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Alkohol

Der Kater – wissenschaftlich betrachtet

Im Rheinland und an vielen anderen Orten starten Karnevalisten an Weiberfastnacht so richtig durch. Dabei gibt es viele gut gemeinte Ratschläge, was die Folgen von zu viel Alkohol angeht. Nicht alle halten einer wissenschaftlichen Prüfung stand.
PZ/dpa
28.02.2019
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«Bier auf Wein, das lass' sein. Wein auf Bier, das rat' ich dir.» Forscher der Universität Witten/Herdecke haben den prominenten Rat zur Katervermeidung mit einem feuchtfröhlichen Experiment als Mythos entlarvt. Ihre Erkenntnis: Für den Kater spielt es keine Rolle, in welcher Reihenfolge man Bier und Wein in sich hineingeschüttet hat. Die Teilnehmer der Studie tranken an zwei verschiedenen Abenden zunächst nur Wein oder Bier und wechselten bei 0,5 Promille Alkohol im Blut auf das jeweils andere Getränk. Für den Morgen danach machte das keinen Unterschied. «Wir haben eindeutig gezeigt: Das Sprichwort stimmt nicht – zumindest für Weißwein und Lagerbier», sagt der Mediziner Dr. Kai Hensel, der das Experiment in Witten geleitet hat (DOI: 10.1093/ajcn/nqy309).

Nach einer durchzechten Nacht mit Kater aufzuwachen, ist kein Zeichen von Schwäche. Das ist das Fazit einer Befragung niederländischer Studenten, die Wissenschaftler der Universität Utrecht durchgeführt haben (DOI: 10.1002/hup.2623). Es gab keine Unterschiede beim Wohlbefinden oder der sonstigen Widerstandsfähigkeit zwischen denen, die anfällig für Kater sind und denen, die weniger unter den Folgen des Trinkens leiden. «Am Ende des Tages ist das Katerempfinden aber natürlich subjektiv, denn es ist ja eine Form von Schmerz», sagt Wissenschaftler Hensel dazu.

Die Utrechter Alkoholforscher haben niederländische Studenten auch dazu befragt, wie sich ihr Kater äußert. Dabei kam heraus: Müdigkeit, Durst und Konzentrationsprobleme sind die Symptome, die von mehr als 95 Prozent der an Kater leidenden Befragten genannt wurden. Außerdem sehr häufig waren Kopfschmerzen und Übelkeit. Gut jeder fünfte Befragte berichtete von Angstzuständen (DOI: 10.1002/hup.2623).

Ein Experiment US-amerikanischer Forscher zeigte: Bourbon verursacht einen heftigeren Kater als Wodka (DOI: 10.1111/j.1530-0277.2009.01116. ). Die Wissenschaftler führen das darauf zurück, dass Bourbon einen rund 37-fach höheren Anteil an sogenannten Kongeneren hat – das sind chemische Substanzen, die bei der Gewinnung von Alkohol entstehen.

Und was hilft?

Koreanische Forscher verabreichten einer Gruppe von 25-jährigen Männern erst 100 Milliliter Whiskey und dann eine Wasserlösung mit rotem Ginseng. Eine Kontrollgruppe bekam nach dem Whiskey nur ein wirkungsloses Placebo. Bei der Ginseng-Gruppe verringerte sich der Alkoholgehalt im Blut deutlich schneller – und damit auch das Risiko eines üblen Katers (DOI: 10.1039/c3fo60481k). Roter Ginseng ist aber schwieriger aufzutreiben als Rollmops und Aspirin. ASS oder Ibuprofen sind übrigens bei Katerkopfschmerzen die bessere Wahl als Paracetamol. Ethanol und Paracetamol sind bekanntlich beide nicht besonders leberfreundlich. Sie werden zudem teilweise über dasselbe Enzym in der Leber abgebaut, was den Alkoholabbau verlangsamen die hepatotoxische Wirkung verstärken kann.

Fazit nach bisherigem Stand der Wissenschaft: Wer zu viel trinkt, muss mit den Konsequenzen leben. Vor dem Schlafengehen noch etwas zu essen oder Wasser zu trinken, ist zwar ratsam, klappt aber nicht unbedingt.

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