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Palliativversorgung
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Den Tagen mehr Leben geben!

Jeder Mensch mit einer schweren chronischen Krankheit, mit begrenzter Lebenserwartung oder starker Gebrechlichkeit hat einen Anspruch auf Palliativversorgung. Diese zielt darauf ab, die Lebensqualität von Patienten und ihren Zugehörigen durch frühzeitige Interventionen aktiv zu verbessern.
AutorKontaktKirsten Dahse
AutorKontaktUlla Mariam Hoffmann
Datum 02.10.2022  08:00 Uhr

Palliativversorgung in Deutschland

Obwohl es in Deutschland (überwiegend) ein sehr gutes Netz der Palliativversorgung (PV) gibt, das es Patienten ermöglicht, trotz schwerer Erkrankung ein würdevolles Leben zu führen, wird in unserer Gesellschaft das Sterben häufig verdrängt – doch es ist ein Teil des Lebens und betrifft uns alle.

Durch das Hospiz- und Palliativgesetz (HPG, 8. Dezember 2015) haben Patienten einen gesetzlichen Anspruch auf Palliativversorgung; einen Überblick gibt Tabelle 6. Dennoch bestimmt der Wohnort häufig über deren Qualität und Quantität. Denn es gibt aufgrund der unterschiedlichen strukturellen Voraussetzungen deutliche regionale Unterschiede sowohl in der Inanspruchnahme der Palliativversorgung am Lebensende als auch in den Anteilen von ambulanter und spezialisierter ambulanter Palliativversorgung (AAPV und SAPV).

Charakteristika Allgemeine Palliativversorgung (APV) Spezialisierte Palliativversorgung (SPV)
stationär allgemeine Krankenhausstation,
Onkologische Station,
Pflegeeinrichtungen
Palliativstation
Palliativdienst im Krankenhaus
palliativmedizinische Tagesklinik
ambulant allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV) spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV)
spezialisierte Palliativambulanz
Tageshospiz
ambulant und stationär stationäres Hospiz
Hospizdienste/Ehrenamt
stationäres Hospiz
Hospizdienste/Ehrenamt
Qualifikation Basisqualifikation:
erlangt v. a. durch palliativmedizinische Inhalte in der Ausbildung und/oder durch Fort- und Weiterbildung und/oder durch mehrjährige Berufserfahrung in der Betreuung von schwerstkranken und sterbenden Patienten
Spezialisierte Qualifikation:
erlangt durch eine mehrjährige Aus-, Fort- oder Weiterbildung in der SPV mit der Erlangung von theoretischem Wissen, zum Beispiel durch Aufbaukurse, und einer mindestens einjährigen praktischen Tätigkeit (Berufserfahrung) in der SPV
Tabelle 6: Organisation der palliativmedizinischen Versorgung (PV) in Deutschland; modifiziert nach Bausewein et al., 2019

Für Kinder gibt es eine eigene Palliativversorgung bei völlig anderem Erkrankungsspektrum: Kinder-Palliativteams sind meist an große pädiatrische Zentren angebunden. Die Versorgung ist im Einzelfall deutlich prekärer als bei Erwachsenen.

Basierend auf einer Auswertung der Daten von etwa 100.000 Patienten (GKV) erhält schätzungsweise ein Drittel der Patienten in Deutschland in den letzten sechs Lebensmonaten mindestens eine palliative Leistung (Ditscheid et al., 2020). Der Bedarf, insbesondere in der ambulanten Palliativversorgung, wird erheblich höher eingeschätzt. Die Apothekenteams sollten die lokalen und regionalen Palliativstrukturen kennen und mit den Beteiligten vernetzt sein, um hier eine Vermittlerrolle übernehmen zu können. Ein erster Schritt ist es, Informationen und Broschüren der Landratsämter zur Palliativversorgung sowie Flyer von Palliativ- und Hospizdiensten zu beschaffen, um sie den Patienten und ihren An- und Zugehörigen mitgeben zu können.

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