden spielt zudem die hormonelle Balance eine entscheidende Rolle: Überwiegen die androgenen Einflüsse, kann dies zu Hirsutismus führen, während sich gleichzeitig das Kopfhaar ausdünnen kann (10).
Die Nägel unterliegen in dieser Entwicklungsphase weniger dramatischen Veränderungen, jedoch können eine erhöhte Schweißproduktion und eine veränderte Zusammensetzung des Mikrobioms in den Finger- und Zehenzwischenräumen das Risiko für Infektionen, beispielsweise mit Hefepilzen, begünstigen.
Die erste Rasur sollte mit milden Rasierhilfen erfolgen, um Hautreizungen und eingewachsene Haare zu vermeiden. Hautschonende Aftershaves ohne Alkohol oder mit beruhigenden Zusätzen wie Aloe vera sind empfehlenswert. Auch im Intimbereich gilt: weniger ist mehr. Milde, pH-neutrale oder leicht saure Reinigungsprodukte unterstützen die natürliche Mikroflora, während aggressive oder parfümierte Waschlotionen eher Dysbiosen und Irritationen fördern. Ein behutsamer Umgang mit der Haut hilft, Unsicherheiten zu verringern und das Vertrauen in die eigene Körperpflege zu stärken.
Ein weiteres sicht- und spürbares Merkmal der Pubertät ist die veränderte Schweißdrüsenaktivität. Während die ekkrinen Schweißdrüsen, die vor allem der Thermoregulation dienen, bereits von Geburt an aktiv sind, entfalten die apokrinen Schweißdrüsen ihre Funktion erst unter dem Einfluss von Androgenen. Sie befinden sich vor allem in den Achselhöhlen, im Brust- und Genitalbereich sowie perianal und beginnen in der Pubertät, ein eiweiß- und fetthaltiges Sekret abzugeben (11).
Dieses Sekret ist zunächst geruchlos. Erst durch den mikrobiellen Abbau, insbesondere durch Corynebakterien, entstehen charakteristische flüchtige Substanzen wie kurzkettige Fettsäuren, Amine und Schwefelverbindungen, die den typischen »pubertären Geruch« verursachen. Das erklärt, warum der Körpergeruch in dieser Phase oft intensiver wahrgenommen wird.
Nicht nur körperliche Veränderungen, sondern auch soziale Kontakte spielen in der Pubertät eine große Rolle. / © Getty Images/Imgorthand
Die zunehmende Aktivität der apokrinen Drüsen markiert nicht nur eine biologische Reifung, sondern beeinflusst auch das soziale Erleben Jugendlicher. Körpergeruch wird in dieser Phase eng mit Fragen nach Attraktivität, Akzeptanz und Selbstbild verknüpft. Neben Akne und fettiger Haut zählt er daher zu den Veränderungen, die junge Menschen besonders beschäftigen und die das Bewusstsein für den eigenen Körper nachhaltig prägen (12).
In der Beratung können Deodorantien und Antitranspirantien unterschieden werden: Während Deodorantien vor allem durch Duftstoffe und antibakterielle Zusätze die Geruchsbildung reduzieren, hemmen Antitranspirantien durch Aluminiumsalze die Schweißproduktion direkt. Empfehlenswert ist, zu alkoholfreien und möglichst hautschonenden Produkten zu greifen, um Irritationen auf der noch empfindlichen Haut zu vermeiden. Auch ist es wichtig, auf eine regelmäßige, aber nicht übermäßige Körperhygiene hinzuweisen. Übertriebene Reinigung kann die Hautbarriere schwächen und sekundäre Hautprobleme begünstigen.
Die hormonellen Veränderungen betreffen auch die Schleimhäute. Bei männlichen Jugendlichen bilden talgproduzierende Drüsen der Penisvorhaut durch die gesteigerte Testosteronproduktion vermehrt Sekret. Dieser physiologische Prozess erfordert eine angepasste Hygiene, um Dysbiosen und entzündlichen Reizungen vorzubeugen (13).
Bei weiblichen Jugendlichen steigern Estrogene die Durchblutung der Vaginalschleimhaut, erhöhen den Glykogengehalt und fördern damit das Wachstum von Laktobazillen, die durch Milchsäureproduktion zu einem sauren pH-Wert führen und somit vor Infektionen schützen. Zyklusschwankungen können dieses Gleichgewicht jedoch zeitweise beeinträchtigen (14).
Auch die Mundschleimhaut reagiert: stärkere Durchblutung und hormonelle Einflüsse auf die lokale Immunabwehr erhöhen das Risiko für eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis), die eng mit Veränderungen der oralen Mikrobiota verknüpft ist.
