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Nasensprays

Besser unkonserviert

Nasalia sollten möglichst immer in der Konservierungsmittel-freien Variante abgegeben werden. Das gilt sowohl für Akuttherapeutika wie abschwellend wirkende Nasensprays als auch für regenerierend wirkende Zubereitungen mit Dexpanthenol oder Hyaluronsäure. Verschiedene technologische Entwicklungen sorgen dafür, dass ein Nasenspray auch ohne Konservierung auskommt.
Elke Wolf
29.10.2018
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Bei einer verstopften Nase etwa infolge einer Nasennebenhöhlenentzündung sorgen topische α-Sympathomimetika schnell für eine freie Nase. Weil Xylometazolin, Oxymetazolin oder Tramazolin in Tropfen- oder Sprayform effektiv die Belüftung und den Sekretabfluss in den Nasengängen verbessern, empfiehlt etwa die S2k-Leitlinie Rhinosinusitis diese Topika bei akuten Nasennebenhöhlenentzündungen. Allerdings sollten sie wegen der Gefahr eines Rebound-Effekts und der Gefahr einer Rhinitis medicamentosa nicht länger als zehn Tage eingesetzt werden und sollten frei von Benzalkoniumchlorid sein, darauf legen die Leitlinienautoren wert.

Konservierende Inhaltsstoffe und dabei vor allem Benzalkoniumchlorid stehen bereits seit Jahren in der Kritik. Benzalkoniumchlorid hat ein deutliches allergenes und auch zytotoxisches Potenzial. Präklinische Daten zeigten sowohl in vitro als auch in vivo, dass Benzalkoniumchlorid konzentrations- und zeitabhängig die Zellmorphologie der Mukosa schädigt und die Zilienschlagfrequenz bis hin zum irreversiblen Stillstand hemmt.

Studien zeigen einen signifikanten Unterschied im Zellwachstum zwischen konservierten und unkonservierten Nasensprays. Das heißt, dass die eigentlich schädigende Komponente der Dekongestiva nicht der abschwellend wirkende Inhaltsstoff, sondern das Zusammenspiel mit Benzalkoniumchlorid ist. Die zusätzliche Gabe von Dexpanthenol vermag dagegen das zyto- und zilientoxische Potenzial von α-sympathomimetischen, konservierten Nasensprays zu reduzieren.

Für Benzalkoniumchlorid-haltige Arzneimittel zur Anwendung in der Nase ist seit 2004 ein Warnhinweis in der Gebrauchs- und Fachinformation angeordnet. Zur Konservierung wird fast ausschließlich dieser Stoff verwendet, sehr selten nur Kaliumsorbat, Benzylalkohol oder 4-Hydroxybenzoesäuremethylester. Immer noch gibt es viele gängige Präparate, die mit Benzalkoniumchlorid konserviert sind.

Galenik entscheidend

Dabei ist es heute möglich, den Inhalt auch ohne den Zusatz von Konservierungsmitteln frei von Keimen zu halten, und zwar mithilfe spezieller Behältnisse und Abfüllverfahren. Hier gilt es, sich als Apotheker über die technologischen Hintergründe des Präparates zu informieren und die Inhaltsstoffe zu studieren, um ein geeignetes Präparat empfehlen zu können.

Bei Sprühsystemen mit sogenannter Außenluftfiltration sorgt zusätzlich ein Filter im Lufteinlasskanal für Keimfreiheit. Die einströmende Außenluft muss das feinporige Filter passieren, wodurch Keime und schwebende Partikel zurückgehalten werden. Weiterhin findet sich entweder an der Nasenapplikatorspitze ein Ventil oder weiter unten im Applikator eine silberhaltige Spiralfeder. Beim sogenannten APF-System besteht der Filter aus einer Teflonmembran mit einer maximalen Porenweite von 0,2 µm. Beim sogenannten 3K-System (3-Keimbarrieren) besteht der ringförmige Filter aus porösem Polyethylen, in welches zusätzlich Aktivkohle als Adsorbens und metallisches Silber eingearbeitet sind. Im Nasenapplikator des 3K-Systems ist der erwähnte silberhaltige Draht integriert.

Es gibt aber auch Dosiersprühfläschchen, die ohne Ansaugen von Außenluft auskommen, stattdessen mit einem speziellen Verschlussmechanismus im Nasenapplikator arbeiten. Dabei handelt es sich um das COMOD-System (Continuous Monodose System) mit einer Airless-Dosiersprühpumpe. Durch die spezielle Luftführung bei der Betätigung der Dosierpumpe kommt die darin enthaltene Lösung zu keinem Zeitpunkt in Kontakt mit der Umgebungsluft. Dafür sorgen die spezielle Pumpe und der mit einem flexiblen Innenbeutel ausgestattete Spezialbehälter. Die COMOD-Technologie wird vorrangig für Augentropfen verwendet.

Der Druckausgleich nach der Entnahme von Lösung erfolgt nicht durch das Einströmen von Luft ins Innere des flexiblen Innenbeutels, sondern das Luftvolumen wird in den Spalt zwischen der Behälterwand und dem Innenbeutel geleitet. Dadurch faltet sich der Beutel durch den, mit vermehrter Inhaltentnahme steigenden Unterdruck, nach und nach zusammen. So kann der Zusatz von Konservierungsmitteln zu Lösungen in Mehrdosisbehältnissen entfallen.

Foto: Fotolia/ Racle Fotodesign

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