| Lukas Brockfeld |
| 08.07.2026 09:20 Uhr |
Stefan Göbel (5. von rechts) erklärte den Anwesenden die Chancen der assistierten Telemedizin. / © Stefan Göbel
Seit dem 1. Juli können Apotheken assistierte Telemedizin abrechnen. Am vergangenen Donnerstag lud Apotheker Stefan Göbel mehrere Politiker in seine »Brücken Apotheke« in Heringen (Hessen) ein, um ihnen das neue Angebot vorzustellen.
Stefan Göbel hatte schon im Mai eine Box des Anbieters »Medivise« in seiner Apotheke installiert. In der schalldichten Kabine können sich die Patientinnen und Patienten per Videotelefonie mit einem Arzt verbinden. Heringen liegt in einer ländlichen Region. Für viele Menschen ist es laut dem Apotheker schwierig, auf dem herkömmlichen Wege einen Arzt aufzusuchen.
»Die Menschen hier werden immer älter und die Ärzteschaft altert mit. Inzwischen stellt sich die Frage, wer in Zukunft überhaupt noch die Patienten versorgt. In den kommenden Jahren wird sich das Problem noch verschärfen«, so der Approbierte im Gespräch mit der PZ. Auch der ÖPNV funktioniere in Heringen nicht. Kranke Menschen stünden damit oft vor der Wahl, ihre Symptome zu ertragen oder den Notruf zu wählen.
Die Telemedizin-Box erlaube es den Patienten dagegen, einen Arzt zu kontaktieren und dabei Unterstützung vom Personal der Apotheke zu erhalten. Das sei gerade für ältere Menschen, die sich mit digitalen Anwendungen schwertun, ein Vorteil.
Seit einer Woche kommt die Box in der »Brücken Apotheke« zum Einsatz. Neben den gesetzlichen Vorgaben bremsten weitere Hürden den Einsatz aus. »Das Personal musste den Umgang erst erlernen und sich in die neuen Möglichkeiten eindenken. Außerdem standen wir vor vielen kleinen Fragen: Wie reinigen wir die Box? Wollen wir Werbung machen und dürfen wir das überhaupt? Wie können wir die Box an die TI anschließen? Das war Pionierarbeit«, berichtet Stefan Göbel.
Stefan Göbel vor seiner Telemedizin-Box. / © Stefan Göbel
Auch als die Box in der vergangenen Woche erstmals genutzt wurde, lief noch nicht alles perfekt. So mussten die Krankenkassendaten der Patienten noch manuell eingegeben werden. »Ein Patient hat mich gebeten, dass ich mit ihm in die Box komme und ihn unterstütze. Die Beratung mit der Ärztin am anderen Ende der Leitung lief dann sehr unkompliziert und wir konnten den Mann gut versorgen«, erzählt Stefan Göbel.