Während der Pubertät verändert sich nicht nur das hormonelle Milieu, sondern auch das Hautmikrobiom grundlegend. Unter gesunden Bedingungen bilden die Mikrobiota – darunter Bakterien, Pilze und Viren – gemeinsam mit dem angeborenen und adaptiven Immunsystem eine komplexe biologische Barriere, die wesentlich zur Gewebehomöostase und damit zur Hautgesundheit beiträgt (15).
Die hormonell stimulierte Sebumproduktion schafft lipidreiche Bedingungen, die während der Pubertät zu einer Diversitätsverschiebung führen: Lipophile Mikroorganismen wie Cutibakterien, Staphylokokken und Hefepilze der Gattung Malassezia dominieren zunehmend talgdrüsenreiche Areale wie Stirn, Nase oder Rücken. Gleichzeitig nimmt die relative Häufigkeit von Staphylococcus epidermidis und Corynebakterien ab, was die mikrobielle Vielfalt verringern kann. Diese Dysbiose wird heute als mitverursachender Faktor für entzündliche Hauterkrankungen wie Akne vulgaris angesehen (15).
Insbesondere Cutibacterium acnes spielt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle. Unter physiologischen Bedingungen trägt das Bakterium durch Bildung kurzkettiger Fettsäuren zum sauren pH-Wert und zur Stabilität der Hautbarriere bei. Unter pathophysiologischen Bedingungen – etwa bei veränderter Sebumzusammensetzung oder Androgenüberschuss – können jedoch bestimmte Phylotypen Entzündungen fördern. Sie aktivieren über Toll-like-Rezeptoren (vor allem TLR-2) auf Keratinozyten und antigenpräsentierenden Zellen eine lokale Immunantwort mit Freisetzung proinflammatorischer Zytokine wie Interleukin-1β, TNF-α und Interleukin-8. Diese wiederum fördern die Chemotaxis und Aktivierung neutrophiler Granulozyten und Makrophagen – ein Prozess, der zur Entstehung und Progression entzündlicher Läsionen beiträgt (16).
Aktuelle Studien zeigen, dass die TH17-Zellantwort eine zentrale Rolle in dieser Entzündungskaskade spielt. Über die Produktion von Interleukin-17 (IL-17) wird die Expression weiterer entzündungsfördernder Botenstoffe in epidermalen Zellen induziert, wodurch die chronische Inflammationsschleife aufrechterhalten wird. Bereits im Frühstadium der Aknepathogenese – noch bevor sichtbare Papeln oder Pusteln entstehen – ist diese immunologische Aktivierung nachweisbar (17).
Das Kosmetikangebot in Apotheken ist oft groß. Umso wichtiger ist eine gute Beratung. / © Adobe Stock/Marc Calleja
Neben Bakterien beeinflussen auch Pilze wie Malassezia sowie virale Bestandteile, insbesondere Bakteriophagen, das Hautökosystem. Eine Dysbiose dieser Mikroorganismen kann die Barrierefunktion beeinträchtigen und Entzündungsreaktionen verstärken. Metagenomische Analysen bestätigen, dass Cutibacterium acnes der dominierende Bewohner von Hautbereichen mit hoher Talgdrüsendichte ist, gefolgt von Corynebakterien und Staphylokokken.
Die Erkenntnis, dass Akne nicht allein eine Folge erhöhter Talgproduktion, sondern auch eine mikrobiologische Erkrankung ist, hat neue therapeutische Ansätze hervorgebracht. Moderne Strategien zielen darauf ab, das mikrobielle Gleichgewicht gezielt zu modulieren. Dazu gehören topisch applizierte Probiotika, postbiotische Peptide, bakterielle Lysate oder nicht pathogene Stämme von Cutibacterium acnes, die entzündungshemmend wirken, ohne die kommensale Flora zu stören. Erste Studien belegen eine signifikante Reduktion entzündlicher Läsionen und eine Verbesserung des Hautbildes (18, 19).
Diese Erkenntnisse verdeutlichen, dass der Übergang von der »Kinderhaut« zur »Erwachsenenflora« ein hochregulierter, dynamischer Prozess ist – geprägt durch hormonelle, mikrobielle und immunologische Wechselwirkungen, die das Hautbild in der Pubertät entscheidend prägen.

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Die beschriebenen Veränderungen an Haut und Schleimhäuten sind nicht nur physiologisch relevant, sondern haben auch erhebliche psychosoziale Auswirkungen. Hautunreinheiten, vermehrte Behaarung oder Veränderungen der Schleimhäute empfinden Jugendliche häufig als Tabuthema. Dies kann zu Schamgefühlen, Verunsicherung oder Rückzug aus sozialen Kontakten führen (20).
Gerade in dieser sensiblen Lebensphase, in der das äußere Erscheinungsbild stark mit der Identitätsfindung verknüpft ist, können selbst leichte Veränderungen zu erheblichem Leidensdruck führen. Studien zeigen, dass Jugendliche mit sichtbaren Hautveränderungen ein erhöhtes Risiko für depressive Symptome, vermindertes Selbstwertgefühl und soziale Isolation haben. Dabei spielt die subjektive Wahrnehmung oft eine größere Rolle als der objektive Schweregrad der Symptome.
