| Alexandra Amanatidou |
| 30.04.2026 16:20 Uhr |
Die Apothekerkammer und der Apothekerverband Mecklenburg-Vorpommern versuchen, junge Menschen für Jobs in Apotheken zu begeistern. Zu diesem Zweck haben sie gemeinsam die Stelle eines Nachwuchskoordinators ins Leben gerufen. / © Getty Images/Nando Lardi/PZ
Im Jahr 2025 mussten neun Apotheken in Mecklenburg-Vorpommern schließen, und auch in diesem Jahr gab es bereits eine Schließung. Somit gibt es im Bundesland nur noch 350 öffentliche Apotheken. Das Land Mecklenburg-Vorpommern versucht, die ländliche Versorgung mit Apotheken mithilfe neuer Modelle zu verbessern. So weitete der Landtag Anfang des Jahres seine Landarztquote auf Apothekerinnen und Apotheker aus. An den Universitäten in Mecklenburg-Vorpommern werden etwa zehn Prozent der Studienplätze im Bereich Pharmazie für Studierende reserviert, die nach ihrem Studium im Nordosten arbeiten möchten. Dies betrifft die Universität Greifswald, wo man Pharmazie studieren kann. Derzeit gibt es dort insgesamt 470 immatrikulierte Studierende, wie aus Daten der Universität hervorgeht.
Auch die Apothekerkammer und der Apothekerverband Mecklenburg-Vorpommern versuchen, junge Menschen für Jobs in Apotheken zu begeistern. Zu diesem Zweck haben sie gemeinsam eine Stelle ins Leben gerufen. Diese wird seit einem Jahr von Jochen Wenzel ausgefüllt, der selbst Apotheker ist. Er soll die zahlreichen gesammelten Ideen nun umsetzen.
Sein Job sei »sehr abwechslungsreich«, sagt er gegenüber der PZ. Eine seiner ersten Maßnahmen war es, sich mit den Berufsberaterinnen und Berufsberatern der Bundesagentur für Arbeit in seinem Bundesland auszutauschen. »Es gibt viele junge Menschen, die etwas im Bereich Gesundheit oder Soziales machen wollen«, sagt er. Deshalb sei es wichtig, dass die Jobs in der Apotheke auch bei den Beraterinnen und Beratern präsenter sind.
Außerdem ist der Apotheker viel auf Messen unterwegs. »Ich war von Anfang an positiv überrascht, wie groß das Interesse an den Berufen in der Apotheke ist.« Egal, ob Studium oder Ausbildung, also Approbation, PTA oder PKA: Das Interesse sei groß. Dennoch habe die PTA-Ausbildung dadurch, dass es keine Ausbildungsvergütung gibt, einen klaren Nachteil, wie Wenzel sagt. »Die, die etwas Soziales machen oder im Gesundheitsbereich arbeiten wollen, schauen sich dann andere Ausbildungen an, wie Ergotherapie, Physiotherapie oder Pflegeberufe.«
Jochen Wenzel findet, dass die Jobs in Apotheken bei den Berufsberatern präsenter sein sollten. / © Jochen Wenzel, AKMV
Tatsächlich erhalten Auszubildende in der Ergotherapie laut der Online-Plattform Azubi.de 1.065 Euro im ersten Ausbildungsjahr und Auszubildende in der Physiotherapie laut Medi-Karriere 1.015 Euro. In der Pflege sind es sogar 1.490 Euro im ersten Ausbildungsjahr, wie auf der Seite »Öffentlicher Dienst« zu lesen ist. An einigen PTA-Schulen müssen Schülerinnen und Schüler hingegen teilweise für die Ausbildung bezahlen, und zwar bis zu 300 Euro pro Monat.
Tatsächlich wurde bereits im Jahr 2019 auf der Gesundheitsministerkonferenz einstimmig beschlossen, das Schulgeld für nichtakademische Gesundheitsberufe abzuschaffen. Einige Bundesländer, darunter Nordrhein-Westfalen (NRW), Bayern und Hessen, haben die Regelung bereits umgesetzt, andere jedoch noch nicht. Auch der Landtag in Mecklenburg-Vorpommern hat Mitte Dezember beschlossen, das PTA-Schulgeld abzuschaffen. Dies betrifft die beiden PTA-Schulen in Schwerin und Greifswald.
Wenzel sieht im Modell der PTA-Patenschaft eine Möglichkeit, während der Ausbildung etwas dazuzuverdienen. Die Initiative wurde vom Landesapothekerverband (LAV) Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Über eine Website können sich PTA-Schülerinnen und -Schüler von Beginn an mit einer öffentlichen Apotheke vernetzen und dort arbeiten. Das bietet nicht nur den Vorteil eines Zuverdienstes, sondern auch die Möglichkeit, schnell einen Einblick in die gelebte Apothekenpraxis zu erhalten.
Der Apotheker will bald ein ähnliches Projekt für Pharmaziestudierende ins Leben rufen: ein Mentoring-Programm. Erfahrene Kolleginnen und Kollegen sollen dabei ihr Wissen und ihre Erfahrungen aus Studium, Ausbildung und Beruf teilen. »Das steckt noch in den Kinderschuhen«, sagt der Apotheker und fügt hinzu: »Es ist ein Plan, den wir noch entwickeln wollen, um frühzeitig eine Bindung zwischen Apotheke und Universität herzustellen.«
Eine weitere Maßnahme, die der Koordinator ergriffen hat, ist die Organisation von Online-Nachhilfe in Chemie für PTA-Schülerinnen und -Schüler. Außerdem findet jährlich der Tag der offenen Apotheken statt. Dabei öffnen zahlreiche Apotheken ihre Türen für Schülerinnen und Schüler.