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Brustkrebs-Medikament

BfArM informiert über Maßnahmen zu Tamoxifen-Engpass

Der Lieferengpass des Brustkrebs-Medikaments Tamoxifen spitzt sich zu. Generika sind derzeit kaum noch zu beschaffen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat nun mehrere Maßnahmen angekündigt – unter anderem werde das Bundesgesundheitsministerium schon bald einen offiziellen Versorgungsmangel feststellen, damit das Arzneimittel importiert werden kann.
Benjamin Rohrer
14.02.2022  13:00 Uhr

Die Liefersituation rund um den selektiven Estrogenrezeptor-Modulator Tamoxifen, der wichtiger Bestandteil vor allem der Therapie des Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinoms ist, wird immer schlechter. In der vergangenen Woche gaben einige wenige Firmen gegenüber der PZ noch an, in bestimmten Wirkstärken (10 Milligramm Tabletten) noch lieferfähig zu sein. Doch eine Nachfrage der PZ in mehreren Apotheken zeigt, dass auf dem »normalen« Großhandelsweg derzeit in der Regel keine Tamoxifen-haltigen Generika mehr zu beschaffen sind. Den Apotheken bleibt derzeit nur der Einzelimport, der teils langwierige und komplexe bürokratische Genehmigungsprozesse mit den Kassen nach sich zieht.

Doch das Thema ist nun auch bei den zuständigen Behörden und im Bundesgesundheitsministerium diskutiert worden. Das BfArM gab am Freitagnachmittag auf seiner Internetseite bekannt, dass mehrere Maßnahmen veranlasst wurden. Zunächst kündigte die Behörde an, dass das Bundesgesundheitsministerium „kurzfristig“ einen offiziellen Versorgungsmangel feststellen werde. Diese Möglichkeit ist im Arzneimittelgesetz vorgegeben und ermöglicht es, beispielsweise Importbeschränkungen für hierzulande nicht zugelassene Arzneimittel zeitweise aufzuheben.

Lieferfähigkeit Ende April erwartet

Die Hersteller haben dem BfArM versprochen zu ermitteln, welche Kontingente kurzfristig für den deutschen Markt beschafft werden können. Ärzte werden zudem angehalten, keine Rezepte mehr für die individuelle Bevorratung von Patienten auszustellen und vorzüglich kleinere Packungsgrößen zu verordnen. Für die Apotheken ist wichtig zu wissen, dass die Kassen dazu angehalten werden, den Apotheken auch kleinere Packungsgrößen und Wirkstärken zu erstatten. Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) solle die Apotheken nun informieren und unterstützen.

Die Hersteller haben außerdem zugesagt zu prüfen, wann eine vorgezogene Produktion in Deutschland wieder stattfinden kann. Immerhin: »Nach derzeitiger Prognose könnten die nachproduzierten Arzneimittel bereits Ende April 2022 zur Verfügung stehen«, heißt es beim BfArM. Die Behörde verweist zudem darauf, dass die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AMWF) aktuelle Therapieempfehlungen zu Tamoxifen veröffentlicht und auch auf der Homepage des BfArM publiziert.

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