Die Apotheke ist ein wichtiger Anlaufpunkt, an dem Jugendliche oder ihre Eltern ihre Fragen zu den Veränderungen der Haut und Schleimhäute während der Pubertät offen stellen können. Das pharmazeutische Personal kann hier geeignete Hilfestellungen geben.
Ein zentrales Thema ist die gesteigerte Sebumproduktion, die zur Entstehung von Mitessern und Unreinheiten beiträgt. Hier profitieren Jugendliche von einer milden, aber konsequenten Hautpflege, die überschüssiges Fett entfernt, ohne die Hautbarriere zu schädigen. Empfehlenswert sind Reinigungspräparate, die aus synthetisch hergestellten Tensiden bestehen und einen leicht sauren pH-Wert haben, sowie nicht komedogene Feuchtigkeitspflege.
Bei leichten bis moderaten Verlaufsformen der Akne kommen häufig rezeptfreie Topika zum Einsatz. Salicylsäure wirkt keratolytisch und komedolytisch und fördert durch Abschilferung des Stratum corneum den Talgabfluss. Zusätzlich besitzt sie eine milde antiinflammatorische Wirkung. Azelainsäure, eine Dicarbonsäure mit antimikrobiellen Eigenschaften gegenüber Cuti-bacterium acnes, wirkt komedolytisch und antioxidativ. Auch Alphahydroxysäuren (AHAs) – wie Glykolsäure und Milchsäure – sind etabliert, um die Erneuerung der epidermalen Zellen zu fördern und die Hauttextur zu verbessern.
Bei leichter bis mittelschwerer Akne kommen häufig rezeptfreie Topika zum Einsatz. / © Adobe Stock/okrasiuk
Bei moderater bis schwerer Akne werden verschreibungspflichtige Präparate eingesetzt. Topische Retinoide wie Tretinoin oder Adapalen modulieren die Keratinisierung (bei der lebende Hautzellen in der Epidermis zu abgestorbenen, kernlosen Hornzellen umgewandelt werden), fördern die Epithelzellregeneration und wirken komedolytisch. Adapalen besitzt zusätzlich antiinflammatorische Eigenschaften und zeigt eine gute Verträglichkeit.
Topische Antibiotika wie Clindamycin oder Erythromycin sollten ausschließlich in Kombination mit Benzoylperoxid verwendet werden, um Resistenzentwicklungen zu vermeiden. Systemische Antibiotika, insbesondere Doxycyclin oder Minocyclin, wirken sowohl antibakteriell als auch entzündungshemmend. Aufgrund zunehmender Resistenzen sollte die Behandlung nicht zu lange andauern.
Systemische Retinoide wie Isotretinoin sind die effektivste Therapie bei schwerer nodulärer Akne, bei der sich tief in der Haut schmerzhafte, harte Knoten bilden. Aufgrund des hohen teratogenen Risikos unterliegt die Anwendung von Isotretinoin strengen gesetzlichen Auflagen, insbesondere bei weiblichen Jugendlichen und Frauen im gebärfähigen Alter. In Deutschland darf eine Verordnung jeweils nur für maximal 30 Tage erfolgen, wobei jede Folgeverordnung einen erneuten Arztbesuch voraussetzt. Zusätzlich sind im Rahmen des Schwangerschaftsverhütungsprogramms eine doppelte Kontrazeption sowie regelmäßige Schwangerschaftstests verpflichtend. Diese Vorgaben dienen dazu, schwerwiegende fetale Fehlbildungen zu verhindern (21).
Insgesamt zeigt sich: Die Pubertät kann zwar mit Hauterkrankungen einhergehen, ist jedoch vor allem mit physiologischen Veränderungen verbunden, die eine kompetente Beratung erfordern. Apotheker und PTA leisten dabei einen wertvollen Beitrag, indem sie Jugendliche und deren Eltern über die richtige Pflege aufklären, bei der Auswahl geeigneter Produkte helfen und über die Prävention von Haut- und Schleimhautproblemen informieren. So können sie Unsicherheit nehmen und gleichzeitig das Vertrauen der Heranwachsenden in die Hautgesundheit stärken.
Maxine Bennek ist approbierte Apothekerin, Kosmetikwissenschaftlerin und wissenschaftliche Autorin mit den Schwerpunkten Dermatologie und Ästhetik. Sie kombiniert naturwissenschaftliche Präzision mit einem ganzheitlichen Verständnis von Hautgesundheit und Well-Aging. Als promovierende Forscherin an der Universität Hamburg sowie als unabhängige Expertin entwickelt sie evidenzbasierte Konzepte an der Schnittstelle von Wissenschaft, Kosmetik und Praxis.