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Neue Therapieoptionen

Cholesterin-Stoffwechsel als Target bei Hepatitis-E

Aktuellen Studienergebnissen zufolge beeinflussen intrazelluläre Cholesterol-Spiegel die Viruslast und somit den Krankheitsverlauf bei einer Hepatitis-E-Infektion. Statine könnten einen negativen, Fibrate einen positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf haben.
Carolin Lang
19.02.2021  11:00 Uhr

Eine Forschungskooperation unter Leitung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) geht davon aus, dass es bei einer Hepatitis-E-Virus-Infektion ein Wechselspiel mit dem Cholesterin-Stoffwechsel gibt: Niedrige intrazelluläre Cholesterol-Spiegel begünstigen demnach die Virus-Freisetzung, während hohe Spiegel den Abbau der Viren begünstigen. Diese Erkenntnis könnte den Weg für neue Therapieoptionen ebnen, aber auch mögliche Kontraindikationen offenbaren, so die Autoren. Die Forschungsergebnisse wurden kürzlich im Fachjournal »Cellular and Molecular Gastroenterology and Hepatology« publiziert (DOI: 10.1016/j.jcmgh.2021.02.002).

Zunächst stellt sich die Frage, wie der Cholesterin-Stoffwechsel mit einer Hepatitis-E-Infektion zusammenhängt. Durch das endosomale System: Das Hepatitis-E-Virus (HEV) nutzt es für die Freisetzung aus infizierten Zellen. Die endosomalen Strukturen sind dabei in hohem Maße von Cholesterol abhängig. Was bedeutet der Zusammenhang für Patienten? Der Publikation zufolge weisen HEV-infizierte Zellen verminderte Cholesterol-Werte auf, in Patienten senkt eine chronische HEV-Infektion die Serum-Lipid-Konzentrationen. Für die Pharmakotherapie interessant ist dabei: In vitro führt Simvastatin durch Reduktion des intrazellulären Cholesterols zu einer vermehrten Freisetzung von Hepatitis-E-Viren. Ebenso erhöht eine Simvastatin-Einnahme bei chronisch Infizierten die Virusspiegel. »Die Patientendaten sprechen für eine Kontraindikation von Statinen im Rahmen einer HEV-Infektion«, schlussfolgern die Autoren.

Eine Erhöhung des intrazellulären Cholesterols über LDL oder 25-Hydroxycholesterol würde hingegen die virale Freisetzung aufgrund eines verstärkten lysosomalen Abbaus von HEV reduzieren, so die Autoren. Eine reduzierte Virusfreisetzung ließe sich auch durch die Erhöhung des intrazellulären Cholesterols über Arzneistoffe erreichen. Besonders Fenofibrat halten die Autoren in dieser Hinsicht für vielversprechend.

»Unsere Untersuchungen zeigen die Bedeutung der Wechselwirkung zwischen Cholesterin und dem Hepatitis-E-Virus für die Viruslast und den Krankheitsverlauf. Möglicherweise können die Erkenntnisse aus dieser Forschungsarbeit genutzt werden, um neue Therapieoptionen klinisch zu prüfen, insbesondere im Hinblick auf die Verwendung von Lipidsenkern. Gerade Fibrate könnten hier eine günstige und effiziente Alternative zu derzeitigen Behandlungsoptionen darstellen«, erläutert Professor Dr. Eberhard Hildt, unter dessen Leitung die Studie stand, die Ergebnisse in einer Pressmitteilung des PEI. Derzeitige Therapieoptionen bei chronischer HEV-Infektion sind das Virostatikum Ribavirin oder pegyliertes Interferon alpha. Beide Behandlungsoptionen können zu schweren Nebenwirkungen führen.

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