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Ramsay-Hunt-Syndrom

Das steckt hinter der Gesichtslähmung von Justin Bieber

Nach der Absage seiner Konzerte hat der Popstar Justin Bieber mitgeteilt, dass er an einer Gesichtslähmung leide. Er hat das Ramsay-Hunt-Syndrom – eine seltene Virus-Erkrankung, die Nerven im Ohr und Gesicht angreift.
PZ
dpa
13.06.2022  18:00 Uhr

In einem knapp dreiminütigen Video bei Instagram sprach er am Freitag über die Diagnose und seine Symptome: »Wie ihr seht, kann dieses Auge nicht blinzeln«, sagt der Grammy-Preisträger, dabei schaut das rechte Auge starr in die Kamera, während er das linke Auge zusammenkneift. Er könne auf dieser Seite auch nicht lachen oder seinen Nasenflügel bewegen, erklärt Bieber. Dabei zieht er den Mundwinkel auf der linken Seite hoch.

Er müsse eine Pause einlegen und seinen Körper schonen. »Es wird mir besser gehen. Ich mache all diese Gesichtsübungen, damit mein Gesicht wieder normal wird. Es wird nur Zeit brauchen und wir wissen nicht, wie viel Zeit es dauern wird«, sagt Bieber. Innerhalb der ersten 36 Stunden nach dem Posting am Freitag wurde das Video mehr als 47 Millionen Mal aufgerufen.

Eine Komplikation der Gürtelrose

Beim Ramsay-Hunt-Syndrom handelt es sich um eine seltene Komplikation der Gürtelrose (Herpes zoster), dem sogenannten Herpes zoster oticus mit Gesichtslähmung. Dabei wird das nach einer Erstinfektion, den Windpocken, das im Körper ruhende Varicella-zoster-Virus reaktiviert und vermehrt sich in Nervenzellen. Befallen sind dabei die Neuronen des Ganglion geniculatum, einer kleinen Ansammlung von Nervenfasern, zu denen auch der Gesichtsnerv (Nervus facialis) gehört. Mögliche Folgen sind eine einseitige Gesichtslähmung, Hörverlust, Ohrenschmerzen und Bläschenbildung am Gehörgang.

Die Symptome gingen meist binnen Wochen oder Monaten ganz zurück, sagte Dr. Amit Kochhar von der neurologischen Klinik Pacific Neuroscience Institute im kalifornischen Santa Monica der Zeitung »Wall Street Journal«. In seltenen Fällen könnten einige Symptome dauerhaft bleiben. Laut Leitlinie »Diagnostik und Therapie des Zoster und der Postzosterneuralgie« besteht die Therapie des Herpes zoster oticus aus einer Kombination von intravenösem Aciclovir und systemischen Corticosteroiden. 

Das Syndrom tritt auf, wenn der Körper und vor allem das Immunsystem geschwächt sind. Ursachen können anhaltender Stress, eine Immunschwäche oder auch zurückliegende Infektionen mit anderen Erregern sein. Das gilt auch für das Coronavirus, wie eine vor kurzem veröffentlichte Studie zeigt. Ein Team um Amit Bhavsar von Glaxo-Smith-Kline hatte US-amerikanische Krankenversicherungsdaten aus dem Zeitraum von März 2020 bis Februar 2021 ausgewertet und dabei festgestellt, dass Covid-19 bei Menschen über 50 Jahre das Risiko für einen Herpes zoster um 15 Prozent erhöht. Bei Covid-19-Erkrankten mit schweren Verläufen, bei denen eine Hospitalisierung erforderlich war, stieg das Gürtelroserisiko um 21 Prozent. Die Ergebnisse sind im Fachjournal »Open Forum Infectious Diseases« erschienen. 

Ende Februar war Bieber positiv auf das Coronavirus getestet worden und hatte Konzerte absagen müssen. 

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