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Barmer-Zahnreport

Deutlich mehr Karies bei Kindern als gedacht

Ein Drittel der Zwölfjährigen in Deutschland hat Karies in den bleibenden Zähnen. Das geht aus einem heute veröffentlichten Bericht der Krankenkasse Barmer hervor.
dpa
28.05.2020  13:30 Uhr

Der «Zahnreport» berichtet demnach von 240.000 Kindern mit einer Karies-Behandlung im Jahr 2018 – das seien deutlich mehr, als bislang angenommen. «Studien sind bislang von ungefähr 19 Prozent der Zwölfjährigen ausgegangen», sagte Barmer-Chef Christoph Straub am Donnerstag. Die Zahlen basierten auf Krankenkassendaten von mehr als neun Millionen Patienten.

Warum so viele Kinder Karies haben, darüber könne man nur spekulieren, sagte Professor Dr. Michael Walter, Direktor der Dresdner Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik, bei der Vorstellung der Ergebnisse. Womöglich spielten eine veränderte Ernährung eine Rolle oder dass manche Bevölkerungsgruppen nur schwer für Zahngesundheit erreicht werden könnten. Bei benachteiligten Familien sehe man einen Trend zur Vernachlässigung des Zahnschutzes, fügte Straub hinzu. In der Studie ist unter anderem der Anteil der Zwölfjährigen mit keiner Kariesbehandlung ermittelt worden.

Es komme zudem zu einer Polarisierung: «Wenige Kinder und Jugendliche haben besonders viel Karies», sagte Straub. Bei den Jugendlichen und Kindern unter 18 Jahren haben demnach 10 Prozent einen Anteil von 70 bis 90 Prozent an den Gesamtleistungen. Die Probleme seien bereits in den ersten Jahren zu verorten – mehr als 15 Prozent der Unter-Sechsjährigen waren laut der Studie noch nie beim Zahnarzt.

Auch jüngere Kinder haben dem Bericht zufolge bereits Probleme mit Karies: Mehr als die Hälfte der Zehnjährigen, rund 400.000 Kinder, hat schon eine Kariesbehandlung im Milchgebiss hinter sich. Das verursache nicht nur teils starke Schmerzen, sondern führe oft auch zu Problemen an den bleibenden Zähnen, erläuterte Walter

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