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Improvisierte Versorgung

Container-Apotheke sorgt für »ein Stück Normalität«

Seit die Flutkatastrophe im vergangenen Juli viele Gebiete in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen verwüstet hat, ist man vielerorts mit dem Wiederaufbau beschäftigt. Die Burg-Apotheke in Altenahr etwa wurde komplett zerstört. Dennoch ist sie unter besonderen Umständen wieder im Einsatz.
Cornelia Dölger
30.09.2021  16:30 Uhr

In Altenahr in Rheinland-Pfalz ist man an Hochwasser gewöhnt. Nicht aber an die Massen, die Tief »Bernd« Mitte Juli mit sich brachte. Seitdem gleicht Altenahr in Teilen einer Geisterstadt, weil die verheerende Flutkatastrophe dort – wie in weiteren Teilen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen – wütete und vieles zerstörte, so auch die Burg-Apotheke von Inge Göttling. Inzwischen arbeitet die Apotheke aber wieder – wegen der Notsituation derzeit in einem Container. »Damit geben wir den Menschen ein Stück Normalität zurück«, sagt Apothekerin Göttling im Gespräch mit der PZ.

Eigentlich, erzählt Göttling, liege die Burg-Apotheke, die sie seit 2009 betreibt, unmittelbar am Flüsschen Ahr. Es sei so idyllisch, dass sie und ihr Apothekenteam regelmäßig ihre Mittagspausen am Ufer verbracht hätten. Die Flut, die Mitte Juli über die Region hereinbrach und enormes Leid für die Betroffenen brachte, machte dieser Tradition vorerst ein Ende, wie wohl generell dem normalen Leben in Altenahr. »Das Haus stand bis zum ersten Stock unter Wasser, die Apotheke und die nebenliegende Arztpraxis waren vollständig zerstört«, erinnert sich Göttling an den ersten Anblick, nachdem das Wasser sich zurückgezogen hatte. Verkaufsraum samt Inventar, Rezeptur, Labor, Technik, Kassen, Fenster, Türen, all das war plötzlich Geschichte. Auch die Arztpraxis lag vollständig in Trümmern.

»Aber die Menschen brauchten schnell wieder eine Möglichkeit, an ihre notwendigen Medikamente zu kommen«, sagt Göttling. Also wurde telefoniert, verabredet, improvisiert und zwei Tage nach der Flut gab es eine eilig eingerichtete Abgabestelle für Arzneimittel im Pfarrhaus der Gemeinde, allerdings mit sehr eingeschränktem Sortiment. »Wir haben an Biertischen in einem winzigen Raum gearbeitet«, so Göttling. Die Tische hatte der Getränkehändler im Ort zur Verfügung gestellt. Das Problem: Es gab kein Telefon und kein Internet. »So konnten wir einfach viele Menschen nicht erreichen«, sagt Göttling. Zudem war es auch hier so, dass im Chaos nach der Flut Rezepte oft improvisiert ausgestellt wurden – wie diese abgerechnet werden sollen, wissen viele Apotheker bis heute nicht. »Ich habe hier etwa 140 Rezepte, die vom Rechenzentrum als nicht abrechenbar zurückkamen«, sagt Göttling. Über die Problematik hatte die PZ bereits berichtet.

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