Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Besonderes Risiko
-
Deshalb sollten Diabetiker nicht barfuß laufen

Im Sommer ist Barfußlaufen am Strand, im Schwimmbad oder auf der Wiese für viele selbstverständlich. Für Menschen mit Diabetes ist es aber keine gute Idee und explizit nicht empfohlen. Das sind die Gründe.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 10.06.2026  13:00 Uhr

»Mit nackten Füßen zu laufen ist eigentlich etwas Gutes, denn die Füße sind sehr sensibel«, sagte Professor Dr. Farzin Adili, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG), auf deren Pressekonferenz am 8. Juni. Dadurch werden die Nerven und auch die kleinen Muskeln im Fuß aktiviert. Für Menschen mit Diabetes birgt Barfußlaufen aber erhebliche gesundheitliche Risiken. »Wer an Diabetes leidet, sollte seine Füße im Sommer schützen und keinesfalls barfuß laufen«, sagt Adili.

Der Grund: Bis zu 50 Prozent aller Menschen mit Diabetes entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung eine diabetische Neuropathie. Durch die Nervenschädigung werden Schmerz, Hitze, Druck- oder kleine Verletzungen an den Füßen nicht gut gespürt. »Etwa heiße Platten im Schwimmbad , die andere Menschen die Füße zurückziehen lassen«, sagte Adili. So können Blasen, kleine Verletzungen oder Verbrennungen entstehen, ohne dass Betroffene dies bemerkten. Werden die Wunden nicht versorgt, können sie sich infizieren.

Patienten mit einer Neudiagnose von Typ-2-Diabetes  sollten gezielt auf Neuropathien hin untersucht werden und bei Menschen mit Typ-1-Diabetes sollte regelmäßig danach gefahndet werden. Hinweise auf eine bestehende Neuropathie sind Brennen, Kribbeln und Empfindungen wie Ameisenlaufen an den Füßen sowie Taubheits- und Kältegefühle und Gangunsicherheit. 

Neuropathie trifft Gefäßschäden

Bei Menschen mit Diabetes kommt hinzu, dass sie ein erhöhtes Risiko für eine periphere arterielle Verschlusskrankheit haben – eine Durchblutungsstörung, die die Wundheilung beeinträchtigt. »Treffen Nervenschädigung und Durchblutungsstörung aufeinander, kann sich am Fuß aus einer kleinen Verletzung schnell eine chronische Wunde entwickeln«, erklärt der Mediziner. Experten und Expertinnen sprechen dann vom diabetischen Fußsyndrom. »Der diabetische Fuß ist einer der häufigsten Gründe für Amputationen«, betont Adili. Pro Jahr finden rund 40.000 diabetesbedingte Amputationen in Deutschland statt.

Internationale Leitlinie rät vom Barfußlaufen ab

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die aktuelle internationale Leitlinie der International Working Group on the Diabetic Foot (IWGDF) Menschen mit Diabetes und erhöhtem Risiko für Fußulzera, weder im Haus noch im Freien barfuß zu laufen. »Auch nicht in Socken oder mit dünnsohligen Schuhen«, betonte der Mediziner. Er rät zum Tragen von weiten bequemen Schuhen – möglichst ohne Innennähte, die scheuern könnten. Zudem sollten Menschen mit Diabetes täglich ihre Füße und Fußsohlen inspizieren, gegebenenfalls mit einem Spiegel oder der Hilfe des Partners. Wichtig ist auch eine konsequente Hautpflege, da bei Diabetes die Haut oft rissig wird, sodass Wunden auch ohne äußere Einwirkungen entstehen können.

Sind bereits Verletzungen entstanden, sollte rasch gehandelt werden. »Rötungen, Blasen, Druckstellen und Wunden, aus denen Sekret kommt, sollten ernstgenommen und ärztlich abgeklärt werden«, sagt Adili. Wichtig sei auch, »die Betroffenen rasch von den Fußsohlen runterzuholen«. Der betroffene Fuß sollte nicht weiter belastet werden. Eine erste Maßnahme – bs zum Arttermin – sei, die Wunde mit sterilen Flüssigkeiten zu reinigen und einem Pflaster abzudecken, das aber täglich gewechselt werden sollte.

THEMEN
HitzeDiabetes
Mehr von Avoxa