Pharmazeutische Zeitung online
Heuschnupfen

Corticoid-Sprays richtig anwenden

Mit Beclometason, Fluticason und Mometason stehen in der Selbstmedikation der allergischen Rhinitis neben weiteren Arzneimitteln auch drei nasale Corticoide zur Verfügung. Was Patienten bei der Anwendung wissen sollten.
Maria Pues
19.03.2020  08:00 Uhr

Anders als bei vielen Patienten, die noch immer Vorbehalte gegenüber Arzneimitteln mit Cortisol haben, stehen nasale Corticoide bei Fachleuten hoch im Kurs, etwa in einem Update der US-amerikanischen Leitlinie zur Behandlung der allergischen Rhinitis aus dem Jahr 2017, in dem diese als Mittel der ersten Wahl genannt werden. In Deutschland ist ein entsprechendes Vorhaben angemeldet; die Leitlinie soll im kommenden Jahr erscheinen.

Bei einer allergischen Rhinitis handelt es sich um allergische Reaktionen vom Soforttyp (Typ 1). Dabei findet bei einem Erstkontakt mit einem Allergen zunächst meist unbemerkt eine Sensibilisierung statt, bei der der Organismus Antikörper gegen das Allergen bildet, die auf Mastzellen lokalisiert sind. Beim erneuten Kontakt reagieren Antigen und Antikörper. In der Folge setzen die Mastzellen große Mengen Histamin, aber auch andere Mediatoren frei, was zu den bekannten Symptomen führt: Jucken, Niesen, vermehrte Sekretproduktion, verstärkte Durchblutung, aber auch eine verstopfte Nase.

Zur Behandlung der Beschwerden stehen in der Selbstmedikation Mastzellstabilisatoren, topische und systemische H1-Antihistiaminika sowie ­nasale Corticoide zur Verfügung. Damit Letztere in der Selbstmedikation angewendet werden dürfen, muss zuvor die Diagnose der allergischen Rhinitis durch einen Arzt erfolgt sein. Bestehen nur leichte Beschwerden und steht eine rasche Symptomlinderung im Vordergrund, eignen sich H1-Antihistaminika durch ihren raschen Wirkungseintritt. Sie verhindern die Bindung des freigesetzten Histamins an dessen Rezeptor.

Corticoide besitzen darüber hinaus eine antientzündliche Wirkung. Voraussetzung ist, dass sie während der Pollensaison konsequent angewendet werden. Sie eignen sich auch bei stärkeren Beschwerden, etwa wenn Patienten berichten, dass sie durch Antihistaminika keine ausreichende Symptomlinderung erreichen konnten. Anders als diese besitzen nasalse Corticoide zudem eine zusätzliche abschwellende Wirkung. Sie stellen damit für Patienten, die durch geschwollene Nasenschleimhäute (auch) unter einer verstopften Nase leiden, eine sinnvolle und nebenwirkungsarme Alternative zu abschwellenden Nasentropfen dar. Patienten müssen jedoch wissen, dass die volle Symptom-lindernde Wirkung nasaler Corticoide mit einer Verzögerung von – je nach Wirkstoff – meist zwei bis vier Tagen eintritt. Sind eine entzündungshemmende, abschwellende und gleichzeitig eine rasche Wirkung gewünscht, können nasale Corticoide auch mit einem lokalen H1-Antihistaminikum kombiniert werden.

Vor Gebrauch schütteln

Nicht zuletzt sollten Patienten mit der korrekten Anwendung nasaler Corticoide vertraut gemacht werden. So handelt es sich bei diesen stets um Suspensionen, die vor Gebrauch aufgeschüttelt werden müssen, damit sich der Wirkstoff gleichmäßig in der Lösung verteilt. Vor der ersten Anwendung muss das Spray zudem mehrmals in die Luft ausgelöst werden, bis ein Sprühnebel sichtbar wird.

Vor jeder Anwendung sollten sich die Patienten zunächst die Nase putzen und anschließend das Nasenspray gut schütteln. Nach dem Entfernen der Schutzkappe führt man die Spitze der Sprühvorrichtung in ein Nasenloch ein und hält das andere mit einem Finger zu. Dann atmet man durch das freie Nasenloch langsam ein und löst einen Sprühstoß aus. Dabei sollte dieser nicht in Richtung der Nasenscheidewand, sondern in Richtung der Nasenmuschel gerichtet werden. Anschließend atmet man durch den Mund aus.

Bei der Anwendung nasaler Corticoide kann es unter anderem zu Reizungen der Nasenschleimhäute oder Nasenbluten kommen. Diese Nebenwirkungen lassen sich durch befeuchtende Nasensalben oder -sprays lindern. Eine sinnvolle Ergänzung stellen auch Nasenspülungen dar. Sie wirken befeuchtend und spülen außerdem Pollen und andere Partikel aus der Nase.

Viele Patienten haben zudem Angst vor systemischen Cortisol-Nebenwirkungen. Diese sind nicht zu befürchten, wenn die Dosierungsempfehlungen nicht überschritten werden. Auch bei einer regelmäßigen Anwendung, die erforderlich ist, um eine ausreichende Symptomlinderung und eine Entzündungshemmung zu erreichen, besteht diese Gefahr nicht.

Mehr von Avoxa