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Krampfadern und Cellulite

Beine in Bestform

Venenprobleme, Krampfadern und Cellulite haben einen gemeinsamen Nenner: Sie zeugen von einem schwachen Bindegewebe. Und der Sommer bringt dann ans Licht, was in der kühleren Jahreszeit mit langer Kleidung gut verborgen werden kann. Gefäßspezialistin Professor Dr. Viola Hach-Wunderle erklärt, was sich gegen schwache Venen und für ein straffes Bindegewebe tun lässt.
Elke Wolf
19.07.2019
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Venenprobleme sind weit verbreitet. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) sollen rund 32 Millionen Menschen betroffen sein und Krampfadern, Venenentzündungen, Thrombosen oder eine chronische venöse Insuffizienz (CVI) haben. Krampfadern sind dabei am häufigsten. Bei jeder zweiten Frau und jedem vierten Mann schlängeln sie sich an den Beinen entlang. Da Frauen anlagebedingt ein schwächeres Bindegewebe besitzen, sind sie häufiger von den krankhaften Aussackungen der oberflächlich gelegenen Venen betroffen. »Neben der hormonellen Konstitution ist der wichtigste Risikofaktor jedoch eine entsprechende genetische Disposition«, sagt Professor Dr. Viola Hach-Wunderle, Expertin der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) und Sektionsleiterin im Gefäßzentrum am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt am Main, im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung.

Mit Ausnahme der kleinen rot-bläulichen Gefäße, die als Besenreiser durch die Haut schimmern, »sind Krampfadern nie nur Schönheitsfehler«. Im Laufe von Jahren können sich sichtbare Krampfadern an der Beinoberfläche immer mehr erweitern und zu einer Schwellungsneigung und einem Schweregefühl im Bein führen. »Bereits vorgeschädigte, also erweiterte Venen dehnen sich bei Wärme noch mehr aus und verlieren dadurch weiter an Elastizität. Die Venenklappen, die eigentlich den Blutrückfluss in die Beine verhindern sollen, schließen noch schlechter als ohnehin schon«, erklärt die Gefäßspezialistin. »Das Blut sackt bis zur Knöchelregion hin ab. Hinzu kommt eine erhöhte Durchlässigkeit der Venenwände, sodass Flüssigkeit im Gewebe liegen bleibt, oftmals direkt sicht- und tastbar in der Knöchelregion. Ausdruck dessen sind Schwellungen und Schmerzen im Bein.«

Spätestens bei einer verstärkten Venenzeichnung, bei Anzeichen früher abgelaufener Entzündungen wie Narben und bräunlichen Pigmentierungen in der Knöchelregion oder am Unterschenkel sei von medizinisch relevanten Krampfadern auszugehen. »Die bräunlichen Hautverfärbungen sind durch Eisenpigment bedingt, das aus dem gestauten Blut in die Haut übertritt.« Im Laufe der Jahre können sich bindegewebige Verhärtungen ausbilden, und am Ende stehen Hautgeschwüre und ein offenes Bein, skizziert Hach-Wunderle den Verlauf einer CVI im ungünstigsten Fall.

Wann ist es Zeit für eine Intervention? »Im Stadium der geschwollenen, schweren Beine und einer deutlich sichtbaren Venenzeichnung ist es höchste Zeit, einen Arzt aufzusuchen«, rät sie. »Der Patient muss jedoch unverzüglich zum Phlebologen oder Angiologen, wenn Schmerzen und Ödeme plötzlich auftreten. Beides können Zeichen einer Thrombose der tiefen Venen sein. Auch wenn eine Krampfader gerötet und verhärtet tastbar ist, sollte umgehend ein Gefäßspezialist aufgesucht werden«, rät die Expertin. Dann handele es sich wahrscheinlich um eine oberfächliche Venenthrombose, eine Phlebitis. Thrombosen in oberflächlichen und in tiefen Venen sind gefürchtet, weil sie eine Lungenembolie auslösen können, wenn sie mit dem Blutstrom in die Lungenarterien geschwemmt werden.

