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Pilotstudie

Bevacizumab als mögliche Covid-19-Therapie

Während der ersten Corona-Welle erhielten 26 schwer erkrankte Patienten in China den Angiogenese-Hemmer Bevacizumab zusätzlich zur Standardtherapie. Die Ergebnisse sind vielversprechend, müssen aber noch in größeren Studien bestätigt werden.
Daniela Hüttemann
16.02.2021  11:00 Uhr

Bevacizumab (Avastin® und Generika) ist vor allem aus der Krebstherapie bekannt. Der monoklonale Antikörper hemmt den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF) und damit die Neubildung von Blutgefäßen. Das soll Tumorwachstum und Metastasenbildung verhindern. VEGF wird unter anderem bei Sauerstoffmangel überexprimiert, zudem werden die Lungengefäße durchlässiger bei Coronavirus-infiziertem Lungengewebe, schrieb vor Kurzem ein chinesisch-italienisches Autorenteam im Fachjournal »Nature Communication« – mit Ödemen und Hypoxie  in der Folge. Zudem trägt VEGF zur Inflammation bei.

Auf dieser Rationale (und in Ermangelung anderer verfügbarer Therapien) gaben Ärzte in Italien und China im Februar und April 2019, also zu Beginn der Pandemie, 26 schwer kranken Covid-19-Patienten eine Einzeldosis 500 mg Bevacizumab zusätzlich zur bestmöglichen supportiven Therapie und machten nach 28 Tagen eine Bestandsaufnahme. 92 Prozent der Teilnehmer zeigte eine Verbesserung bei der Sauerstoffsättigung. 65 Prozent konnten aus den Kliniken entlassen werden. Keiner starb. Die Läsionen im CT oder Röntgenbild gingen zurück. Bei den 14 Patienten mit Fieber normalisierte sich die Temperatur bei 13 innerhalb von 72 Stunden nach der Bevacizumab-Infusion. Verglichen mit anderen Covid-19-Patienten ohne Bevacizumab-Therapie seien die Probanden kürzer auf eine externe Sauerstoffzufuhr angewiesen gewesen.

Trotz der begrenzten Aussagekraft der vergleichsweise kleinen und nicht randomisierten Studie ohne Placebo-Kontrolle kommen die Autoren um Yuguo Chen und Yiha Cao vom Qilu Hospital der Shandong University in Jinan zu dem Schluss: »Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Bevacizumab plus Standardbehandlung für Patienten mit schwerem Covid-19 von großem Nutzen ist.« Eine randomisierte kontrollierte Studie sei gerechtfertigt.

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