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Arzneimittelversorgung

BMG appelliert an Ärzte und Apotheker

Um im Zuge der Corona-Pandemie etwaigen Versorgungsengpässen bei Arzneimitteln vorzubeugen, fordert das Bundesgesundheitsministerium (BMG) Ärzte und Apotheker auf, Medikamente bedarfsgerecht zu verordnen und abzugeben.
Ev Tebroke
17.03.2020  11:40 Uhr

In einem Schreiben an die Ärzteschaft, werden Mediziner angehalten, bei der Verordnung von Arzneimitteln rational vorzugehen. Hinsichtlich der Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie sei es von hoher Bedeutung, die Arzneimittelversorgung der Patienten sicherzustellen, heißt es in einem Brief von Staatssekretär Thomas Steffen an den Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. Parallel informiert Steffen die Apothekerschaft über das Schreiben und empfiehlt auch den Apotheken, im OTC-Bereich und bei apothekenüblichen Waren nur bedarfsgerechte Mengen abzugeben.

Um eine »kontinuierliche, ausreichende und wirtschaftliche Versorgung von Patienten, die zwingend auf Arzneimittel angewiesen sind, sicherzustellen«, bittet das BMG die Ärzte, Folgendes zu berücksichtigen: So soll insbesondere bei chronisch kranken Patienten die Verordnung von Arzneimitteln wie gewohnt mit großen Packungsgrößen etwa N3 Packungen fortgesetzt werden, um Arztbesuche zu reduzieren und Ärzte zu entlasten. Damit Patienten dringend benötigte Arzneimittel zur Verfügung stehen, sollten Ärzte zudem auf die Ausstellung von Privatrezepten, soweit sie aus ärztlicher Sicht nicht erforderlich sind, verzichten.

Vergleichbare Anforderungen ergäben sich auch für die Apotheken bei der Abgabe von nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln und apothekenüblichen Waren, informiert Steffen in einem Schreiben an ABDA-Präsident Friedemann Schmidt. Durch die Abgabe von bedarfsgerechten Mengen könne auch bei diesen Produkten Versorgungsengpässen entgegengewirkt werden, so das BMG. Die ABDA ist angehalten, die entsprechenden Informationen schnell an die Mitgliedsorganisationen weiterzuleiten.

Dass derzeit anscheinend große Mengen von bereits am Markt befindlichen Arzneimitteln von einzelnen Akteuren im Gesundheitswesen gehortet werden, belegen entsprechende Hinweise des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Demnach erhält die Bundesbehörde nach eigenen Angaben Informationen zu überdurchschnittlich hohem Abfluss an vermarkteten Arzneimittel. »Diese Anzeichen deuten auf eine nicht bedarfsgerechte Bevorratungsstrategie einzelner Akteure hin, die sich in der Folge auf die Patientenversorgung einschränkend auswirken kann und lokal zu Lieferengpässen führen könnte«, warnt das Institut auf seiner Infoseite zum Thema Corona . Und appelliert an alle Akteure, Arzneimittel nicht über den normalen Bedarf hinaus zu beliefern oder zu bevorraten.

Mögliche Auswirkungen auf die Arzneimittelversorgung in Deutschland aufgrund des Coronavirus seien einer hohen Dynamik unterworfen. Das BfArM werde die Situation weiterhin intensiv beobachten und prüfen. Eventuelle neue Erkenntnisse werden auf der Webseite publiziert.

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