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Palliativversorgung
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Den Tagen mehr Leben geben!

Jeder Mensch mit einer schweren chronischen Krankheit, mit begrenzter Lebenserwartung oder starker Gebrechlichkeit hat einen Anspruch auf Palliativversorgung. Diese zielt darauf ab, die Lebensqualität von Patienten und ihren Zugehörigen durch frühzeitige Interventionen aktiv zu verbessern.
AutorKontaktKirsten Dahse
AutorKontaktUlla Mariam Hoffmann
Datum 02.10.2022  08:00 Uhr

Übelkeit und Erbrechen

Etwa 10 bis 70 Prozent der Tumorpatienten leiden an Übelkeit und 10 bis 40 Prozent an Erbrechen (Bausewein, 2019). Beide Symptome können UAW von Opioiden sein, werden häufig aber auch durch die Erkrankung selbst oder die antineoplastische Therapie ausgelöst. Sie treten häufig – aber nicht immer – gemeinsam auf. So besteht bei einer akuten Gastritis oder bei Hirndruck häufig Erbrechen ohne Übelkeit, andererseits leiden viele Patienten unter Übelkeit, ohne jemals zu erbrechen. Während Patienten meist mehr an der Übelkeit leiden, belastet Erbrechen die Zugehörigen häufig mehr.

In der Anamnese werden Zusammenhänge zu Auslösern gesucht. Die Inspektion des Erbrochenen, Ultraschall und Labor, vor allem bei metabolischen Störungen, können weitere Hinweise geben.

An nicht medikamentösen Verfahren steht die Mundpflege an erster Stelle, gefolgt von Wunschkost mit kleinen Portionen (bis zu acht Mal täglich), Zwieback, Salzstangen, gekühlten Getränken und Ingwertee sowie Entspannungstechniken. Bei Verabreichung von vielen kleinen Portionen – und der damit verbundenen verlangsamten Magen-Darm-Passage – ist auf den korrekten Einnahmezeitpunkt von retardierten und magensaftresistenten Arzneiformen zu achten. Idealerweise erfolgt die erste Gabe von magensaftresistenten Präparaten morgens mindestens 30 bis 60 Minuten, besser zwei Stunden vor der ersten Mahlzeit.

Opioide, besonders ohne Kombination mit Opioid-Antagonisten wie Naloxon, verlangsamen nicht nur die Darmpassage, sondern auch die Magenentleerung.

Bei Retardtabletten können konstante Wirkspiegel besser durch nüchterne Einnahme, spätestens jedoch vor »dem ersten Bissen« erreicht werden. Damit können Durchbruchschmerzen reduziert werden.

Der medikamentösen Therapie liegen Überlegungen zu den Pathomechanismen zugrunde. Diese sind komplex und multifaktoriell in der Genese. Hinzu kommen vielfältige UAW durch Interaktionen von Arzneistoffen mit Rezeptoren im ZNS und im Gastrointestinaltrakt. Oft ist eine Monotherapie nicht ausreichend, sodass Metoclopramid zum Beispiel mit Haloperidol (ein- bis dreimal 0,3 bis 2 mg/d) oder Levomepromazin (1 bis 6 mg/d) oder Olanzapin (1,25 bis 5 mg zur Nacht) kombiniert wird.

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