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Siemsen

»Bei Spahns Plänen bleibt Nachhaltigkeit auf der Strecke«

Auf der gestrigen Kammerversammlung in Hamburg zeigte sich Präsident Kai-Peter Siemsen enttäuscht über die Ausführungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn beim Deutschen Apothekertag in München.
Christiane Berg
20.11.2018
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Der Minister hatte vorab angekündigt, zu diesem Termin seine politischen Pläne für den Arzneimittel- und Apothekenmarkt und insbesondere auch seine Lösungsansätze zur Behebung der Folgen des Rx-Versandhandels öffentlich zu machen. »Es kam, wie ich es befürchtet und vorausgesagt hatte: Entgegen seiner vorherigen Ansagen brachte der Minister nichts Konkretes. Im Gegenteil: Zwischen den Zeilen war zu lesen, dass es ein Rx-Versandverbot mit ihm wohl nicht geben wird«, konstatierte der Kammerpräsident.

»Spahn liebt Spahn. Er hat den Apothekertag als Bühne zelebriert und sich selbstgefällig präsentiert, ohne inhaltlich Tiefgründiges zur Sache beizutragen«, kritisierte Siemsen. Auch in der anschließenden Diskussion mit den Delegierten habe Spahn keine Vorschläge zur Problemlösung gemacht, sondern lediglich betont, dass ein Referentenentwurf für das entsprechende Gesetz bis Ende des Jahres stehen soll.

Mit seiner Ankündigung, auch über das 2hm-Gutachten reden zu wollen, habe Spahn den Apothekern noch einen weiteren Dämpfer versetzt. Den »vergifteten Vorschlag«, den Apothekern zur Ablenkung das Impfen anzubieten, nannte Siemsen »unanständig und respektlos, da dem Minister die Zwietracht, die er zwischen Ärzten und Apothekern säte«, bewusst war.

»Wer nun meint, dass Spahn tatsächlich keinen Plan für den Apotheken- und Arzneimittelbereich hat, sei gewarnt«, so der Kammerpräsident weiter. Der Minister sei lange Zeit Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium gewesen und habe dabei immer auch mit Lobbyisten aus der Gesundheitswirtschaft zusammen gearbeitet. »Ein Schelm, wer Böses dabei denkt«, konstatierte der Kammerpräsident.

Egal, ob im aktuellen Wahlkampf um den Parteivorsitz oder im Ringen um eine mögliche spätere Kanzlerkandidatur: Um seine Karriere voranzutreiben, müsse Spahn nunmehr als Gesundheitsminister Ergebnisse präsentieren. Selbst nicht wissend, wie lange die GroKo hält, habe er sich daher ein enges Zeitfenster gesetzt und drücke auf die Tube. »Seine Erfolge müssen hipp sein, sie müssen der Masse gefallen. Da könnte jedwede Nachhaltigkeit auf der Strecke belieben«, warnte Siemsen.

Auch wenn es kein Rx-Versandverbot geben sollte: Der Kammerpräsident betonte, dass die Apotheker an ihren Forderungen nach Gleichpreisigkeit für verschreibungspflichtige Arzneimittel festhalten und sich die Sicherung ihrer Struktur nicht für billiges Geld abkaufen lassen werden. »Es nützt nichts, ein schönes Haus auf einem bröckeligen Fundament zu bauen«, sagte er.

»Wir Apotheker sind eine wichtige Profession für die Gesellschaft. Wir gehören zu den Expertenberufen. Wir brauchen uns nicht klein machen und werden in den Gesprächen mit Spahn ein Gesamtpaket präsentieren, dass neben strukturerhaltenden Maßnahmen auch eine Anpassung unserer generellen Honorierung sowie Vorschläge zur Vergütung von Dienstleistungen wie AMTS, Medikationsanalyse und Medikationsmanagement enthalten muss«, sagte er.

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