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Leberkrebs

Checkpoint-Inhibitoren wirken nicht bei Fettleber

Erkenntnisse könnten auch für andere Krebsarten gelten

Erkenntnisse könnten auch für andere Krebsarten gelten

Die neuen Befunde widersprechen laut DKFZ einem Dogma der Immuntherapie, das besagt: Je mehr T-Zellen den Tumor bevölkern, desto höher ist die Erfolgsaussicht einer Immuntherapie. »Das gilt im Fall des Fettleber-getriebenen Leberkrebs nicht«, so Heikenwälder.

Dass diese Befunde nicht nur für fettleibige Mäuse relevant sind, zeigten die Forscher in einem weiteren Schritt. Dazu analysierten sie verschiedene Patientenkohorten mit entzündlicher Lebererkrankung im Vergleich zu gesunden Personen. In den erkrankten Lebern fanden die Forscher T-Zellen, die in ihrem molekularen Profil mit den schädlichen autoaggressiven T-Zellen der NASH-Mäuse übereinstimmten. »Das war für uns ein Hinweis darauf, dass Checkpoint-Inhibitoren bei Patienten möglicherweise nicht wirken können, deren Leberkrebs durch eine entzündliche Fettlebererkrankung bedingt ist«, sagt Heikenwälder.

Um diese Vermutung zu untermauern, wertete das Forscherteam mehrere klinische Studien mit rund 2000 Patienten zur Wirksamkeit von Checkpoint-Inhibitoren bei Leberkrebs aus. Bei den Patienten mit virusbedingten Tumoren verbesserten die Checkpoint-Inhibitoren wie erwartet das Krebsüberleben. Patienten dagegen, die an NASH-bedingtem Leberkrebs erkrankt waren, profitierten nicht von der Behandlung – im Gegenteil: Ihre Überlebenszeit blieb deutlich hinter der von identisch behandelten Patienten mit virusinduziertem Leberkrebs zurück.

»Mit der NASH-bedingten Entstehung von Leberkrebs haben wir erstmals einen Biomarker identifiziert, der Ärzten bei der Einschätzung helfen kann, ob ein Patient von einer Immuntherapie profitiert oder nicht«, sagt Heikenwälder und ergänzt eine weitere wichtige Schlussfolgerung aus den aktuellen Ergebnissen: Viele Tausend Patienten mit verschiedenen Krebserkrankungen würden jedes Jahr mit Checkpoint-Inhibitoren behandelt. Sehr viele darunter seien übergewichtig – was die Wahrscheinlichkeit erhöhe, dass eine entzündliche Fettlebererkrankung vorliegt. Bei diesen Patienten könnte das Risiko bestehen, dass die Immuntherapie die autoaggressiven T-Zellen in der Leber zusätzlich aktiviert.

Daraus lässt sich eine konkrete Empfehlung ableiten: »Das unterstreicht erneut, wie wichtig es ist, bei Krebspatienten unter Checkpoint-Inhibitoren die Leberfunktion genau im Auge zu behalten«, mahnt Heikenwälder.

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