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Selbstmedikation
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Blasenentzündung vorbeugen und behandeln

Rund 60 Prozent der Frauen leiden mindestens einmal in ihrem Leben an einem Harnwegsinfekt. Verschiedene Maßnahmen können die Erkrankungswahrscheinlichkeit senken. Zur Vorbeugung und Behandlung hat auch die Selbstmedikation einiges zu bieten.
AutorKontaktMaria Pues
Datum 19.03.2026  18:00 Uhr

Viele Menschen wissen zu wenig über Harnwegsinfekte (Zystitis). Das ergab eine Umfrage der European Association of Urology (EAU) im vergangenen Jahr. Nur rund ein Fünftel der Befragten konnte die drei wichtigsten Strategien benennen, mit denen sich Harnwegsinfekten vorbeugen lässt. Jeder sechste Teilnehmer kannte keine einzige. Frauen schnitten bei der Befragung wesentlich besser ab als Männer. An der von GSK unterstützten Umfrage nahmen mehr als 3000 Personen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien teil.

Einige Ergebnisse in Zahlen: Dass Frauen ein höheres Risiko für eine Blasenentzündung haben, wussten rund 63 Prozent der Frauen, jedoch nur rund 38 Prozent der Männer. Rund 20 Prozent der Männer glaubten sogar, dass Männer häufiger betroffen seien. Auch bei den Begrifflichkeiten zeigten sich viele Unklarheiten. Rund 35 Prozent konnten den Begriff Zystitis nicht einer Blasenentzündung zuordnen. Der Anteil war bei jüngeren Befragten mit 45 Prozent noch höher.

Weitere Ergebnisse waren:

  • 71 Prozent der Befragten wussten, dass viel Wassertrinken schützt.
  • 43 Prozent wussten von der Bedeutung der Hygiene.
  • 35 Prozent wussten, dass man nach dem Geschlechtsverkehr urinieren sollte.
  • 17 Prozent glaubten fälschlicherweise, dass man mit der Einnahme von Antibiotika ohne medizinischen Rat Blasenentzündungen vermeiden könnte.

Auch in Sachen Vorbeugung zeigten sich bei Jüngeren Wissenslücken. Dazu sagte Jane Meijlink, Vorsitzende der International Painful Bladder Foundation, laut einer Pressemitteilung: »Viele Teenager sind heutzutage sexuell aktiv, ohne die Risiken von Blasenentzündungen zu kennen. Junge Frauen sind aufgrund ihrer Anatomie besonders gefährdet, doch allzu oft glauben sie, die Pille schütze sie vor allen Risiken und Kondome seien überflüssig. Wir müssen dieses Problem dringend durch Aufklärung in Schulen und sozialen Medien angehen, sonst riskieren wir, dass eine neue Generation junger Frauen unter wiederholten Harnwegsinfektionen und sogar langfristigen Blasenschäden leidet.«

Schmerzen lindern

Ist es zu einer Harnwegsinfektion gekommen, stellt die Besserung der Beschwerden innerhalb weniger Tage das Haupttherapieziel dar. Zu den typischen Symptomen gehören Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen (Algurie), Schmerzen oberhalb des Schambeins, imperativer Harndrang und häufiger Harndrang mit geringen Urinmengen (Pollakisurie). Bei unkomplizierten Harnwegsinfekten können die verschiedenen Optionen der Selbstmedikation genutzt werden. Bei einem Verdacht auf ein Risiko für einen komplizierten Verlauf ist ein Arztbesuch anzuraten. Antibiotika sollen erst nach gründlicher Abwägung eingesetzt werden, etwa bei möglichem kompliziertem Verlauf.

Um die Schmerzen zu lindern, können nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen zum Einsatz kommen. Dabei kann Ibuprofen bis zu dreimal täglich eingenommen werden, wobei in der Selbstmedikation eine Tageshöchstdosis von 1200 mg gilt. Sollten sich die Beschwerden nach vier Tagen nicht gebessert haben, ist ärztlicher Rat einzuholen.

Diverse Phytopharmaka

Bärentraubenblätter-Extrakte (etwa Cystinol akut® oder Arctuvan®) werden seit vielen Jahren bei Harnwegsinfekten eingesetzt. Sie sollten nicht länger als sieben Tage hintereinander und maximal fünfmal im Jahr angewendet werden. Anders als früher angenommen spielt der pH-Wert des Urins für die Wirkung keine Rolle. Das Prodrug Arbutin wird im Dünndarm resorbiert und in der Leber enzymatisch gespalten. Dabei entstehen Hydrochinon-Konjugate, deren Spaltung intrabakteriell und damit unabhängig vom Urin-pH erfolgt.

BNO 1045 (Canephron®) enthält eine Kombination aus Liebstöckelwurzel, Rosmarinblättern und Tausendgüldenkraut. Das traditionelle Arzneimittel ist zur unterstützenden und ergänzenden Behandlung von entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und zu deren Durchspülung zugelassen. Tritt nach drei Tagen keine Besserung ein, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Im Rahmen der Selbstmedikation sollte das Arzneimittel maximal zwei Wochen angewendet werden.

Außerdem können Präparate mit Mannose (etwa Femannose®), Cranberrys (Angocin Mannose plus®) oder Brennnesselblättern sowie eine Kombination aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel (Angocin®) die Beschwerden lindern. Neben der Behandlung von akuten Harnwegsinfekten (auch in Kombination mit einem Antibiotikum) können sie zu deren Vorbeugung angewendet werden. Zu vielen Aquaretika wie Birken- und Orthosiphonblätter sowie Goldrutenkraut und Hauhechelwurzel liegen bisher keine Studien zur Langzeitprävention vor. Sie werden häufig in Form von Kombinationspräparaten (etwa Aqualibra®) angeboten. Auch sie können ergänzend eingenommen werden.

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