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Misteltherapie

Der Streit geht weiter

Die Diskussion um die Evidenz für die Misteltherapie bei Krebs geht in die nächste Runde. Auf die Kritik einer Gruppe anthroposophischer Ärzte und Onkologen an einem Review der Jenaer Arbeitsgruppe Hübner hat diese nun reagiert: Sie weist die Argumente ihrer Kritiker in allen Punkten zurück.
Annette Mende
04.07.2019
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Die Misteltherapie hat keinen Effekt auf die Heilung oder Lebensqualität von Krebspatienten: Dieses vernichtende Fazit hatten Wissenschaftler um Dr. Jutta Hübner, Professorin für Integrative Onkologie an der Universität Jena, vor einigen Wochen gezogen. Die Autoren hatten ihre Aussage auf eine systematische Literaturrecherche und eine Auswertung der vorhandenen Evidenz gestützt – und dabei die oft sehr schlechte Qualität der Studien zu der alternativen Heilmethode bemängelt.

Eine Gruppe um den Gastroenterologen Professor Dr. Harald Matthes von der Charité in Berlin, der unter anderem Mitglied der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland ist, wollte dies so nicht stehen lassen. Sie warf Hübner und Kollegen in einem Brief an die Herausgeber des veröffentlichenden »Journal of Cancer Research and Clinical Oncology« unwissenschaftliches Arbeiten vor und riefen sie dazu auf, ihre Arbeit entsprechend zu korrigieren oder zurückzuziehen.

In einer Antwort auf den Brief, die noch nicht auf der Seite des Journals veröffentlicht ist, aber der Pharmazeutischen Zeitung vorliegt, weisen Hübner und Kollegen die Kritik nun als unbegründet zurück. Aus ihrer Sicht ist keines der Argumente, das die Kritiker anführen, haltbar.

So sei es tatsächlich unmöglich gewesen, die Ergebnisse der in dem Review berücksichtigten Studien zu einer Metaanalyse zusammenzufassen, weil es sich um hochgradig heterogene Daten aus Studien mit mehrheitlich hohem Verzerrungsrisiko gehandelt habe. »Diese Daten zusammenzuführen, würde ihnen eine Tragfähigkeit unterstellen, für die es keine Evidenz gibt«, so Hübner und Kollegen. Auch die Autoren eines Cochrane-Reviews aus dem Jahr 2008 hätten aus diesem Grund keine Metaanalyse durchgeführt (DOI: 10.1002/14651858.CD003297.pub2). Eine von den Kritikern angeführte Metaanalyse aus dem Jahr 2009 sei von fraglicher Qualität, da sie nicht ausschließlich randomisierte, sondern auch andere Studien eingeschlossen habe.

Matthes und Kollegen hatten der Arbeitsgruppe Hübner auch vorgeworfen, dass diese in vielen Fällen eine Verzerrung (Bias) unterstellt habe, wo es in Wirklichkeit gar keine gegeben habe. Hierauf gehen die Angegriffenen teilweise einzeln ein und legen ihre andere Sicht der Dinge dar. Generell weisen sie darauf hin, dass das Bias-Risiko nicht alles sei, sondern dass für jeden Leser und Arzt die umfassende Bewertung der publizierten Daten wichtig sei. Die Fokussierung auf das Bias-Risiko dürfe nicht den Blick auf andere Fehlschlüsse der eingeschlossenen Studien verstellen.

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