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Kreatin

Bodybuilding für T-Zellen

Nicht nur Muskelzellen, auch zytotoxische T-Zellen nutzen Kreatin. Die Immunzellen verwenden die von Kreatinphosphat bereitgestellte Energie, um möglichst effizient Tumore zu bekämpfen. Das haben US-Forscher herausgefunden.
Theo Dingermann
24.10.2019  17:00 Uhr
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Kreatin ist ein bei Sportlern und Bodybuildern beliebtes Nahrungsergänzungsmittel, da gut etabliert ist, dass es zu einem schnelleren Muskelaufbau und zur Steigerung der Maximalkraft führen kann. Zwar ist eine ausreichende Versorgung mit Kreatin bei einer ausgewogenen Ernährung und durch die endogene Biosynthese sichergestellt. Tatsächlich zögert jedoch eine Kreatinanreicherung im Muskel bei Kurzzeit- und intensiven Belastungen die Ermüdung hinaus.

Über die Wirkung von Kreatin auf zytotoxische T-Zellen berichten Wissenschaftler der University of California in Los Angeles aktuell im »Journal of Experimental Medicine«. Sie machten ihre Beobachtung an Mäusen, deren zytotoxische-T-Zellen kein funktionelles Kreatin-Transporter-Gen (SLC6A8) enthielten. Dadurch können die T-Zellen kein Kreatin aufnehmen, was ihre Fähigkeit, Tumoren zu bekämpfen, stark einschränkte. Umgekehrt beobachteten die Wissenschaftler, dass durch eine Keratin-Substitution in der Größenordnung, wie sie zur Leistungssteigerung üblicherweise verwendet wird, die Fähigkeit der T-Zellen, Tumorwachstum zu unterdrücken, signifikant gestärkt wurde.

»Man kann resümieren,« so die Leiterin der Studie Lili Yan, »dass zytotoxische T-Zellen tatsächlich Kreatin benötigen, um einen Tumor effektiv zu attackieren.«

Im nächsten Schritt kombinierten die Wissenschaftler im Tierexperiment eine Krebs-Immuntherapie mit PD-1- / PD-L1-Checkpointinhibitoren mit einer Kreatin-Supplementierung. Tatsächlich beobachteten sie dabei einen synergistischen Effekt, den sie auf eine Stärkung der CD8-T-Zell-Funktion zurückführten. Vier von fünf Mäusen mit Dickdarmtumoren zeigten eine komplette Remission und blieben zunächst über drei Monate tumorfrei. Eine Reexposition mit den Tumorzellen führte zudem zu keinem neuen Tumor.

Natürlich ist es noch viel zu früh, um die Bedeutung dieser tierexperimentellen Beobachtungen für die Anwendung am Menschen beurteilen zu können. Ausdrücklich warnen die Forscher davor, voreilig analoge Schlüsse zu ziehen, zumal nicht geklärt ist, ob eine Kreatin-Substitution bei einem tumortherapeutischen Setting relevante Nebenwirkungen haben könnte.

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