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E-Rezept
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Die Card-Link-Gefahr

Card-Link – für die einen die letzte Hoffnung, für die anderen die große Bedrohung. Wann kommt der vierte Weg zur Einlösung des E-Rezepts und wird er zu einer Verschiebung der Marktanteile führen? Aktuell werden die Erwartungen eher gedämpft – technisch und rechtlich.
AutorKontaktAlexander Müller
Datum 05.03.2024  18:00 Uhr
Wer erhält die übermittelten Daten?

Wer erhält die übermittelten Daten?

In der ersten Kommentierungsrunde bei der Gematik wurden aber vor allem auch Bedenken mit Blick auf Datensicherheit vorgetragen. Da die angeschlossenen Apps nicht zertifiziert und überprüft würden, sei unklar, wer die übermittelten Daten erhält, so eine Sorge. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wurde um Stellungnahme gebeten und hat gegenüber der Gematik dem Vernehmen Anpassungen gefordert.

Dazu passt ein aktueller Bericht von »heise-online«, wonach das BSI Card-Link samt Verifikation per SMS-Code allenfalls als Übergangstechnologie sieht. Zwar werde das Konzept von der Gematik spezifiziert, allerdings seien die anwendungsbezogenen Anteile nicht direkt Teil der Regulierung, ebenso wenig wie die zugehörigen Empfehlungen in den Implementierungsleitfäden, so ein BSI-Sprecher. Beides entspreche »nicht dem Stand der Technik«.

Daher empfiehlt die Behörde laut dem Bericht, das E-Rezept »in der durch das BSI bestätigten, gesetzlich garantierten Form mit elektronischer Gesundheitskarte und PIN-Eingabe zu nutzen«, bis Versicherte von ihren Krankenkassen eine Gesundheits-ID erhalten haben.

Wie komfortabel ist Card-Link wirklich?

Ob sich das BMG von diesen Bedenken bremsen lässt, wird sich in zwei Wochen zeigen. Mitte des Monats steht bei der Gematik die nächste Gesellschafterversammlung an. Das Ministerium wird seinen Willen als Mehrheitsgesellschafter vermutlich durchsetzen – auch wenn andere Gesellschafter, darunter der Deutsche Apothekerverband (DAV), aufgrund der Sicherheitsbedenken gegen die Einführung von Card-Link stimmen sollten.

Bleibt die Frage der Akzeptanz in der Bevölkerung. Denn für die Abfrage muss die EGK mehrere Sekunden lang ruhig an das Smartphone gehalten werden, was bei Tests offenbar immer wieder zu Abbrüchen führte. Mit Eingabe von Kartennummer und SMS-Code ist der Vorgang womöglich gar nicht so komfortabel für die Versicherten.

Allerdings ist zu erwarten, dass auch diese Prozesse noch verbessert und beschleunigt werden können. Die nächsten Wochen und Monate werden entscheidend: Können die Versender nennenswerte Anteile am Rx-Geschäft erobern oder finden die E-Rezepte ihren Weg auch künftig in die Apotheke vor Ort?

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