Ein Mitarbeiter der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC nimmt im Jahr 2002 eine Blutprobe bei einem Mann in einem Dorf in Bangladesh, in dem es zuvor Fälle von Nipah-Virus-Enzephalitis gegeben hatte. In Südostasien kommt es immer wieder zu Ausbrüchen von Nipah-Infektionen. / © CDC
Hohes Fieber, Atemprobleme und eine schnell voranschreitende Gehirnentzündung: Mit diesen Symptomen wurden ein Mann und eine Frau im Januar 2026 in ein Krankenhaus in Bangasat, Indien, eingeliefert. Was zunächst aussah wie eine Grippe, stellte sich nach Labortests als Nipah-Virus-Infektion heraus. Kurz darauf wurde auch bei einer Frau in Rajshahi, Bangladesch, eine Nipah-Infektion festgestellt, an der sie noch am gleichen Tag verstarb.
Diese Fälle gehören zum letzten aktuellen Ausbruch des Nipah-Virus. Die schweren Krankheitsverläufe zeigen, wie gefährlich eine Infektion sein kann. Mit einer Sterblichkeitsrate von 40 bis 75 Prozent und ohne zugelassene Therapiemöglichkeiten oder Impfstoffe ist das Nipah-Virus eines der bedrohlichsten Viren der Welt.
Nach dem ersten bekannten Ausbruch 1998 in Malaysia kommt es in Südostasien immer wieder zu Ausbrüchen, in Indien seit 2018 sogar mehrfach jährlich. 2015 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Epidemierisiko so hoch ein, dass das Nipah-Virus in die Prioritätenliste der gefährlichsten Krankheitserreger aufgenommen wurde. Entsprechend wichtig ist es, die Forschung an Therapiemöglichkeiten und Impfstoffen voranzutreiben.
Aufbau des Nipah-Virus / © PZ-Grafik
Das Nipah-Virus ist mit dem Hendra-Virus ein Vertreter der Henipaviren und gehört zur Familie der Paramyxoviridae. Die behüllten Viruspartikel variieren in ihrer Form von kugelig bis filamentös mit Größen zwischen 40 und 1900 nm. Ihre Lipidhülle stammt aus der Wirtszelle und trägt die viralen Glykoproteine G und F. Diese beiden Oberflächenproteine sind am Viruseintritt beteiligt: G vermittelt die Anheftung an die Proteinrezeptoren Ephrin-B2 und Ephrin-B3 auf der Wirtszelle, F ermöglicht anschließend die Fusion der Membranen.
Im Inneren des Viruspartikels befindet sich das Ribonukleoprotein und die negativ orientierte RNA. Das rund 18,2 kb große Genom codiert für sechs Strukturproteine sowie drei nicht strukturelle Proteine.
Die für den Zelleintritt benötigten Oberflächenproteine Ephrin-B2 und -B3 kommen auf verschiedenen Zelltypen vor, etwa auf arteriellen Endothelzellen, im zentralen Nervensystem, in Lunge und Herz. Entsprechend kann der Erreger viele Gewebe befallen, was auch den systemischen Verlauf der Infektion erklärt.