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Wechselwirkungen

Cannabis interagiert mit Herzmedikamenten

In den USA konsumieren rund zwei Millionen Menschen mit Herzerkrankungen Cannabis. Forscher warnen jetzt vor Wechselwirkungen mit ihrer Medikation.
PZ/Aponet (zou)
22.01.2020
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In immer mehr Staaten darf Marihuana privat und für medizinische Zwecke verwendet werden. Kardiologen sehen darin aber ein Risiko für Patienten mit Herzerkrankungen: »Einige Beobachtungsstudien deuten auf einen Zusammenhang zwischen Marihuana und einer Reihe von Herz-Kreislauf-Risiken hin«, sagt Dr. Muthiah Vaduganathan vom Brigham and Women’s Hospital in Boston. »Auch wenn es bisher nur wenige Hinweise gibt, sind genügend Daten vorhanden, die dafür sprechen, dass besonders Patienten mit Herzinfarkt, Herz-Rhythmus-Störungen oder Herzinsuffizienz bei der Verwendung von Marihuana Vorsicht walten lassen sollten.«

Das liegt auch am Interaktionspotenzial, schreiben die Forscher um Vaduganathan im »Journal of the American College of Cardiology«: Bestimmte Herz-Kreislauf-Medikamente, Cholesterinsenker und Blutverdünner können sich in ihrer Wirkung durch den Konsum von Marihuana verändern. Zum Beispiel können Statine und manche Blutverdünner stärker wirken, wenn sie gleichzeitig mit Marihuana genommen werden. Laut einem Fallbericht musste die Warfarin-Dosis eines Patienten um 30 Prozent reduziert werden.

»Wir wissen, dass Marihuana die pharmakologischen Wirkungen der Arzneimittel verstärkt«, sagte Vaduganathan. Besonders beim »Dampfen« bestimmter synthetischer Formen von Cannabinoiden sei die Wirkung stärker als vermutet. Die Experten empfehlen Herzpatienten, die Marihuana weiterhin konsumieren möchten oder aus medizinischen Gründen nehmen, die Verwendung so weit wie möglich einzuschränken.

Momentan gibt es noch nicht viele Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Marihuana auf das Herz-Kreislauf-System, weil der Gebrauch lange Zeit illegal war, was die Möglichkeit der Forschung eingeschränkt hat. Vaduganathan meint: »Jetzt, wo wir feststellen, dass Marihuana ähnlich populär ist wie Tabakrauchen, benötigen wir hochwertige Studien, um die Auswirkungen von Marihuana auf die kardiovaskuläre Gesundheit zu untersuchen.«

Welche Enzyme sind betroffen?

Einen guten Überblick über pharmakokinetischen Wechselwirkungen zwischen Cannabis-Produkten und konventionellen Medikamenten gibt ein Review von drei US-Pharmazeuten von der University of Florida in Gainsville und der University of Arkansas for Medical Sciences in Little Rock, das im Herbst 2019 im Fachmagazin »Journal of Cllinical Psychopharmacology« erschienen ist. 

Demnach werden CYP2D6, CYP2C19, CYP2B6 und CYP2J2 zumindest in vitro von THC und CBD inhibierte. Das wichtige CYP3A4 und weitere Unterformen dieses Enzyms kann potenziell von CBD gehemmt werden. THC dagegen aktiviert CYP2C9 und induziert CYP1A1. CYP2C9, CYP1A1/2 und CYP1B1 werden wahrscheinlich von THC, CBD und Cannabinol inhibiert.

Neben diesen CYP-Enzymen beeinflussen Cannabis-Produkte auch die UDP-Glycosyltransferasen (UGT) sowie die Carboxylesterase 1 (CES1), die ebenfalls für die Verstoffwechslung vieler Medikamente eine Rolle spielen.

Die Autoren Yuli Qian, Bill J. Gurley und John S. Markowitz weisen daraufhin, dass vor allem bei Medikamenten, die Substrate von  CYP2C19, CYP2C9 und CYP1A2 sind, ein Risiko für Interaktionen mit Cannabis-Produkten besteht. Auch das Rauchen an sich beeinflusst die CYP-Enzyme.

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