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Covid-19

Chinesischer Vektorimpfstoff punktet in Phase II

Nicht nur aus Großbritannien, auch aus China kommen gute Nachrichten aus der Impfstoffentwicklung gegen Covid-19: Eine rekombinante Vakzine, basierend auf einem Adenovirus als Vektor, induzierte bei Probanden eine Immunantwort bei guter Verträglichkeit.
Daniela Hüttemann
21.07.2020  15:22 Uhr
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Der Impfstoff basiert auf einem abgeschwächten humanen Erkältungsvirus, einem sogenannten Adenovirus-Typ-5-Vektor (Ad5), der sich im Körper des Geimpften nicht vermehren kann, aber die Zellen dazu bringt, die eingebaute Erbinformation für das Spike-Protein des neuen Coronavirus dem Immunsystem zu präsentieren. Entwickelt haben den Impfstoff das Beijing Institute of Biotechnology und das chinesische Pharmaunternehmen CanSino Biological. Gemeinsam testeten sie ihren Kandidaten mit dem Kürzel Ad5-nCov in einer Phase-II-Studie mit mehr als 500 Teilnehmern in Wuhan. Die Ergebnisse wurden am Montagnachmittag parallel mit denen einer Phase-I/II-Studie zum ebenfalls vektorbasierten Corona-Impfstoff ChAdOx1 nCov-19 der Universität Oxford und Astra-Zenecas im Fachmagazin »The Lancet« veröffentlicht. Die vielversprechenden Phase-I-Ergebnisse zu Ad5-nCov waren bereits Ende Mai ebenfalls in »The Lancet« publiziert worden.

Die neuen Daten bestätigen nun die Sicherheit und Immunogenität. Dieses Mal nahmen mehr Probanden an der randomisierten Studie teil, darunter auch eine Subgruppe mit Menschen über 55 Jahre (13 Prozent der 508 Teilnehmer). Untersucht wurden die Verträglichkeit sowie die Antikörper- und T-Zell-Antwort des Immunsystems.  253 Probanden erhielten eine hohe Dosis der Vakzine, 129 eine niedrige und 126 eine Placebo-Impfung. Kurz vor der Impfung sowie nach 14 und nach 28 Tagen wurde den Probanden Blut abgenommen.

95 Prozent der Hochdosis- und 91 Prozent der Niedrigdosis-Gruppe zeigten vier Wochen nach der Impfung eine Antikörper- und/oder T-Zell-Antwort, berichten die Forscher um Professor Dr. Feng-Cai Zhu. 59 beziehungsweise 47 Prozent wiesen neutralisierende Antikörper auf. Wie zu erwarten zeigte die Placebogruppe überhaupt keine Immunantwort auf SARS-CoV-2

Eine mögliche abgeschwächte Antwort könnte darauf beruhen, dass die Probanden bereits eine Infektion mit dem humanen Adenovirus-5 durchgemacht haben. Auch ein höheres Alter ließ die Immunantwort schwächer ausfallen. Ältere Menschen könnten daher eine zweite Dosis benötigen, vermutet Koautor Professor Dr. Wei Chen. Dies müsse aber noch genauer untersucht werden.

Die Nebenwirkungsrate war in den Verumgruppen höher als in der Placebogruppe (72 beziehungsweise 74 Prozent versus 37 Prozent). Die Symptome waren meist mild bis moderat und äußerten sich als Fieber, Abgeschlagenheit oder Schmerzen an der Einstichstelle. Bei 24 Probanden der Hochdosis-, zwei der Niedrigdosis sowie einem der Placebogruppe kam es zu Grad-3-Nebenwirkungen. Als häufigste schwere Nebenwirkung wird Fieber genannt.

Die Studie zeigt noch nicht, ob die ausgelöste Immunantwort tatsächlich vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 schützt. Das soll nun in Phase-III-Studien überprüft werden, kündigten die Forscher an.

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