»Eine Kompressionstherapie erzielt eine sofortige Besserung der Symptome wie Schmerzen, Spannungsgefühl sowie Ödeme und ist somit die wichtigste Maßnahme bei Venenproblemen.« Die Kompression mit Verband oder Strumpf erhöht die Effizienz der Muskelpumpen, verbessert die Fließgeschwindigkeit des Blutes und damit den venösen Rückfluss zum Herz.

Oral eingenommene Ödemprotektiva (siehe auch Seite 8) unterstützen die Effekte. Hach-Wunderle hält die Phytopharmaka auch geeignet für Patienten, die eine Kompression nicht vertragen, etwa aufgrund der synthetischen Anteile des Strumpfmaterials. »Und sie haben auch einen Stellenwert bei Patienten, die nicht zwingend einer Kompression bedürfen, weil sie nur leichter ausgeprägte Krampfadern haben.« Nach einer vier- bis achtwöchigen Einnahme sollte der Effekt überprüft werden.

Ja, die Kompressionstherapie sei unbeliebt, gibt Hach-Wunderle zu. Deshalb sei es entscheidend, auf den Betroffenen einzugehen und ihm genau zu erklären, was die Kompression bringt. »In kritischen Fällen hat es sich bewährt, mit einem leichten Strumpf der Kompressionsklasse I ohne Fußspitze und ohne einengende Abschlussränder zu beginnen. Wenn man gleich zu Beginn einen festeren Strumpf der Klasse II rezeptiert, der dazu noch bis zur Leiste geht, dann hat man als Arzt und Patient oft schon von Vornherein verloren.«

Aber sowohl Kompression als auch Ödemprotektiva können aus kranken Venen keine gesunde mehr machen. Bei eindeutigen Befunden rät Hach-Wunderle, die Krampfadern zu beseitigen. Dafür stehen die Operation (Krossektomie, Stripping, Phlebektomie) oder die »innere Verklebung« der Krampfadern mit Laserstrahl oder Radiowellen (thermische Ablation) zur Verfügung. Bei leichteren Fällen kann eine Sklerosierung angewandt werden; dabei verklebt der Arzt die betroffene Vene durch Einspritzen eines Verödungsmittels; Sklerosierungen müssen meistens in jährlichen Abständen wiederholt werden, um ein gutes Langzeitergebnis zu erzielen. Eine kausale Therapie von Krampfadern ist also nur mit einem invasiven Eingriff möglich.

Problemzone Po abwärts

Neben Krampfadern und schwachen Venen gibt es noch andere sichtbare Zeichen einer Bindegewebsschwäche: So gehört die Erschlaffung der Haut mit Faltenbildung im Gesicht, an Hals, Dekolleté und Oberarmen genauso dazu wie Dehnungsstreifen am Bauch und unliebsame Dellen an Po und Oberschenkeln, etwas despektierlich auch Orangenhaut oder Hagelschaden genannt.

Geschätzte 80 Prozent der Frauen haben, selbst wenn sie schlank sind, Cellulite an Po und Oberschenkeln. Dass die Betroffenen meist weiblich sind, hat zum einen hormonelle Gründe: Estrogene lassen besonders viele Fettzellen, sogenannte Adipozyten, in der Unterhaut entstehen. Die Fettpolster sollen der Frau als Energiereserve für Schwangerschaft und Stillzeit dienen. Wenn sich die Adipozytentrauben aufblähen, schieben sie sich durch Bindegewebsfasern, Septen genannt, hindurch nach außen und erzeugen die ungeliebten Dellen.

Dass Männer fast immer von Cellulite verschont bleiben, liegt zum anderen aber auch daran, dass ihr Bindegewebe anders aufgebaut ist: Bei Männern sind die Septen fester, die Fasern darin verlaufen parallel zur oberen Haut, sodass sich alles in allem eine netzartige Struktur ergibt. Das verleiht größere Stabilität. Das weibliche Bindegewebe ist dagegen auf Dehnung für eine eventuelle Schwangerschaft eingestellt: Bei Frauen sind die eher dünnen Bindegewebssepten senkrecht zur Hautoberfläche angeordnet. Die Adipozyten können deshalb leicht aus den Bindegewebssträngen herausquellen.

