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Exportschlager Erbgut
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Dänemark ist die Spermien-Metropole

Rund um den Globus entstehen Kinder mit dänischen Genen. Dänische Samenbanken exportieren inzwischen in mehr als 100 Länder – und bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Kinderwunsch, Kommerz und Ethik.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 28.10.2026  17:00 Uhr
Dänemark ist die Spermien-Metropole

Dänemark exportiert nicht mehr nur Lego-Steine und Designermöbel, sondern hat sich auch im internationalen Spermienmarkt einen Namen gemacht. Heute beliefern die Samenbanken des skandinavischen Königreichs mehr als 100 Länder. Damit sei es neben den USA die einzige Nation, die Erbgut auch exportiert, so Dr. Stine Willum Adrian auf der Wissenschaftsplattform »The Conversation«. Sie ist Professorin für Gesundheitssoziologie an der norwegischen Tromsø-Universität.

Bei rund 60 Prozent der belgischen und niederländischen Kinder, die durch Samenspende gezeugt sind, stammt das Erbgut der Wissenschaftlerin zufolge von dänischen Spendern. Im eigenen Land kommt demnach inzwischen etwa jedes hundertste Kind mithilfe einer Samenspende auf die Welt.

So gelang der eiskalte Erfolg

Als es in den 1950er-Jahren mithilfe von Kryotechnologie möglich war, Spermien sicher zu lagern und zu transportieren, erkannte Dänemark schnell das Marktpotenzial. Der Vorteil des Einfrierens war auch, dass sich die Spende gut auf sexuell übertragbare Infektionen prüfen ließ.

Während das Land in den 1970er-Jahren zunächst eine öffentliche Samenbank einrichtete, die auch Kliniken in Norwegen und Island belieferte, stiegen in den 1980er-Jahren auch private Fertilitätskliniken ins Geschäft ein, um die steigende Nachfrage zu bedienen. Unternehmen wie »Cryos International« rekrutierten gezielt junge Männer in Universitätsstädten und entwickelten mithilfe eines Merkmalkatalogs ein globales Exportgeschäft.

Die dänischen Samenbanken verdankten den Erfolg auch ihrer Flexibilität, wie die Gesundheitssoziologin berichtet. Schnell passten sie sich den wandelnden Regeln zu Anonymität, Spenderauswahl oder Zugangsrechten in den verschiedenen Staaten an. Auch Dänemark selbst sei im Vergleich zu anderen europäischen Ländern immer recht liberal mit dem Thema umgegangen.

Zu den wichtigsten Kunden der Fertilitätsunternehmen zählen nach Angaben von »Cryos International« inzwischen alleinstehende Frauen mit rund 60 Prozent und gleichgeschlechtliche Paare mit 35 Prozent – früher war dagegen der Grund für den Gang zur Samenbank meist die männliche Infertilität.

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