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Kommunikation im Gesundheitswesen
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Daten werden oft über unsichere Kanäle verschickt

Das Healthtech-Unternehmen Doctolib hat eine repräsentative YouGov-Umfrage in Auftrag gegeben, um festzustellen, wie es um die Möglichkeiten zu datenschutzkonformer Kommunikation unter Gesundheitsfachkräften steht.
AutorKontaktPZ
Datum 22.10.2026  17:00 Uhr
Datum Aktualisiert am 23.10.2026  10:40 Uhr

Die Bereitschaft zu datenschutzkonformer Kommunikation ist unter medizinischem Personal hoch, doch die nötigen Ressourcen und Strukturen hierfür fehlen, meldet Doctolib als Erkenntnis aus der Umfrage. Hierfür wurden 428 Ärztinnen und Ärzte aus Kliniken, Praxen und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) sowie 1053 Privatpersonen befragt. Im klinischen Setting bevorzugen demnach 73 Prozent der Befragten das persönliche Gespräch vor Ort, 61 Prozent das Diensttelefon und 58 Prozent das hausinterne E-Mail-System.

Allerdings geht Gesundheit manchmal mit dringlichem Informationsaustausch einher. Hierfür haben demnach 70 Prozent des ärztlichen Personals aus Kliniken und 72 Prozent des ärztlichen Personals aus Praxen schon einmal herkömmliche Messenger wie zum Beispiel WhatsApp angewandt.

Doch ein Problem liegt hierbei auf der Hand: »Dabei sind immer Daten von Patientinnen, Patienten und Kolleginnen und Kollegen im Spiel. Privat genutzte Messenger sind in der Notfallkommunikation ungeeignet – bis hin zu unzulässig«, erklärt Patric Tralls, Chefarzt der Klinik für Notfall- und Akutmedizin am Städtischen Klinikum Solingen. Das Bewusstsein hierfür sei hoch: 58 Prozent der Klinikärztinnen und -ärzte sehen das Risiko eines Datenlecks, 49 Prozent eine potenzielle Datenschutz-Grundverordnung-Verletzung (DSGVO).

Wo liegt das Kommunikationsproblem?

Es fehle an struktureller, netzwerklogischer und institutioneller Ausstattung. Teilweise habe man gar keine Dienstgeräte zur Verfügung oder zu viel Zeitdruck, um andere Kommunikationswege in Anspruch zu nehmen. 64 Prozent der Klinikärztinnen und -ärzte, die im beruflichen Kontext allgemeine Messenger nutzen, sagen, dass sie dies auch deshalb tun, weil Kollegium und Vorgesetzte diese Kanäle ebenso verwenden. Institutionelle Lücken äußern sich darin, dass Einrichtungen keine klaren Regelungen vorweisen.

Um für den Ernstfall vorbereitet zu sein, wünschen sich einige der Befragten Notfallpläne und Übungen für den Ausfall kommunikativer Systeme. Generell benötige man zertifizierte, sichere Kommunikationstools, die im Regelfall auf privaten Geräten und im Ausnahmefall auch bei einem Infrastrukturausfall funktionieren.

KIM: Kommunikation im Medizinwesen

Die Möglichkeit, über alle medizinischen Sektoren datenschutzkonform zu kommunizieren, wäre allerdings durch E-Mail-Dienste wie Kommunikation im Medizinwesen (KIM) gewährleistet. Durch KIM könnten patientinnen- und patientenbezogene Befunde, Dokumente und Nachrichten via Mail versandt werden, beschreibt die Gematik auf ihrer Website. Auf diesem Weg könne man Prozesse digital und automatisiert unterstützen, auf ein bundeseinheitliches Adressbuch – auch Verzeichnisdienst (VZD) genannt – zugreifen und Nachrichten verschlüsselt und signiert vermitteln.

Auch Daten werden demnach strukturiert und automatisiert verarbeitet und zugeordnet. »Das Versenden einer KIM-Nachricht ist so einfach wie das Versenden einer E-Mail. Es ist keine neue Software nötig, sondern funktioniert über das Primärsystem«, heißt es weiter. Die Gematik bietet Checklisten und Anleitungen, um bei der Einrichtung von KIM zu unterstützen.

Stimmen aus der Bevölkerung

Heidemarie Haeske-Seeberg, Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS), warnt vor den möglichen Folgen: »Falsch, zu spät oder unvollständig übermittelte Informationen bergen erhebliche Risiken für die Patientensicherheit. Tools, die rechtzeitig korrekte Informationen insbesondere an den Übergängen zwischen den verschiedenen Versorgungseinrichtungen und -ebenen übermitteln, tragen deshalb zur Verbesserung der Patientensicherheit bei.«

Die Problematik scheint bekannt zu sein. In der Umfrage äußerten sich 56 Prozent der Deutschen besorgt darüber, dass potenzielle geopolitische Entwicklungen oder beispielsweise gezielte Angriffe auf Stromnetze die Versorgung gefährden könnten. 84 Prozent der Bevölkerung erwarten sichere Kommunikation von ihren Behandelnden.

Wie gut Deutschland auf einen Krisenfall vorbereitet ist und worauf Apotheken achten sollten, war auch Thema  der jüngsten Folge des PZ-Talks »Alex’ Doppelte Dosis« mit Oberstapotheker Bernd Klaubert, Leitender Apotheker und Inspizient Wehrpharmazie der Bundeswehr und seit Januar 2026 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie (DGWMP).

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