| Daniela Hüttemann |
| 02.10.2026 18:00 Uhr |
Bei der topischen Anwendung werden die eingesetzten Glucocorticoide vier Wirkstärkeklassen zugeordnet. »Die tatsächliche Wirkung ist aber auch abhängig von Hautalter, Hautzustand und Galenik«, schränkte Hoffmann ein. Zur Selbstmedikation sind nur Präparate mit Hydrocortison, Hydrocortisonacetat und Prednisolon aus Klasse I freigegeben. Einziger Vertreter in Klasse IV ist Clobetasol-17-propionat, das nur einmal täglich und maximal für zwei Wochen angewendet werden soll.
In der Akuttherapie wird die Formulierung ein- bis zweimal täglich aufgetragen, und zwar »dünn«. Dieser Begriff ist für Patienten durchaus erklärungsbedürftig. Zudem sollte wirklich nur das betroffene Areal, bei Insektenstichen nur punktuell, gecremt werden. Danach sollte man sich die Hände waschen.
Bei einer Anwendung über zwei Wochen ist eine Intervalltherapie üblich, bei der ein täglicher Wechsel beim Cremen mit dem Arzneimittel und einer cortisonfreien Basispflege erfolgt. Alternativ sind drei bis vier Tage Pause pro 14 Tage Anwendung möglich. Bei einer Rezidivtherapie wird häufig nur zweimal wöchentlich appliziert. Bei einer Langzeittherapie gilt wie bei der oralen Anwendung, dass die Therapie ausgeschlichen werden muss.
Zur Vermeidung einer systemischen Resorption sollten dermale Glucocorticoide in der Regel nicht im Gesicht, auf verletzter Haut und offenen Wunden oder in Hautfalten (wegen des Okklusionseffekts) angewendet werden. Bei Übergebrauch atrophiert die Haut (Pergamenthaut). Andere mögliche dermale Nebenwirkungen sind Steroid-Akne, übermäßiger Haarwuchs (Hypertrichose), erweiterte Kapillargefäße (Teleangiektasien) und Dehnungsstreifen (Striae). Bei Anwendung auf mehr als 20 Prozent der Körperoberfläche sollte auf eine systemische Therapie umgestellt werden.
Auch für die nasale Anwendung stehen mehrere Wirkstoffe zur Verfügung, darunter Beclometasondipropionat, Fluticason-17-propionat und Mometasonfuroat auch für die Selbstmedikation. Laut Hoffmann hat Mometasonfuroat unter den OTC-Produkten die geringste systemische Wirkung. Offizielle Indikationsgebiete sind die saisonale allergische Rhinitis, die vasomotorische Rhinitis und Polypen. Off Label kommen Cortison-Nasensprays auch bei Geruchs- und Geschmacksstörungen sowie zur Entwöhnung bei Abhängigkeit von abschwellenden Nasensprays zum Einsatz.
Wichtig für die Anwender: Die Sprays müssen vor der Anwendung geschüttelt werden. Sie entfalten ihre volle Wirksamkeit erst nach zwei bis vier Tagen und müssen regelmäßig angewendet werden (keine Bedarfsmedikation). Die maximale Dosis beträgt zweimal einen Hub pro Nasenloch.
Um eine systemische Resorption zu begrenzen, sollte der Oberkörper bei der Anwendung leicht nach vorn geneigt und über Kreuz gesprüht werden, also mit der rechten Hand ins linke Nasenloch und umgekehrt.
Wie bei der dermalen Anwendung kann die Nasenschleimhaut atrophieren; auch eine Rachenreizung wie bei den Inhalatoren ist möglich, daher empfiehlt es sich auch hier, nach der Anwendung etwas zu trinken oder zu essen. Als Begleittherapie empfiehlt sich ein pflegendes Nasenspray oder eine Nasensalbe.