Doctor Box kooperiert mit dem französischen Hersteller Tessan bei Apothekenkabinen für die assistierte Telemedizin. / © Tessan
Apotheken können für assistierte Telemedizin (aTM) künftig einen Pauschalbetrag von 30 Euro abrechnen. Die Vergütung ist über die ersten drei Jahre degressiv, um eine schnelle Umsetzung der Leistung zu fördern. Im Gegensatz dazu steigt die Vergütung für die Arbeitsleistung über die Jahre an.
Im Kern geht es um die assistierte Inanspruchnahme einer Videosprechstunde in Apotheken oder ein strukturiertes Ersteinschätzungsverfahren gemäß Bundesmantelvertrag-Ärzte (BMV-Ä) zur Feststellung der Eignung für die Videosprechstunde. Für die Abrechnung werden drei neue Sonderkennzeichen eingeführt. Schon im Juli soll es losgehen.
Das ruft telemedizinische Anbieter auf den Plan. Das Berliner Unternehmen Doctor Box will zusammen mit der französischen Firma Tessan professionelle Telemedizin-Kabinen und Terminals in Apotheken installieren. Die Hardware- und Plattformlösung von Tessan ist in Frankreich schon im Einsatz.
Die Kabine wird von den Partnern als »schlüsselfertige Komplettlösung« bezeichnet, die mehr als eine Videosprechstunde bietet. Bis zu sieben zertifizierte Medizingeräte sind demnach vernetzt: digitales Stethoskop, Otoskop, Dermatoskop, Pulsoximeter, automatisches Blutdruckmessgerät, Infrarot-Thermometer und je nach Modell ein 1-Kanal-EKG.
Die Geräte kann der behandelnde Arzt selbst aus der Ferne aktivieren und während der Videosprechstunde auslesen. Die Anbindung an die deutsche Telematikinfrastruktur (TI) erfolgt laut Anbieter über zertifizierte Health-Terminals.
Kostenpunkt für die Apotheke: Die Einstiegskonfiguration der Kabine liegt bei rund 17.000 Euro, hinzu kommt eine monatliche Pauschale von 120 Euro für Service und Wartung. Die Box gibt es in zwei Größen – je nach Raumkapazität der Apotheke. Für Apotheken mit besonders begrenztem Raum gibt es einen »Kiosk« als Standgerät, der dann in einem geschützten Beratungsraum aufgestellt wird. Lieferung und Aufbau können innerhalb von ein bis zwei Wochen nach Auftragsbestätigung erfolgen, verspricht der Anbieter, der auch die Schulung übernimmt.
Die Videosprechstunde selbst läuft über das Ärztenetz von Doctor Box, wobei die freie Arztwahl erhalten bleibe. Auf Nachfrage heißt es, dass lokale Ärzte priorisiert werden sollen, indem Praxen und MVZ aus dem direkten Umfeld weiter oben angezeigt werden. Die Entscheidung treffe aber der Patient. Voraussetzung für die Praxen ist allerdings eine kompatible Videosprechstunden-Software sowie eine Terminbuchungsfunktion. Beides muss kostenpflichtig über Doctor Box bezogen werden.
Künftig könnten noch Kosten für ein vorgeschaltetes Medizinprodukt zur Ersteinschätzung dazukommen, geplant sind CE-zertifizierte Symptomchecks. Allerdings wartet der Anbieter noch auf die finale regulatorische Klärung, heißt es von Doctor Box.