| Paulina Kamm |
| 15.07.2026 17:30 Uhr |
Aktuelle Berechnungen des vdek ergeben: Der Eigenanteil für Heimbewohnende steigt um 256 Euro . / © Imago images / Rolf Kremming
Eine Prognose des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) vom 1. Juli 2026 ergab, dass die selbst zu tragenden Kosten für Heimbewohnende weiterhin steigen. Durchschnittlich 3364 Euro sollen Pflegebedürftige bald aus eigener Tasche stemmen. Hierbei handle es sich um einen Anstieg um 256 Euro im Vergleich zum Vorjahr.
Besagte Kosten bestehen aus dem sogenannten Einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE) für die Pflege und, Ausbildungskosten für Pflegekräfte, Investitionskosten für die jeweilige Pflegeeinrichtung und den Kosten für Logis, also Verpflegung und Unterkunft. Der EEE stieg im vergangenen Jahr um 12 Prozent – von monatlich 1583 Euro auf 1775 Euro im ersten Aufenthaltsjahr.
Ramona Pop, die Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), kritisiert die steigenden Kosten. »Die Kosten für einen Pflegeheimplatz steigen seit Jahren ungebremst an. Mit der geplanten Pflegereform ist keine Besserung in Sicht.« Dies ist laut Pop nicht so vereinbart gewesen: »Statt die Eigenanteile wie im Koalitionsvertrag zugesagt zu begrenzen, sollen die Zuschüsse der Pflegekassen sogar gekürzt werden. Künftig greifen sie erst nach 18 statt nach 12 Monaten«.
Pop fordert eine Stärkung der Pflege und keine weiteren finanziellen Belastungen für Betroffene. »Viele Pflegebedürftige können die Kosten nicht aus eigener Tasche stemmen und rutschen so in die Sozialhilfe. Das geht auch zulasten der Kommunen. Betroffene werden im Stich gelassen. Wer den Sozialstaat schwächt, verspielt das Vertrauen der Menschen«, warnt Pop.
Auch Evelyn Schötz, pflegepolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, bezweifelt die Reformvorhaben von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Diese seien mit diversen Kürzungen, höheren Zugangshürden zu Pflegegraden und der Aussetzung der Tarifpflicht zu kurz gegriffen. » Die Kürzungspläne der Bundesregierung treffen überwiegend Versicherte, pflegebedürftige Menschen und Beschäftigte im Gesundheitswesen. Dass Pflegebedürftigkeit für immer mehr Menschen zum Armutsrisiko wird, ist das Ergebnis politischer Fehlentscheidungen«, so Schötz.
Schötz sieht Nachbesserungspotenzial: »Deshalb brauchen wir eine solidarische Pflegevollversicherung. Gute Pflege darf nicht vom Geldbeutel abhängen. Genau daran werde ich die Vorschläge der Bundesregierung messen.«
Dem stimmt Luigi Pantisano, frisch gewählter Vorsitzende der Linken zu: »Pflegebedürftigkeit stürzt Menschen, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben, in Altersarmut. 256 Euro Mehrkosten im Monat, das ist schon für viele Menschen im Arbeitsleben nicht so einfach zu stemmen. Von den nochmal niedrigeren Renten ist es umso schwerer«, prognostiziert er.
Er erwarte mehr von der Bundesregierung: »Alternde Menschen werden von der Merz-Regierung nur als Kostenfaktor gesehen«, so Pantisano. Angehörige und Betroffene würden im Stich gelassen, weswegen auch Proteste seitens der Linksfraktion geplant seien.
Pantisano macht sich für eine Pflege-Vollversicherung stark: »Dafür müssen alle zahlen, entsprechend ihrem gesamten Einkommen aus Löhnen, Honoraren, Miet-, Pacht- und Kapitalerträgen einzahlen. Die Beitragsbemessungsgrenze wird abgeschafft. Damit können die Beiträge für Menschen unter rund 7.000 Euro Monatseinkommen sogar sinken«, so der Parteivorsitzende.