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PAVK, CVI und Co.

Die häufigsten Gründe für Schmerzen in den Beinen

Bei häufigen Wadenschmerzen vor allem im Alter ist noch an eine andere zugrunde liegende Erkrankung zu denken, nämlich die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK). Kontrahierte Muskulatur zeigt eine überwiegend anaerobe Stoffwechselsituation, ist übersäuert und minderdurchblutet und schlechter mit Energie und Sauerstoff versorgt. In diesem Zusammenhang ändert sich die neuromuskuläre Signalübertragung und es bilden sich Verspannungszonen. Ursächlich sind jedoch die arteriosklerotischen Ablagerungen in den Arterien in Becken und Beinen.

Das ist keinesfalls banal. Denn mit der PAVK geht ein hohes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall einher. Eine kürzer werdende Gehstrecke, weil Schmerzen die Beinfreiheit limitieren, ist eine deutliche Aufforderung für den Arztbesuch. Gleiches gilt für Schmerzen, die sich beim Hinlegen in der Zehenregion bemerkbar machen, besonders wenn Aufstehen für Linderung sorgt. Wird die PAVK nicht erkannt, bleiben möglicherweise auch Gefäßverengungen in anderen Körperregionen wie Halsschlagader, Gehirn und Herzen unbehandelt. Die Folge sind zum Beispiel Infarkte, wenn die Arteriosklerose stark vorangeschritten ist. Herzinfarkt, Schlaganfall und PAVK sind lediglich unterschiedliche Manifestationsformen ein und derselben Erkrankung.

Statine und das Gilz-Protein

Auch verschiedene Arzneistoffgruppen sind als (nächtliche) Ruhestörer bekannt, allen voran die Statine, die neben ihrer Hauptwirkung der Lipidsenkung das Risiko für Muskelbeschwerden erhöhen. Bis zu einem Drittel der Anwender reagieren in Anwendungsbeobachtungen auf das jeweilige Statin mit Muskelschmerzen und -schwäche. Zwar schreiben mehrere neuere Studien diese Nebenwirkungen einem Noceboeffekt zu. Schließlich traten Myopathien unter Statinen nur häufiger als unter Placebo auf, wenn der Patient wusste, dass er ein Statin einnimmt.

Doch so ganz von der Hand sind die Muskelbeschwerden durch Statin-Einnahme nicht von der Hand zu weisen, meinen Pharmazeutinnen der Universität des Saarlandes. Statine führen ihren Ergebnissen zufolge dazu, dass der Körper vermehrt ein Protein namens Gilz (Glucocorticoid-induzierter Leuzin Zipper) produziert, das die Muskelzellen beeinträchtigt, teilt die Universität mit. »Statine bewirken, dass Gilz in den Zellen vermehrt gebildet wird. Das führt aber dazu, dass die Myozyten eher absterben. Zusätzlich wird die Bildung neuer Muskelfasern gehemmt«, erklärt Studienleiterin Professor Dr. Alexandra Kiemer. Schalteten die Wissenschaftlerinnen das Gilz-Protein in Zellkulturen genetisch ab, blieben die Schäden bei Statin-Therapie komplett aus.

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