| Annette Rößler |
| 15.09.2026 15:35 Uhr |
Inhalative Corticosteroide sind wichtig für die Asthmakontrolle und sollen deshalb auch in der Schwangerschaft weiter angewendet werden. / © Adobe Stock/dtatiana
Inhalative Corticosteroide (ICS) sind ein Grundpfeiler der Asthmatherapie, mit dem die chronische Entzündung der Atemwege kontrolliert und akute Verschlechterungen (Exazerbationen) verhindert werden sollen. Da die systemische Wirkung von ICS zu vernachlässigen ist, können sie auch in der Schwangerschaft angewendet werden. Die Global Initiative for Asthma empfiehlt dies sogar ausdrücklich.
Allerdings setzen viele Frauen mit Asthma ihr ICS ab, wenn sie schwanger werden (wollen), weil sie befürchten, dass die Medikation dem Kind schadet. Tatsächlich haben Untersuchungen jedoch gezeigt, dass das Gegenteil der Fall sein kann: In Studien war eine schlechtere Asthmakontrolle nach dem Absetzen von ICS mit negativen Folgen für Mutter und Kind verbunden, etwa Präeklampsie, Blutungen und Frühgeburten sowie Hypoxie oder Asphyxie beim Neugeborenen, niedrigem Geburtsgewicht und angeborenen Fehlbildungen. Andere Studien konnten dies jedoch nicht bestätigen, weshalb ein internationales Team von Forschenden um Bohyun Suh von der Sungkyunkwan University in Suwon, Südkorea, den Sachverhalt nun erneut untersuchte.
Für die landesweite, populationsbasierte Kohortenstudie identifizierten die Autoren Frauen mit Asthma, die in den Jahren 2009 bis 2023 in Südkorea entbunden hatten. Alle Teilnehmerinnen hatten im Zeitraum vor der Empfängnis ICS angewendet und wurden abhängig davon, ob sie die Anwendung im ersten Trimester fortsetzten oder nicht, in zwei Gruppen eingeteilt. Die Studie zeigte, dass eine »Cortisonangst« offenbar auch in Korea verbreitet ist: Knapp zwei Drittel der Asthmapatientinnen setzten das ICS ab (3997 von 6105).
Wie die Autoren im Fachjournal »JAMA Network« berichten, ergab sich kein Hinweis darauf, dass eine fortgesetzte Anwendung von ICS in der Frühschwangerschaft negative Folgen haben könnte. Weder beim Risiko für Schwangerschaftsdiabetes, Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht, angeborene Fehlbildungen noch für andere Komplikationen war ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen feststellbar. Umgekehrt zeigt die Studie allerdings auch, dass das Absetzen der ICS das Risiko für die genannten Folgen offenbar nicht signifikant erhöhte.
Aus Sicht der Autoren untermauern die Ergebnisse die Leitlinienempfehlung, eine Therapie mit ICS in der Schwangerschaft fortzusetzen. Es müsse stets das individuelle Risiko der Patientin ermittelt und eine gute Asthmakontrolle beibehalten werden.