Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Pubertät
-
Die Haut im hormonellen Wandel

Die hormonelle Umstellung während der Pubertät verändert Haut, Haare und Schleimhäute. Für die pharmazeutische Beratung bedeutet das: Jugendliche brauchen Aufklärung, die passende Pflege und vor allem Verständnis für die physiologischen Prozesse in dieser sensiblen Lebensphase.
AutorKontaktMaxine Bennek
Datum 01.02.2026  08:00 Uhr

Schleimhautveränderungen

Die hormonellen Veränderungen betreffen auch die Schleimhäute. Bei männlichen Jugendlichen bilden talgproduzierende Drüsen der Penisvorhaut durch die gesteigerte Testosteronproduktion vermehrt Sekret. Dieser physiologische Prozess erfordert eine angepasste Hygiene, um Dysbiosen und entzündlichen Reizungen vorzubeugen (13).

Bei weiblichen Jugendlichen steigern Estrogene die Durchblutung der Vaginalschleimhaut, erhöhen den Glykogengehalt und fördern damit das Wachstum von Laktobazillen, die durch Milchsäureproduktion zu einem sauren pH-Wert führen und somit vor Infektionen schützen. Zyklusschwankungen können dieses Gleichgewicht jedoch zeitweise beeinträchtigen (14).

Auch die Mundschleimhaut reagiert: stärkere Durchblutung und hormonelle Einflüsse auf die lokale Immunabwehr erhöhen das Risiko für eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis), die eng mit Veränderungen der oralen Mikrobiota verknüpft ist.

Mikrobiom: Übergang zur »Erwachsenenflora«

Während der Pubertät verändert sich nicht nur das hormonelle Milieu, sondern auch das Hautmikrobiom grundlegend. Unter gesunden Bedingungen bilden die Mikrobiota – darunter Bakterien, Pilze und Viren – gemeinsam mit dem angeborenen und adaptiven Immunsystem eine komplexe biologische Barriere, die wesentlich zur Gewebehomöostase und damit zur Hautgesundheit beiträgt (15).

Die hormonell stimulierte Sebumproduktion schafft lipidreiche Bedingungen, die während der Pubertät zu einer Diversitätsverschiebung führen: Lipophile Mikroorganismen wie Cutibakterien, Staphylokokken und Hefepilze der Gattung Malassezia dominieren zunehmend talgdrüsenreiche Areale wie Stirn, Nase oder Rücken. Gleichzeitig nimmt die relative Häufigkeit von Staphylococcus epidermidis und Corynebakterien ab, was die mikrobielle Vielfalt verringern kann. Diese Dysbiose wird heute als mitverursachender Faktor für entzündliche Hauterkrankungen wie Akne vulgaris angesehen (15).

Insbesondere Cutibacterium acnes spielt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle. Unter physiologischen Bedingungen trägt das Bakterium durch Bildung kurzkettiger Fettsäuren zum sauren pH-Wert und zur Stabilität der Hautbarriere bei. Unter pathophysiologischen Bedingungen – etwa bei veränderter Sebumzusammensetzung oder Androgenüberschuss – können jedoch bestimmte Phylotypen Entzündungen fördern. Sie aktivieren über Toll-like-Rezeptoren (vor allem TLR-2) auf Keratinozyten und antigenpräsentierenden Zellen eine lokale Immunantwort mit Freisetzung proinflammatorischer Zytokine wie Interleukin-1β, TNF-α und Interleukin-8. Diese wiederum fördern die Chemotaxis und Aktivierung neutrophiler Granulozyten und Makrophagen – ein Prozess, der zur Entstehung und Progression entzündlicher Läsionen beiträgt (16).

Aktuelle Studien zeigen, dass die TH17-Zellantwort eine zentrale Rolle in dieser Entzündungskaskade spielt. Über die Produktion von Interleukin-17 (IL-17) wird die Expression weiterer entzündungsfördernder Botenstoffe in epidermalen Zellen induziert, wodurch die chronische Inflammationsschleife aufrechterhalten wird. Bereits im Frühstadium der Aknepathogenese – noch bevor sichtbare Papeln oder Pusteln entstehen – ist diese immunologische Aktivierung nachweisbar (17).

Neben Bakterien beeinflussen auch Pilze wie Malassezia sowie virale Bestandteile, insbesondere Bakteriophagen, das Hautökosystem. Eine Dysbiose dieser Mikroorganismen kann die Barrierefunktion beeinträchtigen und Entzündungsreaktionen verstärken. Metagenomische Analysen bestätigen, dass Cutibacterium acnes der dominierende Bewohner von Hautbereichen mit hoher Talgdrüsendichte ist, gefolgt von Corynebakterien und Staphylokokken.

Die Erkenntnis, dass Akne nicht allein eine Folge erhöhter Talgproduktion, sondern auch eine mikrobiologische Erkrankung ist, hat neue therapeutische Ansätze hervorgebracht. Moderne Strategien zielen darauf ab, das mikrobielle Gleichgewicht gezielt zu modulieren. Dazu gehören topisch applizierte Probiotika, postbiotische Peptide, bakterielle Lysate oder nicht pathogene Stämme von Cutibacterium acnes, die entzündungshemmend wirken, ohne die kommensale Flora zu stören. Erste Studien belegen eine signifikante Reduktion entzündlicher Läsionen und eine Verbesserung des Hautbildes (18, 19).

Diese Erkenntnisse verdeutlichen, dass der Übergang von der »Kinderhaut« zur »Erwachsenenflora« ein hochregulierter, dynamischer Prozess ist – geprägt durch hormonelle, mikrobielle und immunologische Wechselwirkungen, die das Hautbild in der Pubertät entscheidend prägen.

Mehr von Avoxa