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Long Covid

Covid hat auch bei mildem Verlauf bei jedem Zehnten spürbare Folgen

Acht Monate nach mildem Covid-19 hat jeder zehnte Betroffene immer noch mindestens ein mittelschweres bis schweres Symptom, das sich negativ auf seine Arbeit, sein soziales oder häusliches Leben auswirkt. Die häufigsten Langzeitsymptome sind Geruchs- und Geschmacksverlust sowie Müdigkeit, zeigt eine schwedische Studie.
Sven Siebenand
09.04.2021  14:30 Uhr

Ungefähr 80 Prozent der hospitalisierten Patienten mit Covid-19 berichten mehrere Monate nach Beginn der Infektion über anhaltende Symptome. Doch wie steht es um die Genesenen mit leichtem Verlauf? Auf deren Langzeiteffekte fokussiert eine Forschergruppe um Erstautor Sebastian Havervall vom Danderyd Hospital und Karolinska-Institut in Stockholm in einer neuen »JAMA«-Veröffentlichung.

Seit dem Frühjahr 2020 führen Wissenschaftler in Schweden die COMMUNITY-Studie durch. In der ersten Phase der Studie wurden Blutproben von mehr als 2000 Mitarbeitern des Stockholmer Krankenhauses entnommen, von denen rund jeder Fünfte Antikörper gegen SARS-CoV-2 aufwies. Seitdem wurden alle vier Monate Blutproben entnommen, und die Studienteilnehmer füllte Fragebögen zu Langzeitsymptomen und deren Auswirkungen auf die Lebensqualität aus.

In der dritten Nachuntersuchung im Januar 2021 bewerteten die Wissenschaftler das selbstberichtete Vorhandensein von Langzeitsymptomen und deren Auswirkungen auf Arbeit, Soziales und Privatleben bei Teilnehmern, die mindestens acht Monate zuvor einen milden Covid-19-Verlauf hatten. Diese Gruppe bestand aus 323 Beschäftigten im Gesundheitswesen mit einem Durchschnittsalter von 43 Jahren. Die Forscher verglichen sie mit 1072 Beschäftigten im Gesundheitswesen mit einem durchschnittlichen Alter von 47 Jahren, die während des gesamten Studienzeitraums kein Covid-19 hatten.

Die Ergebnisse zeigen, dass 26 Prozent derjenigen, die zuvor an Covid-19 erkrankt waren, mindestens ein mittelschweres bis schweres Symptom hatten, das länger als zwei Monate andauerte. In der Kontrollgruppe gaben das nur 9 Prozent der Befragten an. 11 Prozent der zuvor Infizierten (versus 2 Prozent in der Kontrollgruppe) hatten mindestens ein Symptom mit negativen Auswirkungen auf die Arbeit, das soziale oder das häusliche Leben, das mindestens acht Monate dauerte.

Die häufigsten Langzeitsymptome waren Geruchs- und Geschmacksverlust, Müdigkeit und Atemprobleme. Eine erhöhte Prävalenz kognitiver Symptome oder körperliche Störungen wie Muskel- und Gelenkschmerzen, Herzklopfen oder Langzeitfieber wurde laut Seniorautorin Dr. Charlotte Thålin dagegen nicht beobachtet.

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