Vibrionen sind gramnegative Stäbchenbakterien mit Geißeln, die einen gewissen Salzgehalt brauchen. Auch der Choleraerreger Vibrio cholerae gehört zu dieser Gattungsiebensieben-A-A / © Getty Images/Science Photo Library/Kateryna Kon
Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat in diesem Jahr bislang zwei Todesfälle nach in Deutschland erworbenen Vibrionen-Infektionen registriert. Insgesamt seien 17 Fälle erfasst worden, die die entsprechenden Kriterien erfüllten, teilte das RKI auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Bei den beiden Todesfällen handle es sich jeweils um »hochaltrige« Menschen.
Unter den 17 von Infektionen Betroffenen seien zehn Männer und sieben Frauen im Alter zwischen drei und 95 Jahren (das Medianalter liege bei 70). Angaben zu Vorerkrankungen und offenen Wunden lägen dem RKI nur lückenhaft vor und würden nicht ausgewertet.
Vibrionen sind natürlicherweise in Süß-, Brack- und Salzwasser vorkommende Bakterien. Mit sommerlicher Hitze steigt das Risiko für Vibrionen-Infektionen an Nord- und Ostsee. Bei Wassertemperaturen über 20 Grad können sich nach Angaben des RKI Vibrionen in Oberflächengewässern stark vermehren.
In diesem Jahr sei eine vergleichsweise frühe Saison hierzulande erworbener Vibrionen-Infektionen zu beobachten, teilte das RKI mit. Bis zum 12. Juli dieses Jahres hat das Institut nach eigenen Angaben bereits 14 Fälle gezählt – in den drei Vorjahren seien es zu diesem Zeitpunkt deutlich weniger gewesen (2023: ein Fall, 2024: neun Fälle und 2025: vier Fälle). Todesfälle habe es in den drei Vorjahren insgesamt jeweils ein bis zwei gegeben. Insgesamt kommen Infektionen mit Vibrionen selten vor. Nach Angaben des RKI wurden etwa im Jahr 2024 insgesamt 95 Fälle gemeldet, wovon sich 42 offenbar in Deutschland infiziert haben.
Zuvor war bekannt geworden, dass die Berliner Gesundheitsämter einen Todesfall nach einer Vibrionen-Infektion registriert hatten; die Person hielt sich nach Angaben der Behörden vor Symptombeginn in Mecklenburg-Vorpommern an der Ostsee auf.
Bei offenen oder schlecht heilenden Wunden sollte man ab einer Wassertemperatur von 20 Grad besser nicht im Meer baden. Dazu rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Das gilt insbesondere für Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Lebererkrankungen, Krebs oder schweren Herzerkrankungen und/oder einem geschwächten Immunsystem. Diese Personen sind besonders gefährdet für schwer verlaufende Vibrionen-Infektionen. Für gesunde Menschen ist das Risiko einer Vibrionen-Infektion in aller Regel gering, heißt es von der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin (DFR).
Bei Salzgehalten von 0,5 bis 2,5 Prozent und bei Temperaturen von mehr als 20 Grad vermehren sich Vibrionen stark. Solche guten Bedingungen finden Vibrionen jetzt im Sommer auch an Teilen der deutschen Nord- und Ostseeküste vor, so das RKI. Vor allem der niedrige Salzgehalt der Ostsee kommt den Bakterien entgegen.
Über offene Wunden können Vibrionen in den Körper gelangen und eine Infektion auslösen. Sie kann sich dem RKI zufolge schnell ausbreiten und zu einem Absterben von Gewebe führen. Rechtzeitig erkannt, lässt sich eine Vibrionen-Infektion – auch bei Risikopatientinnen und -patienten – mit Antibiotika in den Griff bekommen. Wird sie nicht oder erst zu spät behandelt, kann allerdings eine Amputation der betroffenen Gliedmaßen notwendig sein.
Warnzeichen für eine Vibrionen-Infektion ist ein Schmerz in einer Wunde, der so stark ist, dass er in keinem Verhältnis zu ihrer Größe steht. Zudem können auch Fieber und Schüttelfrost auf eine Infektion hindeuten. Wer diese Symptome bemerkt, sollte sie rasch ärztlich abklären lassen.
Eine Vibrionen-Infektion kann zudem eine Sepsis auslösen. Dabei gerät die körpereigene Immunabwehr außer Kontrolle und beginnt, die eigenen Organe anzugreifen. Unbehandelt endet das tödlich. Verwirrtheit, schnelle Atmung, Herzrasen und ein nie gekanntes Krankheitsgefühl sind laut dem Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) Sepsis-Warnzeichen. Tritt bei einer Infektion eines oder mehrere der Warnzeichen auf, ist das ein Fall für den Notruf 112.