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Antihypertonika

Blutdruck senken, Gedächtnis steigern

Bluthochdruck gilt als Risikofaktor für das Nachlassen kognitiver Fähigkeiten bei Älteren. Antihypertensiva sollen das Gedächtnis positiv beeinflussen können. Spielt die Liquor-Gängigkeit der Medikamente hier eine Rolle?
Carolin Lang
13.07.2021  13:20 Uhr

Dieser Frage widmete sich die Arbeitsgruppe um Erstautorin Dr. Jean K. Ho von der University of California, Irvine. Dass Antihypertensiva sich positiv auf kognitive Fähigkeiten einschließlich des Gedächtnisses auswirken können, zeigte sich bereits in früheren Studien. Jedoch sei die Studienlage uneinheitlich, wenn es darum gehe, welche Medikamente den größten Nutzen für die Kognition haben, sagte der Studienleiter Dr. Daniel A. Nation der University of California, Irvine.

In der vorliegenden Metaanalyse wollte die Arbeitsgruppe einen potenziellen kognitiven Nutzen von die Blut-Hirn-Schranke überwindenden Antihypertonika, die in das Renin-Angiotensin-System (RAS) eingreifen, im Vergleich zu ihren nicht-penetrierenden Gegenstücken bewerten. Dazu analysierten die Forschenden insgesamt 14 Studien aus sechs Ländern mit knapp 12.900 Probanden und Probandinnen ab einem Alter von 50 Jahren. Sie untersuchten die Auswirkungen verschiedener Antihypertonika auf kognitive Bereiche, darunter Aufmerksamkeit, Sprache, verbales Gedächtnis, Lernen und Erinnerungsvermögen. Die Ergebnisse der Metaanalyse sind kürzlich im Fachjournal »Hypertension« der American Heart Association erschienen.

Den Ergebnissen zufolge zeigten die Probanden und Probandinnen, die gehirngängige Antihypertonika einnahmen, über einen Beobachtungszeitraum von bis zu drei Jahren eine bessere Gedächtnisleistung im Vergleich zu denjenigen, die Antihypertonika einnahmen, die die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden. Bei Erwachsenen, die Antihypertonika einnahmen, die die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren können, berichtet die Arbeitsgruppe hingegen von einer höheren Aufmerksamkeit.

»Diese Ergebnisse stellen den bisher stärksten Beweis dar, dass die Einnahme von ACE-Hemmern und Angiotensin-Rezeptor-Blockern, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden, in einem Zusammenhang mit einem besseren Gedächtnis stehen. Sie legen nahe, dass Menschen, deren Bluthochdruck behandelt wird, vor dem Nachlassen kognitiver Fähigkeiten geschützt werden können, wenn sie Medikamente einnehmen, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden«, sagte Ho.

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