Die lockere Struktur der elastischen Fasern des Bindegewebes ist also der Grund des Cellulite-Übels. Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil an stützenden Fasern im Gewebe ab. Das betrifft gleichermaßen das feste Kollagen wie auch das flexible Elastin. Das Gleichgewicht zwischen Auf- und Abbau der Fasern wird zugunsten des Abbaus verschoben, wodurch die Stabilität und Geschmeidigkeit des Gewebes nachlässt.

Rundum-Programm

Zahlreiche Präparate stehen im Apotheken- und Drogerieregal, die der Cellulite den Kampf ansagen. Ihre Angriffspunkte sind der Fettstoffwechsel, die Kollagensynthese und der Blutfluss im geschwächten Bindegewebe. ihr Erfolg ist jedoch selbst bei konsequenter Anwendung über Monate hinweg nicht garantiert. Es ist eher das komplette Paket an Rundum-Maßnahmen, das eine Cellulite in ihrem Erscheinungsgrad zu vermindern mag (siehe Kasten).

Von den zahlreichen Wirkstoffen, die in Cellulitemitteln Einsatz finden, sind nur die wenigsten auf ihre Wirksamkeit geprüft. Die meisten Präparate enthalten Methylxanthine, in erster Linie Coffein. Ist es in mindestens 2- bis 3-prozentiger Konzentration enthalten, führt es im subkutanen Fettgewebe zur lokalen Lipolyse. Das verkleinert Fettzellen, und große Fettzellanhäufungen werden aufgebrochen. Daneben verfügt Coffein über eine durchblutungsfördernde Komponente. Häufig wird Coffein mit L-Carnithin kombiniert, da dieses dem Coffein als Schlepper durch die Haut dient.

Neben der Steigerung der Lipolyse ist die Hemmung der Lipogenese, also des Fettaufbaus, eine weitere Strategie, gegen die Orangenhaut vorzugehen. Wirkstoffe versuchen ein weiteres Anwachsen der Adipozyten zu verhindern, indem sie in der Unterhaut der Problemzonen Glucose abfangen. Ein Überangebot an Glucose würde anderenfalls zu Reservefett umgewandelt und abgelagert. Als Glucosefänger tätig werden das synthetisch hergestellte Diglucosyn und die Pflanzeninhaltsstoffe Phloridzin und Rutin, aus Extrakten junger Apfelbaumrinden das eine, aus rotem Weinlaub das andere. Ebenfalls das Ungleichgewicht von Lipolyse und Lipogenese ausgleichen, das haben die Pflanzenextrakte von Birke, Ginkgo biloba und Rosskastanie zum Ziel. Wobei alle drei darüber hinaus die Mikrozirkulation verbessern, da sie venöse und lymphatische Kapillaren abdichten.

Die Fähigkeit, die Kollagensynthese in den Fibroblasten des Bindegewebes anzukurbeln, schreibt man dem Vitamin-A-Abkömmling Retinol zu. Bei regelmäßiger Anwendung zweimal täglich sollen so die schwach ausgeprägten Bindegewebssepten gestärkt werden, sodass sich die subkutane Fettschicht nur erschwert in die Dermis vorwölben kann. Die oberste Hautschicht wird widerstandsfähiger. Darüber hinaus fördert Retinol die Synthese von stark wasserbindenden Glykosaminglykanen, was die Lederhaut straffer erscheinen lässt.

Auch »Kollagen zum Trinken« in Form von kurzkettigen Kollagen-Peptiden ist auf dem Markt. Daneben sind Extrakte des indischen Wassernabels, die oral eingenommen werden, in vitro in der Lage, Fibroblasten zu aktivieren und damit die Kollagensynthese hochzufahren. Das verschlankt nachweislich den Adipozyten-Durchmesser.

Unterstützend kann auch die langfristige kurmäßige Einnahme der Schüßler Salze Nr. 1, Calcium fluoratum, und Nr. 11, Silicea, wirken. Der Effekt lässt sich mit der äußeren Anwendung von Nr. 1 und Nr. 11 als Lotionen unterstützen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Kieselsäure, da sie zum Aufbau von festen und dennoch elastischen Bindegewebsfasern benötigt wird. Kieselsäure hilft der Haut, Spannkraft zu bewahren. 

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