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SHIELD-Projekt
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Das Nipah-Virus im Fokus der Forschung

Das Nipah-Virus steht wegen seiner hohen Letalität und fehlenden kausalen Behandlungsmöglichkeiten weit oben auf der Liste der gefährlichsten Erreger der WHO. Ein europäisches Forschungsprojekt will Schwachstellen des Virus aufdecken, um Therapieansätze zu entwickeln – auch mit Blick auf potenzielle Pandemien.
AutorKontaktHelena Japes
Datum 14.10.2026  18:00 Uhr

Flughunde als Reservoir

Das natürliche Reservoir des Nipah-Virus sind Flughunde der Familie Pteropodidae. Sie tragen das Virus symptomlos und scheiden es über Urin, Speichel oder Kot aus. Die asymptomatische Persistenz begünstigt Spillover-Ereignisse. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt dabei durch direkten Kontakt mit Fledermäusen, durch kontaminierte Lebensmittel wie rohen Dattelpalmsaft oder über infizierte Nutztiere, insbesondere Schweine, in denen sich der Erreger vermehren kann. So erkrankten in dem ersten Ausbruch in Malaysia vor allem Männer, die in Schlachthöfen arbeiteten.

Fledermäuse als Überträger gelangen aufgrund eines Habitatverlusts durch Abholzung, Klimawandel und Landnutzungsänderungen in näheren Kontakt mit Menschen, was das Risiko für Spillover-Ereignisse erhöht. Auch Mensch-zu-Mensch-Übertragungen des Virus sind möglich, vor allem bei engem Kontakt oder unzureichender Hygiene.

Nach der Aufnahme über den Mund-Nasen-Rachenraum vermehrt sich das Nipah-Virus zunächst im Atemwegsepithel und breitet sich früh über das Blutgefäßsystem im Körper aus. In der Folge infiziert es Endothelzellen, die Ephrin-B2 und -B3 Rezeptoren tragen. Die Endothelschädigung führt zu einer systemischen Entzündung der Blutgefäße mit Thrombosen und Gewebsnekrosen. Im weiteren Verlauf befällt das Virus auch Lunge, Milz und Nieren.

Besonders schwer betroffen ist das zentrale Nervensystem. Das Virus erreicht das Gehirn durch Schädigung der Blut-Hirn-Schranke mithilfe von virusbeladenen Leukozyten im Blut oder über den Riechnerv, was zu einer akuten Enzephalitis führt.

»Nipah-Viren sind zudem sehr gut darin, der Kontrolle durch unser Immunsystem zu entgehen«, erklärt die Virologin Dr. Lisa Oestereich vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Virale Proteine unterdrückten bereits in der frühen Infektionsphase die angeborene Immunantwort und ermöglichten so die Ausbreitung des Erregers. Die Kombination aus Immunflucht, ausgeprägter Gefäßschädigung und schwerer Atemwegsbeteiligung bewirkt die hohe Letalität des Nipah-Virus.

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