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Häusliche Gewalt 

Codewort »Maske 19« greift bald auch in deutschen Apotheken 

Die Coronavirus-Pandemie gilt als Katalysator für häusliche Gewalt. In Nordrhein-Westfalen sollen Betroffene künftig  in Apotheken mithilfe eines Codeworts unauffällig um Hilfe bitten können. Damit folgt das Bundesland dem Vorbild eines Projekts, das bereits erfolgreich in mehreren EU-Staaten läuft.
Stephanie Schersch
05.08.2020  14:30 Uhr

Nicht immer sind die Probleme der Coronavirus-Pandemie von außen deutlich zu erkennen. Nach Lockdown und Kontaktbeschränkungen konzentriert sich das Leben hierzulande auch weiterhin deutlich stärker als sonst auf das häusliche Umfeld. Gerade in kleinen Wohnungen führt das immer wieder zu Konflikten bis hin zur Gewalteskalation. Erschwerend kann es zu gefährlichen Wechselwirkungen mit finanziellen Problemen kommen, die zurzeit viele Familien treffen.

Von häuslicher Gewalt sind meist, aber nicht ausschließlich, Frauen und Mädchen betroffen. Um ihnen in Zukunft besser helfen zu können, möchte die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen nun unter anderem verstärkt auf die Apotheker setzen. So sollen Betroffene, die in der Apotheke das Codewort »Maske 19« nennen, schnelle Hilfe erhalten. Hintergrund ist ein Antrag der Regierungsfraktionen, den der Landtag in Düsseldorf Ende Juni verabschiedet hat. Die Regierung erhielt damit den Auftrag, eine Kampagne zu starten, die sich an entsprechenden Modellprojekten im Ausland orientiert. In Spanien, Griechenland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden wird das Codewort bereits zum Teil seit Beginn der Pandemie im Frühjahr genutzt. Dort können Apotheker die Polizei verständigen, in Belgien dürfen sie bei Nennung des Codeworts sogar die Daten der betroffenen Kundin direkt an die Behörden weitergeben.

NRW will Vorreiter sein

In NRW soll die Regierung nun eine rechtssichere Handlungsempfehlung in mehreren Sprachen erarbeiten und diese Apotheken, aber auch anderen Anlaufstellen wie Ärzten und Friseuren zur Verfügung stellen. Als Vorbild soll dabei auch ein anderes Projekt dienen, das bereits seit Jahren erfolgreich läuft. So können Frauen mit den Satz »Ist Luisa hier?« seit 2016 Angestellte in Clubs oder Kneipen darauf aufmerksam machen, dass sie Hilfe brauchen. Gestartet war das Projekt im nordrhein-westfälischen Münster, inzwischen sollen Einrichtungen deutschlandweit in rund 40 Kommunen teilnehmen.

Auch mit der nun geplanten Kampagne in Apotheken will NRW Vorreiter in Deutschland werden, wie die frauenpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Heike Troles, Ende Juni erklärte. »Bei häuslicher Gewalt handelt es sich nicht um eine Kleinigkeit oder einen Ausrutscher, sie ist eine Menschenrechtsverletzung.« Nach Angaben der CDU-Fraktion haben sich die Zahlen häuslicher Gewalt in den vergangenen Monaten in NRW zwar nicht deutlich erhöht. Das allerdings könnte gerade auf die eingeschränkte Öffentlichkeit im Zuge der Kontaktbeschränkungen zurückzuführen sein, die es Frauen deutlich erschwert, sich Unterstützung zu suchen. In jedem Fall sei es wichtig, weitere Präventionsmaßnahmen zu schaffen, sagte Troles. »Gerade in der Sondersituation der Corona-Krise, aber auch darüber hinaus, müssen wir Betroffenen die Möglichkeit geben, Hilfsprogramme so niedrigschwellig wie möglich in Anspruch nehmen zu können.«

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